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Was sagen Sie zu der Meinungsäußerung, dass „Jihadisten“ durch Vorträge der Prediger beeinflusst werden?

Natürlich gibt es Einflüsse. Man darf nicht unterschätzen, dass die Inhalte von Predigten bestimmter Prediger radikalisierend auf die Jugendlichen wirken. Für mich gibt es Prediger, die direkt radikalisierend sind, d. h. sie verbreiten Hass und insbesondere Hass gegenüber Andersgläubigen. Sie haben eine ganz schlimme Philosophie, wie sie gegenüber den anderen sind. Es gibt Prediger, deren Methoden für die Radikalisierung nährend und stärkend wirken, nämlich die Prediger, die nur sich auf dieser Erde sehen und sagen: „Wir sind die Muslime und wir sind die Besten und alle anderen sind nur verdorbene Menschen und Seelen. Sie kommen alle in die Hölle.“ Durch ihre Methoden verbreiten sie indirekt Hass. Und verursachen bei ihren Zuhörern eine Denkweise, dass alle anderen Menschen schlimm und unreine Seelen sind und dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist vielmehr eine Philosophie, die bei den Zuhörern eingepflanzt wird. Es gibt aber auch indirekte Radikalisierer, die nicht zu Hass und nicht zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft aufrufen. Sie beleidigen und provozieren nicht. Sie predigen zwar Barmherzigkeit und Gutes, aber sie können trotzdem radikalisierend wirken, ohne dass sie es merken. Dazu gehört auch Abdul Adhim. Also meine Wenigkeit. Ich habe niemals Hass gepredigt. Ich habe niemals gepredigt, dass wir die anderen schlecht sehen sollen, oder dass wir besser sind, aber ich habe in meiner Predigerzeit festgestellt, dass man Fehler macht, in dem man nicht die richtige Auswahl der Themen trifft, in denen man sich mit dem Verständnis des Islam und mit der Quran-Exegese, also sich mit klassischen Wissenschaften beschäftigt. Da produzieren wir zwar religiöse Menschen, aber nicht zeitbewusste Menschen. Menschen, die nicht bewusst mit ihrer Zeit und ihrem Ort, wo sie leben, umgehen. Deshalb war das ein Fehler von mir. Deshalb habe ich gesehen, es fehlt vieles in meinen Predigten. Es fehlt Aufklärung, innerislamische Aufklärung in verschiedenen und heiklen Themen, die sehr problematisch sind. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es die ganze Zeit gefehlt hat. Das war auch unter anderem das, was ich auch in der Günter-Jauch-Sendung versucht habe, zu erklären. Leider habe ich kein Gehör gefunden. Ich entwickle mich während meines Lebens als Prediger hier in Deutschland, gewinne jedes Jahr neue Erkenntnisse und an Weisheit dazu, was auch nur menschlich ist. Meine gewonnenen Erkenntnisse sind, dass die Themen, die ich für meine Predigten auswähle, richtig wirken müssen und zwar positiv in den Köpfen der Zuhörer, dass sie eine bessere Übersicht über ihr Leben hier in Deutschland kriegen, dass wir die Themen ansprechen, die uns interessieren. Und dazu kommt auch noch die Aufklärung nach außen, bei den Nichtmuslimen. Wir müssen mit ihnen in Dialog treten und versuchen, ihre Fragen über den Islam zu beantworten, dass Islam keine Religion des Hasses und der Ausgrenzung ist. Darum bemühe ich mich jetzt.

Was sagen Sie dazu, dass die Scharia in Deutschland kein Platz hätte, da alle friedlich zusammenleben sollten?

Derjenige, der so eine Aussage trifft, hat nichts von der Scharia verstanden. Das sind diejenigen, die mit dem Begriff oberflächlich umgehen. Der Begriff Scharia umfasst die Erziehung, die Lebensweise, die Lebenseinstellung und den Charakter eines Muslims. Die Scharia macht aus uns gesunde Gesellschaftsmitglieder, die gut mitwirken, friedlich leben, barmherzig mit den Mitmenschen zusammenleben. Leider kommen die Journalisten der verschiedenen Zeitungen nicht aus dem theologischen Bereich, sodass sie über solche Themen sprechen und schreiben könnten. Das, was mir dort fehlt, ist, dass sie keine Islamwissenschaftler einstellen, die ihre Beiträge schreiben, denn sie könnten es besser darstellen. Die Leute schreiben über die Scharia, den Jihad in einer oberflächlichen Weise. Dadurch wird ein Bild in den Köpfen erzeugt, das falsch und oberflächlich ist. Das sehen wir an Beispielen, dass man die Scharia mit dem Hand abhacken und mit der Todesstrafe verbindet. Dabei redet kein Muslim in Deutschland, wenn er über die Scharia redet, über diese Dinge. Wir wissen, dass es ein nicht islamisches Land ist, dass es ein demokratisches Land ist, wo die die Muslime als Minderheit leben und keiner kommt auf die Idee, dass hier die Scharia als Staatsverfassung eingeführt wird. Jemand, der so etwas sagt, lebt auf dem Mond oder auf dem Mars. Aber nicht in Deutschland. Die Scharia gebietet uns das Gute und verwehrt das Schlechte. Jeder Muslim kann unabhängig von der deutschen Verfassung seine eigene Scharia ausleben, d. h. z. B. dass Unzucht verboten ist, das weiß jeder Muslim und dass Zinsen nehmen und geben verboten sind. Ich kann meine Scharia praktizieren, während ich in Deutschland lebe, in dem ich keine Zinsen gebe und nehme, in dem ich keine Unzucht begehe, indem ich nicht bestimmte Schändlichkeiten aus Sicht des Islam begehe und damit praktiziere ich auch die Scharia. Das steht nicht im Gegensatz zur Verfassung, weil diese das auch bewahrt und versichert, dass jeder seine Religion frei ausleben darf. So verstehe ich die Scharia, die der Muslim nach den Geboten und Verboten des Islams auslebt.

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Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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