Showing 1 of 1

Bei uns in Deutschland hat sie auch schon begonnen; die Weihnachtssaison! Ja, obwohl es noch nicht einmal Advent ist, sind die Geschäfte schon gefüllt mit Weihnachtsdekoration, Weihnachtsschokolade, Weihnachtsplätzchen, Plätzchengewürze… Weihnachten ist mit Abstand die längste Saison des Landes, und die lukrativste. Zu keinem Fest machen Geschäfte so viel Umsatz wie zu diesem. Nicht einmal der Osterhase kann mit dem Nikolaus mithalten! Kein Wunder also, dass alle ein Stück vom Weihnachtskuchen abhaben wollen. Das ist nicht nur bei uns so. Auch in den USA haben sich die Konzerne, die Geschäfte und die Gastronomen Gedanken gemacht. So auch der globale Kaffeeriese Starbucks, der jedes Jahr zu Weihnachten einen offiziellen Weihnachtspappbecher rausbringt. Auf die Reaktion mancher US-bürger auf den diesjährigen Pappbecher, war aber wohl keiner so recht vorbereitet.

Na gut. So eine kleine Vorahnung, dass wieder so etwas passiert, hatten wohl schon einige. Denn in den USA ist es mittlerweile fast schon Tradition, dass konservative Christen um diese Jahreszeit vom „war on Christmas“ sprechen. Ja. Die ganze Welt will den armen Christen das Weihnachtsfest verbieten. Nicht einmal „Merry Christmas“ darf man mehr sagen. Am Weihnachtsmarkt dürfen Atheisten Kunstwerke aus Bierdosen aufstellen und manche Städte haben die Frechheit, anstelle des teuren Riesenweihnachtsbaums, einen vermeintlich modernen Designerbaum hinzustellen. Eine Frechheit!

Natürlich ist das alles maßlos übertrieben. Jeder der mal einen Amerikanischen Weihnachtsfilm gesehen hat, weiß wie überladen mit Weihnachts-bling dort allein schon die Häuser sind. Weihnachtsbeleuchtung, wohin das Auge sieht, Weihnachtsfilme, Weihnachtscartoons, Weihnachtsepisoden in populären Serien, Weihnachtsmärkte, Weihnachtsmenüs, Weihnachtslieder… und… ja… Weihnachtsbecher bei Starbucks!

Kein Weihnachten bei Starbucks?! Das bedeutet Krieg!

Nun hat sich Starbucks aber dieses Jahr gedacht: hey, lasst uns mal was frisches, modernes, machen. Dieses Jahr lassen wir die kitschigen Schneeflocken, Weihnachtsmänner, Rentiere und Schlitten weg und kreieren einen „Minimalist-look“. Einen simplen Roten Becher der ganz unten dunkelrot ist und nach obenhin kaum merklich heller wird um ein Gefühl von Leichtigkeit zu erschaffen, so leicht wie der Milchschaum auf den „chestnut praline latte“… Der Kontrast zu unserem grünen Logo sieht doch dann voll Weihnachtlich aus! Und die Schneeflocken kommen dann ganz geschickt auf den braunen Becherhalter. Oh Starbucks. Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Wahrscheinlich dachten die ärmsten, bei der vielen Weihnachtsbeleuchtung und den vielen Schmuck überall, wird ein weniger überladener Becher sich super gut machen.

Aber genau dieser minimalistisch moderne Gedanke war für die Konservativen Anlass zur Empörung. Keine Weihnachtlichen Symbole? Keine Zuckerstangen, keine Weihnachtsbäume und keine Sterne auf den Bechern?! Kein Weihnachten bei Starbucks! Das… bedeutet Krieg…. Ein Krieg… auf… Weihnachten!

Facebook und Twitter füllten sich schnell mit Posts und Tweets besorgter und erboster Christen, die von nun an auf ihren morgendlichen Kaffee verzichten wollen, weil Starbucks ihren Glauben nicht respektiert. Denn Respekt, das weiß doch jeder, zeichnet sich damit aus, das man den Nikolaus auf dem Kaffeebecher druckt. Bilder des roten Bechers mit einem Satan als Starbucks-Logo machten die Runde. Der Konzern wurde beschuldigt den „Linken“ in den Allerwertesten zu kriechen, Angst vor den Muslimen zu haben, oder sich schlichtweg zu weigern, das „Christmas Spirit“ zu unterstützen. Leute riefen zum Boykott auf. Und weil gerade Wahlen sind, meldete sich sogar Wahlkandidat und Milliardär Donald Trump zu Wort und kündigte in einer Rede an, es würde bald keinen Starbucks mehr in seinen bekanntesten Gebäude, den Trump Tower, geben, denn alle sollten Starbucks boykottieren. Nahezu positiv wirkt daneben die Aufforderung, das Geld für den Kaffee lieber zu spenden… als es diesen Satansanbetern zu geben! Von den spenden hat dann wenigstens jemand etwas davon.

#RedCupsAreComing

Auf der Gegenseite machten sich normal denkende Christen über den Becherhype lustig oder versuchten ihre Mittmenschen daran zu erinnern, dass Weihnachten eigentlich eine Zeit des Gebens und der Großzügigkeit ist, und statt sich über rote Becher aufzuregen, man sich lieber um das wahre „Christmas Spirit“ bemühen sollte. Zum Beispiel indem man sich um die vielen Obdachlosen kümmert. Und unter dem Hashtag „#RedCupsAreComing“ kann man herausfinden wann die Becher in der eigenen Stadt zu finden sind und sich damit demonstrativ fotografieren.

Vor lauter Diskussion, um diese lächerliche Bechergeschichte, gerieten selbst richtig wichtige Nachrichten in den Hintergrund. Wer hat schon Zweit sich über Kriege und Flüchtlingskriese Gedanken zu machen, wenn doch der Kaffee jetzt in einen roten Becher ohne verdammter Schneeflocken verkauft wird!

Mein Name ist Bond. Jane Bond.

Den Kaffeekonzern wird der ganze Irrsinn höchstwahrscheinlich wenig schaden. Im Gegenteil. Soviel Gratiswerbung, durch die ständige Medienpräsenz, hätte sich das Marketingdepartment sicher kaum träumen lassen. Ich persönlich bin heil froh, dass es in meiner Umgebung keinen Starbucks gibt. Ich mag meinen Kaffee frisch gemahlen, kräftig und mit ordentlich Aroma, und den gibt es nur zuhause. Aber eines würde ich doch liebend gerne mal ausprobieren: Bei Starbucks, zumindest ist es in den USA so, ruft der Barista den Namen aus, der auf den Becher (ja, den roten!) gekritzelt ist (meist mit Schreibfehlern). Die „Red-cup Gegner“ machen sich zurzeit einen Spaß daraus, den Namen „Merry Christmas“ anzugeben, um den vermeintlich Weihnachtsfeindlichen Angestellten zu „zwingen“, ihnen frohe Weihnachten zu wünschen. Das ist natürlich vollkommen kindischer quatsch. Ich würde auf meinen Becher was ganz anderes kritzeln lassen. Auf die Frage nach meinen Namen kann es nur eine Sinnvolle Antwort geben: „mein Name ist Bond. Jane Bond.“

Kommentare

Kommentare

Share.

About Author

wurde 1978 als Mischlingskind einer deutschen Mutter und eines arabischen Vaters geboren. So lernte sie schon früh den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen. Sie studierte Anglistik und Sprachwissenschaft und ist ausgebildete English-Lehrerin. In Dubai arbeitete sie als freiberufliche Journalistin und Drehbuchautorin. Heute ist sie Mutter, und schreibt ehrenamtlich für die deutschmuslimische Bildungsplattform, Grünebanane.de. Außerdem wirkte sie als Radiojournalistin für die Integrationskampagne „Perspektive Ausbildung“ mit, und unterrichtet einen Islamkurs für Nichtmuslime, dessen Ziel es ist Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Comments are closed.

Die Integrationsblogger