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Nachdem ich die Sendung im September 2014 aufmerksam mitverfolgt hatte und die Antworten als unbefriedigend und abgeblockt empfand, brannte in mir die Neugier, zu erfahren, was Abdul Adhim Kamouss eigentlich noch sagen wollte. Die Fragen, die in der Diskussion gestellt wurden, können nicht in zwei kurzen Sätzen beantwortet werden, da die Themengebiete ziemlich breit gefächert ist. Es gibt Bücher wie Sand am Meer, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen und sogar diese reichen bei Weitem nicht aus. Wie soll also ein Mann es innerhalb von ein paar Minuten schaffen, auch nur das Wesentliche zu erklären, wenn er innerhalb dieser Minuten dazu noch mehrmals unterbrochen wird?

Deshalb habe ich ein Interview mit Herrn Kamouss geführt, um zu sehen, was er eigentlich in dieser Runde sagen wollte und noch einiges mehr.

Herr Kamouss, könnten Sie sich kurz vorstellen? Wo kommen Sie ursprünglich her (Marokko, Heimatstadt)?

Ich bin im Jahre 1997 nach Deutschland gekommen, um zu studieren. Mein Studium habe ich an der TU Berlin als Dipl.-Ingenieur in Elektrotechnik abgeschlossen. Ich habe in der Forschung beim Fraunhofer-Institut gearbeitet, bei der deutschen Bahn als Planungsingenieur und danach als freiberuflicher Ingenieur. Parallel führe ich momentan ehrenamtlich in Deutschland Predigten und Imam-Aufgaben aus, speziell in Berlin in mehreren Berliner Moscheen. Ich bin verheiratet, habe Kinder und wohne in Berlin.

Was ist Ihr Ziel? Was möchten Sie mit den Youtube-Videos erreichen?

Youtube und das Internet allgemein sind neue Plattformen im Bereich der Medien. Heutzutage ist das zu den herkömmlichen Medien wie Fernseher, Radio und Zeitungen die Konkurrenz Nr. 1. Die meisten Bürger entnehmen ihre Informationen aus dem Internet. Wir sind allerdings nicht nur auf Youtube aktiv, sondern auch im realen Leben und zwar in Berlin und in anderen Bundesländern (Seminare, Vorträge). Das, was Sie in Youtube sehen, sind nur Aufnahmen von den Aktivitäten, die wir in den verschiedenen Moscheen machen, d.h. nicht, dass ich in einem Raum sitze und einen Kameramann kommen lasse, der mich aufnimmt und anschließend lade ich das Video hoch. Die Aufnahmen sind sozusagen zweitrangig, denn die Hauptveranstaltungen finden real statt, also in den Moscheen. Über den Youtube-Kanal erreichen wir andere Menschen, die keine Möglichkeit haben, Vorträge zu hören. Es gibt viele Muslime in Deutschland, die in bestimmten Städten und Dörfern leben, wo in Moscheen beispielsweise nur Türkisch gesprochen wird. Sie haben kein Angebot in deutscher Sprache und durch den Youtube-Kanal ermöglichen wir den Zugang zu den islamischen Informationen auf Deutsch. Natürlich haben wir damit auch eine größere Reichweite als nur Berlin. In Berlin sitzen vielleicht nur 200-300 Leute im Vortrag, aber wenn es aufgenommen und hochgeladen wird, erreichen wir tausende Menschen.

Wo haben Sie sich das islamische Wissen angeeignet?

Ich bin in der islamischen Bewegung geboren und groß geworden. Seit dem 6. Lebensjahr lerne ich stetig dazu. In Marokko hieß die islamische Bewegung damals Jama’a al Islamiyya. Dort habe ich meine Jugend verbracht. Ich war aktives Mitglied in dieser Gruppe. Ab dem 6. Lebensjahr bin ich in der Umgebung von Wissenden und Gelehrten aufgewachsen. Das Wissen habe ich auf klassische Art und Weise mündlich von den Gelehrten mitbekommen. Mein Bruder ist selbst ein Scheikh und Imam in Marokko. In meiner Kindheit habe ich von ihm gelernt. Danach lernte ich durch die Jama’a al-Islamiyya und die Gelehrten, die in unserer Stadt, in den jeweiligen Moscheen waren. Wir haben auch viele Schulen in der Hauptstadt Rabat, die religiöse Wissenschaften anbieten, an denen ich teilgenommen habe. Bis zum 19. Lebensjahr war ich mit dem Wissenserwerb beschäftigt. Ich war durstig und hungrig und habe jeden Tag nur an Wissenssitzungen teilgenommen, bis ich Marokko verlassen habe. Dann bin ich nach Deutschland gekommen und habe meinen Wissenserwerb weiter vertieft und habe hier auch von großen Scheikhs wie Dr. Salim  (der Präsident des Gelehrtenkomitee’s der Schafi-i-Madhab (eine der vier Rechtsschulen) in Libanon), der in der Al-Nur-Moschee war, gelernt. Ebenfalls habe ich durch Gelehrte, die Europa besucht und Seminare Angeboten haben, teilgenommen und gelernt. Die Reise des Wissenserwerbs endet nicht, unabhängig davon wie alt man ist oder wird. Man ist immer in diesem Prozess. Ich habe auch Lizenzen und Bestätigungen von Gelehrten in den verschiedenen Wissenschaften, wie etwa den Hadithwissenschaften, erhalten.

Was geht in Ihnen vor, wenn man vom Jihad in Verbindung mit den IS-Kämpfern redet?

Der Begriff „Jihad“ wird heutzutage missbraucht und mit Kampf verbunden. Von den IS-Kämpfern und ihresgleichen wird er ebenso missbraucht, indem der Jihad eigentlich als Terror definiert wird, indem sie Unschuldige töten, Menschen aus ihren Dörfern vertreiben, nur weil sie vielleicht Nichtmuslime sind. Sie töten sogar ihre Glaubensbrüder, nur weil sie andere Meinungen vertreten. Jihad, wie ihn der IS und seinesgleichen als Fahne tragen, ist kein Jihad. Das ist Kriminalität und Terror und hat mit dem Islam nichts zu tun. Was hat der Jihad damit zu tun, dass man Dörfer oder die Einwohner der Dörfer zum Islam zwingt? Was hat es mit dem Islam zu tun, dass man Menschen versklavt, Gefangene misshandelt, quält und abschlachtet wie die Schafe? Der Jihad, den der IS propagiert, nennt sich Terrorismus. Sie haben vom Islam nichts verstanden. Sie haben ihre Menschlichkeit und ihre Herzen verloren. Meines Erachtens sind die meisten von ihnen krank. Sie haben psychische Belastungen. Sie sind lieblos erzogen und groß geworden. Und das sind nur die Ergebnisse ihrer Erziehung (Natürlich gibt es auch andere Fälle. Das ist von mir pauschal erläutert), in der sie keine Liebe bekommen haben und keine Barmherzigkeit bekommen haben. Diese Menschen haben sich da gefunden. Sie kommen aus verschiedenen Orten, Ländern und Kontinenten. Dort haben sie eine Gruppe gefunden, die ihren Hass in dieser Form zeigt.

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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