Danke liebe Kanaken

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Bildquelle und Copyright: Tatjana Rogalski

Eines Abends beschloss ich meine nebenberufliche Weiterbildung doch anzugehen, nach Langem hin und her. Obwohl meine Entscheidung schon lange feststand, brachte mich dennoch der Satz meines Lehrers „Das wird ein steiniger Weg“ zum Nachdenken. „Werde ich es packen? Mittendrin aufhören kann ich nicht, denn dann werde ich mich wie ein Loser fühlen!“ schoss mir der Gedanke durch den Kopf!

Ein Satz verändert alles

Im Endeffekt habe ich natürlich die Weiterbildung angetreten. Doch darum geht es hier nicht. Sondern lediglich um diesen einen Satz. Bis heute habe ich ihn vor Augen, denn es gibt immer etwas im Leben, was uns runterzieht. Die Frage ist: Nehmen wir diese Herausforderung als Ansporn an oder lassen wir uns unterkriegen? Das zu den großen Entscheidungen im Leben.

Übertreibe es nicht mit der Analyse

Ich möchte hier auf die Kleinigkeiten mit unseren Mitmenschen im Alltag eingehen, die uns das Leben erschweren und deren Handlungen wir nicht immer einordnen können, da wir nicht wissen ob der Mensch, der uns über den Weg läuft immer so unfreundlich ist oder nur zu uns, just in diesem Moment. Um ehrlich zu sein, möchte ich das auch gar nicht interpretieren, denn es interessiert mich relativ wenig was die anderen denken. Da wären wir beim Thema: Mit diesen Kleinigkeiten meine ich gewisse Alltagssituationen, die uns den Tag vermiesen, sei es die unfreundliche Kassiererin beim Einkaufen, das Unverständnis der Mitmenschen aufgrund unserer Hautfarbe, Religion oder Herkunft. Immer die gleichen Themen, ja ja ja…ich weiß!

Danke der kanakischen Freundlichkeit

Aber an dieser Stelle möchte ich mich bedanken und zwar bei allen Kanaken, denen ich in meinem Leben über den Weg gelaufen bin, welche mir den Tag auf irgendeine Weise versüßt haben. Versüßt durch beispielsweise eine Extraportion Fleisch in meinem Döner. Mit der Frage „Buyrun…hangi etti“ beginnt immer das Gespräch, weil ich keine Außenstehende bin. Sobald der Dönerverkäufer merkt, dass ich nicht türkischer Herkunft, kommt die Korrektur „Welches Fleisch?“ Danke ebenfalls an die Kanakenputzfrau, die mir meinen Arbeitstag versüßt, in dem sie mir ein strahlendes Lächeln schenkt. Oder aber auch der Kanake in der Tapas Bar, der für mein Wohlbefinden während eines Betriebssausflugs sorgte, in dem er sicherstellte, dass alle Tapas-Versionen ohne Fleisch in meiner Ecke abgestellt wurden und die anderen Kellner darauf hinwies, dass „die Dame“ bitte die anderen Leckereien vor ihre Nase aufgetischt bekam. Du standest da, als Du gesehen hast, dass mein Getränk alle war, obwohl der Laden vor Geschehen nur so tobte und wartetest geduldig am Tisch, als ich Dir kurz davor sagte, dass ich gerne zahlen möchte, bevor ich um die Ecke bog, um mich aufzufrischen. Ich muss nichts sagen, denn Ihr Kanaken wisst, was es heißt Respekt einer Person entgegenzubringen, weil Ihr wahrscheinlich selbst oft in solchen Situationen seid und wisst, wie unangenehm es sich anfühlt, wenn Respektlosigkeit herrscht. Alle am Tisch waren über Deine Freundlichkeit erstaunt und schauten mich mit großen Augen an. Und das sind nur zwei einfache Beispiele. Die kanakische Freundlichkeit in Deutschland ist Alltag, es sehen halt oft nur die Kanaken selbst, weil der Fokus immer auf dem „auffälligen“ Kanaken ist und diese Freundlichkeit somit ausgeblendet wird.

Respekt zählt und nichts anderes

Es ist mir auch egal, ob Du ein christlicher, muslimischer, jüdischer oder atheistischer Kanake oder Kanakenfrau bist. Die Hauptsache ist, Du bringst mir Respekt entgegen, wie es jedem einzelnen Menschen auf dieser Welt gebührt. Deshalb danke liebe Kanaken! Ihr versüßt mir den Tag, wenn ich an Menschen gerate, die mich runterziehen, und nicht nur dann. Allein schon durch die Blicke, die 1000 Worte sagen, reichen und danke, dass Ihr mir das Gefühl gibt sich in Deutschland wohlzufühlen!

Wenn ich solche Momente erlebe, verspüre ich tiefe Dankbarkeit und euphorische Freude zugleich. Solch eine Freude, die ich nur bei meiner Familie verspüre. Und jedes Mal, wenn ich mich in diesem Momenten befinde, gehen mir diese Zeilen durch den Kopf, ich schließe meine Augen und muss lächeln…

Dieser Weg …

Das Lied, das du am letzten Abend sangst

Spielte nun in mir Noch ein paar Schritte

Und dann war ich da mit dem Schlüssel zu dieser Tür

Dieser Weg wird kein leichter sein

Dieser Weg wird steinig und schwer

Nicht mit vielen wirst du dir einig sein

Doch dieses Leben bietet so viel mehr

Manche treten dich

Manche lieben dich

Manche geben sich für dich auf

Manche segnen dich

Setz dein Segel nicht,

Wenn der Wind das Meer aufbraust…

Dieser Artikel erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

2 Kommentare

  1. Tatjana Rogalski
    Tatjana Rogalski on

    Hallo Herr Potok, falls Sie damit sagen möchten, ob ich in einer muslimischen Familie aufgewachsen sind, so ist die Antwort „Nein“. Zur zweiten Frage: Es spielt keine Rolle welcher Religion oder Neigung der Mensch folgt. Jeder hat denselben Respekt verdient.

  2. Chaim Potok on

    Liebe Tatjana,

    zwei Fragen: 1. bist du von Haus aus Moslem und 2. würde ich als nicht Bruder (schwul/jüdisch/amerikanisch) von Brüdern auch mal den Nektar der Habibi-Respekts kosten dürfen?

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