Antimuslimische Stereotypen als Sicherheitsrisiko

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Bildquelle: Jasper Goslicki | Attribution-Share Alike 3.0 Unported | Transparent des Vereins „Arbeit Familie Vaterland“ von Henry Nitzsche, parteiloser Bundestagsabgeordneter

In einem neulich in Spiegel veröffentlichten Artikel wird deutlich, dass Stereotypisierung und Vorurteile nicht einmal in Bezug auf Themen der inneren Sicherheit halt machen: In diesem speziellen Beispiel ist die Rede ist von zwei Muslima aus Österreich, 15 und 16 Jahre alt, die vermisst werden. Laut Spiegel hätten sich die beiden Mädchen angeblich „normal“ angezogen und seien somit nicht aufgefallen. Man hat deshalb anscheienend nicht erwartet, dass die zwei Jugendliche eine Verbindung zu Djihadisten haben könnten. Die Frage die man sich hier stellen sollte ist: Was ist das Bild,auf das in diesem Artikel Bezug genommen wird? Kopftuch? Hijab? Nun stelle man sich vor, was das umgekehrt bedeuten würde—wenn jemand ein Kopftuch trägt oder einen Hijab.

Lassen Sie uns in diesem Artikel über die Bilder von Muslimen, die die Medien disseminieren, diskutieren und später darauf eingehen, warum limitierte Denkweisen die innere Sicherheit gefährden können.

Moslems in den Medien

„Ausrutscher“ wie diese im Spiegel sind leider keine Einzelfälle. Vorurteileüber Moslems sind in den Medien weitverbreitet. Muslime werden nicht nur oft negativ, sondern auch hochgradig stereotypenhaft dargestellt, als ob alle Muslime oder auch nur die extremistischen unter ihnen (gegeben, dass hier das Eine von dem Anderen überhaupt unterschieden wird), eine homogene Gruppe mit verbindlichen Merkmalen darstellen würden. Oft wird nicht einmal zum Beispiel zwischen Türken, Moslems, Arabern oder Terroristen unterschieden. Sie werden alle in einem Topf geworfen und auf diesem Niveau finden viele Begegnungen statt. Auch wenn viele Vourteile nicht offen ausgesprochen werden: Wenn man genau hinhört, kann man sie sehr leicht herausfiltern.

Ausrutscher wie der oben genannte sind sehr aussagekräftig. Sie sind aber auch nur die Spitze des Eisberges und reflektieren das un(selbst)zensurierte Unterbewusstsein. Medien disseminieren, verstärken und verfestigen Vorurteile; auch wenn sie diese vielleicht nicht (immer) kreieren:

„Allahs rechtlose Töchter. Muslimische Frauen in Deutschland“ – so titelte Deutschlands auflagenstärkstes Nachrichtenmagazin Der Spiegel im November 2004 und präsentierte in einem 34-seitigen Themenschwerpunkt das traumatische Schicksal einzelner muslimischer Frauen […] Mit dem Cover […] reproduzierte der Spiegel das historisch tradierte und nach wie vor dominante Stereotyp der unterdrückten Muslimin. Die Analyse über einen längeren Zeitraum zeigt, dass sich bei der medialen Darstellung muslimischer Frauen durch fortwährende Wiederholung mit geringer Variation ein bestimmtes Muster herausgebildet hat, dessen sich beispielsweise auch das Magazin stern mit seiner Titelstory ‚Frauen im Islam‘ vom Juli 2010 bediente.“

Vorurteile, Stereotypen und innere Sicherheit

Lassen Sie uns nun besprechen, warum solche Bilder nicht nur zu einer ungesunden Gesellschaft führen, sondern auch eine Gefahr für die innere Sicherheit bedeuten können.

Hier ein Beispiel:Das Attentat der Sauerlandgruppe konnte durch die Hilfe der Vereinigten Staaten verhindert werden. Man frage sich nun, wie stereotypisch einige der Anführer dieser Gruppe waren. Ferner: Stellen Sie sich vor, Sie würden einer extremistischen Gruppe angehören. Wenn sie erkannt haben, dass nach stereotypischen Personen Ausschau gehalten wird,wie würden Sie Ihre Rekrutierungsstrategie anpassen? Das einfachste wäre, sie würden jemand rekrutieren,der nicht auffällt, in dem Fall wäre es zum Beispiel eine Frau, die „nicht muslimisch aussieht“,  ein weißerDeutscher, ein englischer oder norwegischer Mann. Auf weitere Details wird hier nicht eingegangen, in der Hoffnung, dass dieses Beispiel aussagekräftig genug sein dürfte. Im Hinblick auf den Kampf gegen Extremismus oder Terrorismus ist es wichtig, so fortschrittlich und differenziert wie möglich zu denken.

Eine starke Gesellschaft durch Zusammenhalt und Zusammenarbeit

Wie das FBI es zum Beispiel nach 9/11 vorgemacht hat, muss die muslimische Community im Kampf gegen Extremismus einbezogen werden, besonders in dem Fall, dass es um Extremismus innerhalb der einenen Community geht. Denn Mitbürger aus der Communitykönnen Informationen liefern, an die man sonst sehr schlecht herankommt. Einigenaus der Community fallen die Extremisten eventuell auf. Man muss eine Beziehung zu diesen Communities aufbauen, damit man die Informationen, die man braucht, auch bekommt. Durch Diskriminierung und Respektlosigkeit gegen die Community wird man an die Information jedoch kaum kommen können.

„Teile und herrsche“—der größte Schaden kann einer Gesellschaft zugefügt werden, wenn man sie spaltet.Wenn friedliche Menschen unterschiedlicher Religionen gegeneinander kämpfen, gewinnen nur die Extremisten, die dem Rechtsstaat und Demokratie schaden wollen. Sie können nur dann gewinnen,wenn eine Gesellschaft gespalten und geschwächt ist und wenn Menschen, die zueinanderhalten sollten, gegeneinander kämpfen.

Stereotypische Bilder, die die Medien verbreiten, schaden der Gesellschaft nicht nur in der Hinsicht, dass sie ständig betonen, dass die Muslimenicht zu uns gehören und somit diese Menschen Diskriminierung und Marginalisierung erfahren, sondern senden auch unbeabsichtigte Messages an Muslime: dass sie nicht zu uns gehören. Man sollte sich dann nicht zu sehr wundern, wenn einige Muslime sich dann tatsächlich so verhalten, als würden sie wirklich nicht zu uns gehören.

Einigung auf Grundwerte—Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Gleichberechtigung, gegenseitiger Respekt

Die Kriege der Zukunft werden anders aussehen als die in der Vergangenheit. Im Kampf gegen den Terrorismus wird nicht mehr gegen mehr oder weniger identifizierbare Staaten, sondern gegen Zellen gekämpft. Zellen, die sich beliebig, jederzeit und überall formen können; auch im Landesinneren. Man kann sie weder effektiv verbieten noch einfach bekämpfen. Exklusion ist ein Nährboden für den Extremismus, und jede Art von Exklusion—sei sie religiös, wirtschaftlich, sozial und vieles mehr— ist nicht nur Ausdruck einer verwerflichen Einstellung, sondern auch eine größere Gefahr für die Demokratie und Rechtsordnung als je zuvor.

Eine der Lösungen für das Problem wäre, dass man,nachdem man sich als Gesellschaft auf einige wichtige Werte wie Rechtstaatlichkeit, Demokratie, Respekt, Akzeptanz, Gerechtigkeit, Moral und Gleichberechtigunggeeinigt hat, diese positive Werte dann auch vorlebt;zusammenhält, ohne Angst und Paranoia zu entwickeln,und hofft, dass die vorgelebten Ideale überzeugen werden; was höchstwahrscheinlich auch eintreffen wird. Denn am Ende des Tages sind alle Menschen grundsätzlich gleich: Sie wollen friedlich zusammenleben, in einer Gesellschaft, in der sie respektiert werden; eine Gesellschaft, die ihnen faire Chancen auf ein menschenwürdiges Leben bietet.

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About Author

Die Verfasserin ist geborene Fürtherin. Sie hat ein Abitur vom Dürer-Gymnasium in Nürnberg; einen Bachelor in Allgemeine Geisteswissenschaften und einen Master in Öffentliche Verwaltung vom Western Michigan University. Sie ist im Jahre 1998 in die USA ausgewandert und lebt seit 2011 wieder in Deutschland. Sie sitzt im Vorstand der internationalen gesellschaft für diversity management (idm). Sie hat ihr eigenes Blog (http://diversitygermany.blogspot.de/) wo sie Artikel über Diversity, Anti-Diskriminierung, Chancengleicheit und ähnliche Themen veröffentlicht.

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