Dein letzter Atemzug

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Pixabay | CC0 Public Domain | geralt

Die Zeit steht still. Ich höre jeden meiner Atemzüge, das Herz pochen, die Lungen tun ihre Arbeit. Ich laufe weiter und sehe die Menschen um mich herum vorbeiziehen. Sie gehen wie gewohnt ihren Dingen nach. Ich laufe und schaue langsam nach rechts, nach links…und nichts hat eine tiefgründige Bedeutung. Es ist wie ein Traum, das Leben. Ein Traum aus dem man eines Tages aufwacht und sich an alles nur noch verschwommen erinnert.

„Sterben ist friedlich…leicht!“*

Du holst tief Luft und atmest sie in einem langen Atemzug wieder aus. Deine Atemmuskeln entspannen sich. Es war dein Letzter…
Schon oft habe ich mich mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. Als Kind habe ich angefangen darüber nachzudenken. Einer der Gründe warum ich nach einem festen Glauben gesucht habe.
Doch plötzlich ist momentan um mich herum nur noch der Tod. In den letzten Wochen sind viele Menschen um mich gestorben.

Insbesondere eine gewisse Person, die mir alles bedeutet hat, ist nun auf ihrer Reise im Jenseits….

Der Februar war für mich ein dunkler Monat und das Jahr 2016 wird ein schwieriger. Ich sehe alles schwarz und lasse diesem Schwarzsein Raum. Schwarz finde ich nicht gruselig. Ich verbinde damit Kraft und Stärke, die aus dem Tod für die Hinterbliebenen heraus resultieren. Ein Gewinn an Bewusstsein und mentaler Reife. Ich lasse es zu und lebe es aus. Ich zwinge mich zu nichts. Ich zwinge mich nicht zu lachen, wenn ich keine Lust drauf habe, nicht zu essen, wenn ich keinen Appetit habe und ich lasse Sachen liegen, wenn ich mich gerade dazu nicht aufraffen will oder kann, auch wenn der Wäschekorb mal überquillt…. und es ist okay.

Beiträge über den Tod und Trauer scheine ich momentan magisch anzuziehen und ich lese sie dann auch, dabei haben diese mir aus der Seele gesprochen. Sie sprechen die Punkte an, die mir in den letzten Tagen oder Monaten innerhalb unserer Gesellschaft im Allgemeinen bewusst geworden sind: Trauer, traurig sein oder einfach nur schlecht drauf sein, ist in unserer Gesellschaft unerwünscht. Wir kriegen 2 Tage Sonderurlaub und dann muss es ja auch weitergehen, nicht wahr?!

Es wird verdrängt, um möglichst schnell wieder „Normalität“ einkehren zu lassen. Man spricht so wenig wie möglich darüber. Das bringt ja das Hamsterrad total durcheinander. Nein, das geht nicht. Weg damit. Dabei ist der Tod das Natürlichste überhaupt. Es gehört zum Leben dazu und muss ebenfalls ausgelebt werden, in jeder Hinsicht. Erst dann entwickeln wir das Bewusstsein für das Leben. Wenn wir des Todes bewusst sind, ist plötzlich alles egal und wir sehen die Dinge, die wirklich wichtig sind, wenn wir ihn an uns heranlassen. Stattdessen MÜSSEN wir funktionieren, machen, tun, unseren Zielen näher kommen, ganz egal, wie wir uns fühlen, wir MÜSSEN weitermachen, unseren Pflichten nachgehen, wie ein Terminator, ununterbrochen.

Wir DÜRFEN uns keine Auszeit nehmen, denn DANN sind wir Nichtsnutze, die vor sich dahinvegetieren und zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Wir gelten als schwach! Wir sind zu nichts fähig und beruflich ungeeignet, da wir nicht mehr das bringen, was wir mal gebracht haben und warum? Weil wir uns nicht konzentrieren können. Unser Herz und unsere Seele und somit unser Kopf ist voll von Trauer, die wir unterdrücken, der wir kein Platz lassen und die uns deshalb nach und nach auseinanderbrechen lässt…wenn wir es zulassen….

Ich lasse es nicht zu. Schwach sein ist Verdrängung. Sich den Dingen stellen ist Stärke. Ich lasse den Tod an mich heran, springe ins kalte Wasser und sauge dabei die Kraft des Lebens ein… die Luft…die Sonne…und die Freude… bis er wieder vorbeizieht und eines Tages er vor meiner Türe steht…
Schließe die Augen, atme tief ein und habe Vertrauen, denn…

5. Doch wahrlich, mit dem Schweren kommt die Erleichterung.

*Zitat aus Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen

Dieser Beitrag erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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