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Openly antisemitic Protester in Berlin (17.7.2014)“ von Boris NiehausEigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons.

Was die Medien uns durch die Schlagzeilen vorgeben, worüber wir heute oder morgen diskutieren, uns aufregen sollen, so geben uns auch die Jahreszeiten die Feste innerhalb der Community, insbesondere der islamischen, vor. Allerdings ist es in diesem Fall oft unser eigenes Verschulden.

Jedes mögliche Thema wird im Mund zerkaut, heruntergeschluckt und jedes Jahr aufs Neue wie die Wiederkäuer wieder gekaut und gekaut und gekaut, bis nur noch Speichel zu schmecken ist. Denn der bittere Geschmack der Verwirrung ist schon beim ersten Verzehr heruntergespült worden. Es gibt oft Erfahrungen aufgrund Hass und Hochmut, sei es durch Privatnachrichten oder auch Kommentare innerhalb der sozialen Netzwerke. Ich sage bewusst „oft“, da das nicht nur ausschließlich auf die sozialen Netzwerke zutrifft.

Ostern als Angriffspunkt

Vor kurzem fanden wieder die Osterfeiertage statt. Unsere neuen Muslime fühlen sich in dieser Situation oft zu Unrecht kritisiert und im Stich gelassen. Ja, sie steigern sich sogar in eine Angst hinein, sie würden etwas Falsches machen und somit die Gesetze Allahs missachten, wenn sie an diesen Tagen bei ihren Familien sind und „mitfeiern“. Es hagelt nur von unzähligen Überlieferungen von links und rechts, warum man dieses nicht machen dürfe, warum dies „haram“ (zu Deutsch: nicht erlaubt) sei. Dabei wird jegliche Rücksicht auf die Familienangehörigen der Betroffenen außer Acht gelassen, wo doch genau dieser Teil im Islam hoch angepriesen und einen hohen Stellenwert hat. Genauso die gute Behandlung der Eltern. Auf dieses Themengebiet bezogen werden die Kommentare sowie Überlieferungen allerdings in den meisten Fällen ausgelassen. Das, was im Vordergrund steht, dass man die „Kuffar“ (zu Deutsch: Ungläubige) in ihren Feierlichkeiten unterstützen würde. Wie in vielen Diskussionen, als auch in diversen, individuellen Situationen sollten beide Seiten systematisch analysiert und überdacht werden. Wenn ich mit meiner Familie an Ostern, Weihnachten, Christi Himmelfahrt etc. zusammensitze, verleugne ich gleichzeitig meinen Glauben? Wenn zwei Menschen sich streiten, sollten nicht beide Parteien angehört werden, um nicht nur eine Perspektive zu sehen? Gewiss und die Absicht zählt! Wie kann dann so etwas wichtiges wie die Familie aus solch einer Sicht und insbesondere aus der Sicht des Islam nicht beachtet werden?

Können wir so leichtsinnig solche Haram-Urteile fällen? Steht uns das zu? Ist unser Wissen absolut? Sollten wir uns nicht mal stärker auf „halal“ (zu Deutsch: Erlaubt) konzentrieren?

Dabei steht doch im Koran:

„Wahrlich, diejenigen, die sich zum Glauben bekennen (die Gemeinschaft Muhammads), und diejenigen, die Juden sind, und die Sabäer und die Christen (oder jene, die einem anderen Glauben anhängen) – wer auch immer wahrhaftig und aufrichtig an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und gute, rechtschaffene Werke tut – die sollen keine Angst haben, noch müssen sie traurig sein.“ (Sure 5, Vers 69)
Die Auslegung an dieser Stelle möchte ich mir nicht anmaßen. Ich möchte nur zum Nachdenken anregen, allerdings dies in einem zusammenhängenden Kontext.

Lücken im Herzen

Solche Diskussionen entstehen und es bleibt nicht ausgeschlossen, dass Menschen verschreckt werden und ihre Familien als Folge einfach eiskalt abservieren, da sie an gewissen Familienfesten nicht teilnehmen möchten. Auch wenn dieses akzeptiert wird, so wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Familienmitglied eine große Lücke in den Herzen seiner Liebsten hinterlassen. Ist das der richtige Weg? Oder sollte man sich lieber irgendwo in der Mitte treffen?

Die gegenseitige Akzeptanz nimmt mit jedem Tag ab und der Radikalismus nimmt zu.

Immer wieder die alteingesessenen Themen

Bald ist wieder Ramadan. Neue/alte heiße Themen, wie: „Gehen wir nach dem Mondberechnung oder dem astrologisch errechnetem Ramadankalender? Wer ist im Recht? Stimmt es, wenn man nach dem Kalender geht und einen Tag eher zu fasten angefangen hat, dass der ganze Fastenmonat nicht angenommen wird?“ usw. Wobei die entgegengesetzte Meinung des anderen oft für falsch erklärt und einfach nicht akzeptiert wird. Schiefe Blicke werden sich gegenseitig zugeworfen und in einigen Fällen folgt der Rückzug.

Zurückhaltung aufgrund anderer Ansicht, die nicht der eigenen entspricht? Ist das nicht auch eine Art Rassismus? Muss zwangsläufig nur die eigene Ansicht, besser gesagt die Rechtsschule, richtig sein oder gibt es da vielleicht noch mehr? Ist die muslimische Welt vielleicht doch viel bunter als wir glauben zu wissen? Es gibt so viel Vielfalt zu entdecken und zu erleben. So viel Genuss entgeht uns, wenn wir uns vor der Welt da draußen verschließen. Die Farben dieser Welt sollten nicht nur außerhalb unserer islamischen Community stattfinden, sondern auch innerhalb und zwar nicht nur auf unsere Herkunft bezogen.

Rassismus ist vielfältig

Ist das nicht auch eine Art Rassismus, wenn Schiitten, Sufis, Aleviten etc. abgelehnt und nicht als Freunde akzeptiert werden oder sogar als „Kuffar“ „durchgehen“? Sollten wir nicht einfach akzeptieren, tolerieren, unseren Weg gehen und unser Gegenüber diesen ebenfalls ausleben lassen? Bin ich erst gläubig, wenn ich 24 Stunden am Tag bete und Koran lese oder übertreibe ich maßlos? Sollte ich den Sport lassen, da ich diese Zeit nicht „sinnvoll“ nutze, oder ist es auch eine Art Gottesdienst? Oder gibt es vielleicht auch noch andere Gottesdienste?

Fakt ist, bevor wir anfangen uns überhaupt aufzuregen und die Menschheit, um uns herum eines Besseren zu Belehren, sollten wir sicherstellen, dass wir selbst unseren eigenen Verstand benutzen und nicht starren Regeln folgen, die wir womöglich dazu noch falsch ausgelegt haben und somit in rassistisches Handeln verfallen. Das Synonym für Engstirnigkeit ist Kurzsichtigkeit. Kurzsichtig in dem Sinne, dass wir innerhalb unseres Denkens das Denken an sich einschränken. Ist das Denken nicht dafür da, um zu denken? Oder denken wir, um nicht zu denken?

Die Ausgeglichenheit macht’s

Ins Extreme, sowohl in der rechten, linken als auch islamischen Szene, ist viel leichter zu verfallen, als den Mittelweg zu gehen. Denn die Geduld nicht auszuschweifen und ausfällig zu werden, ist kostbares Gold. Bescheidenheit ist ein wichtiger Aspekt im Islam. So ist es denn nun bescheiden, wenn wir uns über andere Menschen stellen und diese abwerten?
„Und (als Grundvoraussetzung für Zufriedenheit im persönlichen, Familien- und gesellschaftlichen Leben) dient Gott und setzt Ihm nichts zur Seite; und erweist den Eltern Wohltaten auf beste Weise, sowie den Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen, den Nachbarn, die euch nahe stehen (als Angehörige, als Mitbewohner oder im Glauben) und den Nachbarn, die euch fern sind (also weder mit euch verwandt sind noch den Glauben mit euch teilen), dem Gefährten an eurer Seite (unterwegs, innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz und so weiter), dem Reisenden und denen, die in euren Diensten stehen. (Behandelt sie gut und erzieht euch selbst in dieser Hinsicht, denn) Gott liebt nicht die, die eingebildet und überheblich sind“ (Sure 4, Vers 36)

Ich für mich beharre darauf ,extrem den Mittelweg zu gehen, nicht auszuschweifen und die Herzen zu füllen anstatt zu leeren, die Balance zwischen Ost und West, wie auf einem seidenen Faden meistern und in keiner der beiden Seiten ins Extreme zu verfallen. Und es ist schon so wie das Wort sagt: „Balance“?

Und Allah weiß es am besten!

Quellenangaben:

Der Koran und seine Übersetzung mit Kommentar und Anmerkungen, Ali Ünal
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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

5 Kommentare

  1. Chaim Potok on

    Freunde,

    das i sollte eine Verniedlichung sein, keine Verunglimpfung.

    Habe mal wieder eine Frage. Ich war soeben auf Frau Rogalskis Facebook. Es gibt dort ein Foto, das zwei Männer zeigt, das Foto ist unkommentiert. Den einen Mann erkennt man sehr gut. Sein Gegenüber allerdings kann man nicht so gut erkennen. Der Fotograf schoss das Foto hinter einer Videokamera stehend, deren Display aufgeklappt ist. Mann erkennt auch auf dem Display den zweiten Mann nicht so gut. Allerdings ähnelt er ein bisschen Ibrahim Abou-Nagie. Bitte sagen Sie mir, dass ich mich täusche.

    Mit besten Grüßen

    Ihr CP

  2. Lieber Chaim Potok, (Wir wissen nichtmal, ob Sie mit Klarnamen schreiben)

    wenn wir ein Kommentar löschen, dann hat das damit zu tun, dass Sie entweder die Autoren beleidigen oder andere Menschen namentlich nennen und persönlich angreifen. In diesem Kommentar haben Sie schonwieder eines unserer Interview-Partner abgewertet. („Madame Hüsbschi“)

    Gehen Sie respektvoll mit unserem Team und Bloggern um und Sie können Ihre Meinung frei kundtun. D.Red.

  3. Chaim Potok on

    Und was zum Shaitan soll den bitte schön extreme westlich sein? Zu tolerant, zu weltoffen? Oder wie Sie es wahscheinlich ausdrücken würden, die Kufr stecken ihre Eltern in Altersheime, bei denen muss man sich zum Besuch anmelden und sie lassen ihre Geschwister mit allen möglichen Leuten pennen, hallelujah!!!

    P.s. ich habe schon mal was zu Ihrem Interview mit Madame Hübschi gepostet, wurde gelöscht. Ich sag nur reizarme Öffentlichkeit..arabische peninsula lässt grüßen…gude nacht…

    was treibt Sie dazu sich in so ein enges Korsett schnüren zu lassen und dann so zu tun als seien Sie und Ihre Geschwister dem Rest der Menschheit überlegen?!?!?!

  4. Chaim Potok on

    Hallo Frau R.,

    doch Sie sind extremistisch, habibti mesisch extremistisch, Sie sind das weibliche Äquivalent des google sheiks. An alle 3 letter authorities, please have an eye on this website and its contributors, except for me! Burrrr!!!

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