93/13: Mirza Odabaşıs stiller Aufschrei gegen die Tatenlosigkeit

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Foto: M. Odabaşı


Hüseyin Topel, SOLINGEN

Am Mittwoch stellte Mirza Odabaşı seinen Kurzfilm „93/13“ vor. Für den Künstler war der Film eine Reise in die eigene Vergangenheit, aber auch in die anderer Persönlichkeiten. Die Premiere rief bei ihm gemischte Gefühle hervor.

Mirza Odabaşı (l., in einer Filmszene) erlebte am Mittwochabend bei der Gala seines Films „93/13“ eine gedrückte Freude, denn die Hochachtung des jungen Künstlers gegenüber der Familie Genc und ihrer unvorstellbaren Trauer ist groß. Odabaşı kann sich nicht über sein erstes großes Werk freuen: „Es ist ein zwiespältiger Tag, an einem solchen Trauertag ist es eigentlich komisch, dass es für mich auch Anlass zur Freude gibt. Nichtsdestotrotz bedanke ich mich, dass Ihr so zahlreich erschienen seid“, sagte er kurz nach seiner erfolgreichen Filmpremiere.

Unter den zahlreich erschienenen Gästen mangelte es nicht an Prominenz: Neben Cem Özdemir, dem Vorsitzenden der Grünen, waren u.a. der Kabarettist Fatih Çevikkolu aus Köln und Zerrin Konyalıoğlu aus Hamburg angereist. Ebenso kamen zahlreiche Vorsitzende von türkischen Vereinen und Gemeinden. Auch viele Pressevertreter, vornehmlich von türkischen Medien, waren anwesend.

Der junge Mann mit orientalischer Hose, dunklem Bart und schnittiger Frisur, trat mit selbstbewussten, aber bescheidenen Schritten in den Saal 4 des Solinger Cinemaxx. Nach einer kurzen Einleitung und ausdrücklichen Danksagung an die Eltern begann der Film. „Es handelt sich bei diesem Film um eine Reise durch die Zeit“, so Odabaşı. Bei dieser Reise sollen mithilfe des Kurzfilms Antworten gefunden werden, warum unscheinbare Rassisten das Leben des Migranten in Deutschland auch heute noch so erschweren.

Die Reise fängt an einem Punkt an, der für die Filmakteure eine Zäsur darstellte und ihr Leben maßgebend geprägt hat. Es geht um den Zeitpunkt des Brandanschlags in Solingen, um den 29.05.1993, aber auch um die NSU-Morde.

 

Die Angst vor Brandanschlägen prägte Odabaşıs Kindheit

Das Feuer, das am 29. Mai 1993 in Solingen 5 unschuldigen Kindern das Leben kostete, ist über die Zeit zur Quelle zahlreicher persönlicher Anliegen geworden. So auch der Film „93/13“, der mit Odabaşı persönlich beginnt: Damals, als 5-Jähriger, habe er nach dem Schrecken von Solingen solch eine Angst vor Brandanschlägen gehabt, dass er verzweifelt alle Anzeichen an seinem Fenster im 5. Stock, die auf seine türkische Abstammung hinweisen könnten, zu entfernen versuchte.

Mirza Odabaşı spricht mit dem Kabarettisten Fatih Çevikkolu, Spitzenpolitiker Cem Özdemir, Sprachwissenschaftlerin Zerrin Konyalıoğlu und weiteren türkischstämmigen Persönlichkeiten, die den Brandanschlag zum Anlass nehmen, nicht mehr länger zu schweigen. Für viele von ihnen war der Brand ein Anschlag auf die demokratischen Werte, aber auch ein Angriff auf die Tatenlosigkeit und Trägheit des Alltags eines Jeden aus dieser gemischten Gemeinschaft.

Spätestens als es auf der auf die Leinwand projizierten Deutschlandkarte, genau an der Markierung, die Solingen darstellen soll, anfängt zu brennen, weiß jeder im Saal, wie ernst dieser Film gemeint ist. Mit einer schlichten, aber in der Aussage derart kräftigen Animation erweckt Mirza Odabaşı bei jedem Zuschauer Respekt und fesselt den Fokus auf die Wunden der Familie Genç. Die Tränen von Mevlüde Genç, während sie ausnahmslos detailliert über die grausame Nacht erzählt, rütteln in jedem Zuschauer Gefühle wach, die möglicherweise nie in diesem Zusammenhang hervorgerufen wurden.

Nein, Hass fühlt man nicht bei diesen Szenen, sondern man folgt der Berufung des Künstlers, diese noch lange nicht beendete Reise endlich mitzugehen und aus Fehlern zu lernen. Nicht mehr weg-, sondern hinzuschauen, damit in Deutschland kein 5-Jähriger mehr mit der Angst leben muss, wie es damals Odabaşı tun musste.

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