Auch nach dem Krieg geht das Leid in Palästina weiter

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Zu Beginn möchte ich anmerken, dass dieser Text ursprünglich eigentlich dazu dienen sollte, das vergessene Leid wieder etwas in den Vordergrund zu rücken. Menschen sterben und wir schauen weg. Ich konnte es nicht mehr ertragen, dieses Leid einfach ausblenden und so tun, als ob nichts wäre. Ebenfalls war meine Absicht die Menschen als Menschen wie Du und Ich, im Hier und Jetzt zu sehen.

Einige Passagen sind nicht ganz aktuell, aber ich möchte Euch dadurch in die Lage versetzen, meine Gedanken von vor ein paar Monaten nachvollziehen zu können.

Mittlerweile ist es leider Gottes nicht mehr nötig, zu erwähnen, dass die Menschen dort leiden, da der Teufelskreis von vorn begonnen hat und das in einem großen Ausmaß…

Schon im Kindesalter haben mich Städte wie Jerusalem und Bethlehem fasziniert. Im Religionsunterricht sprach der autoritäre Lehrer oft über das Land Palästina, während er uns Geschichten aus dem Neuen sowie auch dem Alten Testament nahe brachte.

Wenn wir die Bibel aufschlugen, dann war das Erste was uns ins Auge sprang, das fettgedruckte „Palästina“ auf dem Hardcover rechts und links.

Bevor ich in die Schule kam, verfolgte ich monatelang einen biblischen Trickfilm. Dort spielten sich die Erzählungen über Jesus (Isa, a.s.), ebenfalls im heutigen Israel bzw. Palästina ab. Deshalb verbindet mich so vieles mit dem Land und weil es mich in meiner Kindheit so geprägt hat, nenne ich dieses Land in diesem Text auch so, wie es für mich immer war, nämlich Palästina.

Die Erweckung der ursprünglichen Neugierde nach elementaren Fragen vollzog sich erneut:

Was bin ich?

Wo komme ich her?

Was ist der Sinn meines Daseins?

Was passiert, wenn wir eines Tages nicht mehr sind?

Was hat es mit diesem Heiligen Land auf sich?

Was passiert dort?

Wie leben die Menschen?

Wer sind sie überhaupt?

Was unterscheidet uns von den Menschen dort?

All diese Fragen schwebten durch meinen Kopf.

Wie zu Zeiten des Propheten Jesus (a.s.) spielte und spielt sich auch heute sehr viel in diesem Land ab. Doch leider gerieten die Ereignisse immer mehr in den Hintergrund. Deshalb habe ich einiges unter die Lupe genommen.

Dass die Friedensorganisationen die Kinder zur Schule begleiten, ist z. B. in Hebron Alltag. Bei uns nicht.

Hebron ist, wie viele andere Städte in Palästina, geteilt. Israel behauptet, dass die Sicherheitsvorkehrungen, aufgrund von Terrorismus, nötig seien. Die Schutzmauer wurde im Jahre 2003 erbaut. „Anders wäre es gar nicht möglich, den Terror abzuwehren“, heißt es.

Israelis und Palästinenser dürfen nicht die gleiche Straße benutzen. Alles ist auf zwei Seiten aufgeteilt. Das ist dies das Ergebnis des Terrors, so die Meinung Israels.

Die Situation vor Ort hat ein ganz anderes Gesicht als die Sichtweise Europas es nahelegt. Die Lebensweise dort prägt die Menschen. Vor allem das Leid der Palästinenser ist deutlich zu spüren.

Bauern müssen Umwege über Israel zu ihren Feldern fahren. Das dauert viel länger als eigentlich nötig. Somit müssen die Menschen dort sehr viel Zeit in die Fahrt investieren. Kostbare Zeit geht dadurch verloren.

Landarbeit oft nicht mehr möglich

Allein an den Checkpoints vergehen mindestens 45 Minuten Wartezeit und das ist Alltag. Könnte man die 45 Minuten nicht sinnvoller investieren? In Palästina leider nicht möglich. Die Menschen sind gezwungen, diese Wartezeiten in Kauf zu nehmen und das jeden Tag.

Die Palästinenser fühlen sich durch die Mauer schikaniert. Die Mauern strecken sich immer weiter aus in das Heilige Land. Der Ausbau der Mauer nimmt den Menschen immer mehr Land weg. Wobei die Bauern sehr stolz auf ihr Ackerland sind. Genau dieses könnten sie jedoch verlieren, wenn das Land zum Bau von Pipelines, Straßen und Wohnflächen durch Israel genutzt wird.

Normalerweise kommen auf das Ackerland nur Bauern. Die Friedensorganisationen schauen sich das allerdings an, um später zu berichten und evtl. sich für das Land einzusetzen.

Die Existenz der Palästinenser hängt von dem Ackerland ab. Überall auf dem Land sind israelische Warnschilder mit der Aufschrift „Betreten verboten“ zu finden. Im Boden sind Löcher, welche mit Sprengsätzen ausgestattet sind. Diese Sprengsätze sind für den Steinbruch „gedacht“. Es gab und gibt immer noch viele Explosionen, damit genügend Steine für den Bau der Häuser in den Siedlungen vorhanden sind. Diese Strategie begann 1993, obwohl die Genehmigung erst 1996 durch war. Also wo kommt das Recht her, einfach mal 3 Jahre vorher zu beginnen, ohne überhaupt zu wissen, ob diese Maßnahme überhaupt genehmigt wird? Warum wird da nicht gehandelt? Warum wird diese Schikane einfach totgeschwiegen?  Stattdessen werden einfach weitere Kriege geschaffen, um von dem Übel abzulenken. Ich sage nur Syrien oder Ukraine. Wobei die Ukraine wiederum dazu dient, um von dem Übel in Syrien abzulenken. Die Schlagzeilen sind voll von Zeitungsartikeln über die Ukraine. Man muss schon mit der Lupe suchen, damit man Auskunft über andere Länder kriegt. Traurig, aber man gewöhnt sich und sucht dann gezielter, um der ganzen Hirnwäsche zu entgehen.

Die Gebiete in Palästina werden immer mehr durch Israel absichtlich mit Häusern abegebaut, um die Palästinenser bzw. Bauern nach und nach zu vertreiben.

Jeder Stein wird blau markiert und es gibt sehr viele Markierungen. Diese Maßnahme dehnt sich immer weiter und weiter aus.

Nach israelischem Gesetz darf ein Stück Land in Anspruch genommen werden, wenn es zu 60 % aus Stein besteht. So gesehen „nicht für die Landwirtschaft geeignet“.

Siedler eignen sich aufgelassenen Besitz an

Das legt sich die israelische Regierung schön zurecht, um das Ackerland für die Siedlungen beanspruchen zu können.

Würden wir uns nicht erschrecken, wenn wir das mit eigenen Augen sehen würden? Wir sollten einfach unsere bildliche Vorstellung mehr anstrengen. Das genügt schon vollkommen.

Wenn jüdische Siedlungen immer mehr ausgebaut werden, werden die Bauern nicht mehr auf das Ackerland fahren können und werden somit ihre Existenz verlieren. Das sind die verheerenden Folgen.

Wenn ein Palästinenser in einer israelisch besetzten Zone lebt, muss er Umwege zu seinem eigenen Haus machen, weil er nicht die gleichen Straßen benutzen darf.

Erst vor kurzem habe ich in einer Moschee am Fastenbrechen teilgenommen. Juden, Christen und Muslime waren vertreten. Ein schönes gemeinsames Miteinander hat stattgefunden. Ebenfalls sah ich in einer Reportage über Bethlehem, wie diese Religionsgemeinschaften gemeinsam Weihnachten feierten. Das wäre der ideale Weg, ein Zeichen zu setzen und genau das hat mich an diesem Land fasziniert.

Streit gibt es zwischen den Bürgern des Landes tagtäglich, lt. Berichten aus Dokumentationen. Die Palästinenser verlieren ihren Besitz an jüdische Siedler. Ist das gerecht? Mit welchem Gewissen kann man so etwas vereinbaren?

Die Araber bewohnen das Land bereits seit über 7000 Jahren. Das jüdische Volk vertritt die Meinung, dass König David das Land beherrscht hat. Aber was für eine Zeitspanne war das? Wahrscheinlich war das ein minimaler Bruchteil der Geschichte. Vielleicht 1 %. Für die Israelis reden die Palästinenser Unsinn und aus ihrer Sicht haben sie einfach alles erfunden.

Ganz einfache Frage:

Warum werden normale Bürger Palästinas unter die Lupe genommen? Weil sie Landwirtschaft betreiben? Wovor soll geschützt werden? Warum soll sich das palästinensische Volk durch die Hamas nicht schützen wollen? Haben sie keine Rechte?

Nur mal so eine Frage am Rande des Wahnsinns: Wer ist gefährlicher, die Hamas oder die israelischen Eingriffe?

Aus israelischer Sicht sollen die genannten Maßnahmen zur Sicherheit dienen. Zu welcher Sicherheit? Zur Sicherheit vor Kindern?

Die Friedensbeobachter sind überzeugt, dass der Bau der Siedlungen nicht legal ist. Brauchen wir dafür ein Fachwissen, um das festzustellen? Eher nicht! Ein ganz normaler Menschenverstand reicht dafür auch vollkommen aus.

Warum die Radikalen so viel Zulauf haben

Wer hat nun Recht? Ein komplizierter Konflikt. Sollten wir uns als „Normalo“ Gedanken darüber machen oder sollten wir unseren Verstand einfach ausknipsen? Das wollen die Medien erreichen und bei einer großen Menschenmasse erreichen sie es auch, in dem sie das Volk mit anderen Mitteln locken. Welche, brauche ich jetzt nicht erwähnen. Dafür habe ich jetzt die Nerven nicht, ich will mich nicht weiter aufregen.

Häuser palästinensischer Bürger werden einfach platt gemacht innerhalb von 30 Minuten. Und das ohne Vorwarnung. In Null Komma Nichts stehen die Bürger vor einem Trümmerhaufen ihres Hab und Guts, ihrer Zukunft. Jeder von uns hat das Recht, in einem Heim zu leben, das voll Ruhe, Liebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl und Glück ist. Sie etwa nicht?

Tränengas wird eingesetzt, wenn Gegenwehr geleistet wird. Familien werden körperlich verletzt und müssen anschließend stationär behandelt werden. Das passiert z. B., wenn eine Familie keine Baugenehmigung hatte. Da wird dann nicht diskutiert. Für den Abriss der Häuser wurde von Israel in Zusammenarbeit mit einer weltbekannten amerikanischen Firma, die sogar zu den 300 größten der Welt gehört, extra ein Bulldozer entwickelt. Nur dafür!

Aus israelischer Sicht ist dies ein ganz normaler Vorgang gegen illegalen Häuserbau. Wobei diese im Falle einer regulären Antragstellung aber auch einfach nicht genehmigt werden. Ohne Begründung!

Dann frage ich mich: Was ist normal? Den Begriff kann man nicht definieren. Genauso wie offenbar auch das Wort „Menschenrechte“!

Es ist also ein ganz „normaler“ Vorgang. Werden denn Kriterien in Betracht gezogen, wie:

1. Wie lange dauert es ein Haus zu bauen?

2. Was kostet ein Haus?

3. Wie lange bezahlt man ein Haus ab? 30 Jahre? Oder mehr?

Was würde passieren, wenn so mit den israelischen Siedlungen gehandelt werden würde? Das will ich mir gar nicht ausmalen. Wir wissen ganz genau, wo das enden würde!

Anscheinend fing diese Häuserzerschmetterei an, um die Häuser der palästinensischen Attentäter plattzumachen. Nun wird’s einfach überall gemacht. Gute Taktik der Einführung einer zerstörerischen Strategie.

Ein junger Mann stand in so einem Fall vor den Trümmern seiner Zukunft, weil das Haus für seine zukünftige Familie niedergerissen wurde. Und das ist der traurige Alltag in diesem Land.

Fortsetzung: Wagdy aus Gaza im Interview

Dieser Artikel erschien auch bei www.tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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