Deutschlands gefährliches Spiel mit Muslimen

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Deutschland,  das bevölkerungsreichste Land in der EU, entwickelt sich stürmisch zu  einem Nährboden für islamophobe und fremdenfeindliche Tendenzen, einige  werden offenbar vom durchdringenden deutschen Sicherheitsapparat  sanktioniert. Deutschland ist nicht allein in diesem Hassgebilde, da  auch andere Länder in Europa ähnliche rassistische Bewegungen erlebt  haben. Doch Deutschland, die treibende Kraft der EU, ragt hervor aus der  Masse mit anspruchsvollen Strategien der verschlossenen Agenturen und  Nachrichtendienste, sowie ihrer berühmt berüchtigten Geschichte des  Rassismus. Das letzte Zeichen der zunehmenden Intoleranz war ein Plakat  für eine Kampagne des deutschen Innenministeriums gegen junge Muslime,  bei denen das Ministerium den Verdacht zu pflegen meinte, aufgrund von  Verhaltensstörungen, Islamisten oder Terroristen sein zu können.

Dem  ging ein Beschneidungsverbot des Landesgerichts Köln voraus. Nach diesem seien Beschneidungen gleichzusetzen mit kriminellen Taten. Das Verbot  zielte  nicht nur auf Muslime ab, sondern genauso gut auf Juden. Anfang August wurde eine Klage gegen einen Rabbiner eingereicht aufgrund der Durchführung einer Beschneidung. Ähnliche Bestrebungen gab es  bereits in der Schweiz und in Österreich. Da etwa 3 Millionen Türken in  Deutschland leben, ist die türkische Regierung verständlicherweise über  diese Unannehmlichkeiten, was viele als einen koordinierten  rassistischen Angriff auf Minderheiten im Land beschreiben, erschüttert.  Der türkische EU-Minister Egemen Bağış kritisierte in dieser Woche in  einem Gastkommentar der Süddeutschen Zeitung die deutsche Regierung. Er  behauptete, dass „die Türkei mit Erstaunen beobachtet, dass die  Religionsfreiheit in Deutschland nicht mehr vollständig garantiert ist.“  Er etikettierte das Beschneidungsverbot als „eine Gefahr für die  Freiheit.“

Bundes- und Staatssicherheit sind beschämt durch  die Enthüllungen der Neo-Nazi Terrorzelle, bei der die  Staatsicherheitsdienste behäbig, wenn nicht sogar begünstigend waren.  Die deutsche Regierung versucht bereits durch eine Schadensbegrenzung  das Übergreifen dieses Skandals auf nationale und internationale Fronten  zu verhindern. Es sieht gar nicht danach aus, als würde der Sturm über  diesen Skandal bald nachlassen, denn die Amerikaner, die so ziemlich  unzufrieden mit dem unsauberen und zwielichtigen, auf Muslime, Juden und  andere Migrantengruppen abzielenden Umgang  des deutschen  Geheimdienstes und der Polizei  sind, werden Deutschland nicht so leicht  vom Haken lassen.  Washington füttert die Medien mit zahlreichen  Informationen und Hinweisen über die Kultur der Fremdenfeindlichkeit,  die in deutschen Institutionen lange eingebettet sind, und stellt  die ’cover-ups’ deutscher Beamten ans Tageslicht.

Die Amerikaner arbeiteten mit ihren türkischen wie auch mit ihren israelischen Kollegen zusammen, wenn es darum ging, deutsche Geheimdienstoperationen im Inland zu analysieren, um eine Vorstellung darüber zu gewinnen, wohin sich Deutschland mit seinem steigenden ökonomischen und politischen Einfluss bewegen wird.

So hat beispielsweise der türkische Geheimdienst überzeugende Beweise gesammelt, die enthüllen, dass hinter den jüngsten Razzien gegen salafistische Muslime in Deutschland seitens der deutschen Polizei konzertierte Versuche standen, die salafistische Bedrohung auf deutsche Türken zurückzuführen. Türkische Offizielle gehen davon aus, dass die deutsche Regierung versucht, die Story an die Medien durchsickern zu lassen, wonach die lokale türkische Community in radikale Bestrebungen involviert wäre, obwohl die Türken als größte muslimische Minderheit in Deutschland sich immer wieder als besonders ablehnend gegenüber Gewalt erwiesen hat.

Deutsche Geheimdienste aber glauben, dass Türken augenscheinlich mit fundamentalistischem Terror in Verbindung stehen und dass die deutsche Regierung dies als Trumpfkarte im Rahmen weiterer bilateraler Verhandlungen mit der Türkei nutzen könnte.

Und  nicht nur das. Türkische Amtsfunktionäre berichteten mir, der deutsche  Nachrichtendienst, unterstützt von Studien reicher Think Tanks und  Stiftungen, habe versucht, Spaltungen unter der türkischen Community auf  Basis ethnischer und konfessioneller Linien zu schüren. Es ist eine  klassische ‘spalte und herrsche!’-Taktik mit dem Ziel, tiefe  Zersplitterungen unter Türken in Deutschland zu kreieren. Analysten  glauben, dass die kontinuierliche Darstellung der Aleviten als  eigenständige religiöse Einheit des Islam das Tolerieren von  Aktivitäten der terroristischen Organisation PKK, in dem Bemühen,  Türken kurdischer Abstammung als Geiseln der PKK-Ziele zu halten, seien  alles Teil eines sorgfältig geplanten Plans, um Spaltungen in die  türkische Community hineinzupflanzen. Der Grund, warum die türkische  Regierung alevitische und kurdische Initiativen im Jahr 2009 startete,  war teilweise, auf solcherlei Ouvertüren Deutschland zu antworten.

In  der Zwischenzeit hat die Türkei der deutschen  Regierung auch deutlich  gemacht, dass sie nicht zögern wird und die 57-Mitgliedsorganisation für  islamische Kooperation (OIC), die weltweit größte zwischenstaatliche  Organisation nach den Vereinten Nationen, zu nutzen um sich auf  Deutschland zu fokussieren; für ihre Diskriminierungen gegenüber Muslime im  Land. Während eines Frühstücks diese Woche in Ankara mit dem  Vorsitzenden der OIC, Ekmeleddin Ihsanoglu, teilte mir der türkische  Diplomat die tiefe Besorgnis der OIC aufgrund des Aufgehen der  Islamophobie in Europa und besonders in Deutschland mit. Er war der  Meinung, dass der Hass gegen Muslime in Europa nun eine dritte und  letzte Stufe erreicht hat, welche gleichzeitig die am schwierigsten und  gefährlichsten zu überwindende sei. Nach dem OIC-Generalsekretär begann  die erste Etappe mit dem Karikaturenstreit in Dänemark, bei dem ein  Angriff auf den Islam als eine Sache der Meinungsfreiheit getarnt und  auf Randgruppen zugeschrieben wurde.

Leider folgte  später eine Institutionalisierung der Islamophobie auf  verfassungsmässıger Grundlage / Ebene, z.B. das Minarett-Verbot in der  Schweiz.’’ ‘Wir werden die Öffentlichkeit befragen, und jegliche  islamische Symbole verbieten, sobald dies erwünscht ist’ sagten sie.   EU-Beamte fördern diesen Hass gegen Muslime, in dem sie von  demokratischen Prozessen und verfassungsmässigen Befugnissen Gebrauch  machen.’ Sagte Ihsanoglu. Er fügte hinzu, die OIC habe gegen derart  restriktive Bewegungen in ganz Europa geworben.

Nach  Ihsanoglu ist die dritte Stufe die Politisierung der Islamophobie,  welche sich auf dem Vormarsch in Richtung des politischen Spektrums des  Mainstrams befindet. Er wies darauf hin, dass die rechtsextreme Front  National Kandidatin Marine Le Pen überraschende 18 Prozent der Stimmen  in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen erhielt  und somit fast ein Fünftel aller französischen Wähler eine islamophobe Partei  unterstützten. ‘Das ist unglaublich’ sagte er und fügte hinzu, dass  Parteien mit anti-muslimischen Ideen sich in vielen europäischen  Ländern erhebten. Der OIC- Generalsekretär ermahnte  die deutsche  Bundeskanzlerin, die 2010 vor jungen Mitgliedern ihrer Partei zum  Ausdruck brachte, dass Multikulturalität gescheitert sei. Aussagen wie  diese von europäischen Politikern schürten den Hass gegen Muslime auf  dem Kontinent.

Fest steht: Das türkische Parlament  überwacht Untersuchungen deutscher Behörden bei Ermittlungen  der Neonazi-Morde. Auffällig war der Abschluss eines im Mai  erschienenen Berichts des ‘Untersuchungsausschusses des Parlaments zum  Thema Menschenrechte’ über rassistisch motivierte Anschläge in  Deutschland. Nach einem Deutschland-Besuch gab die Kommission zum  Ausdruck, deutsche Politiker und Medien würden Fremdenfeindlichkeit und  Rassismus provozieren. Der Bericht stellte fest, dass Rassismus und  Fremdenfeindlichkeit alarmierende Ausmaße in Deutschland erreicht habe,  und appellierte an deutsche Behörden, unparteiische, vorurteilsfreie und  umfangreiche Untersuchungen an den Neo-Nazi Morden durchzuführen.

Im   Bericht wurde behauptet, dass 29 separate Gewalttaten gegen Türken  alleine im ersten Quartal des Jahres 2012 stattfanden und 3.627  rassistisch motivierte Angriffe gegen jegliche Ausländer in Deutschland  im Jahr 2011. Nach offiziellen Angaben wurden 10.054 rassistisch  motivierte Straftaten in Deutschland im Jahr 2001 begangen. Diese Zahl  stieg auf 18.750 im Jahr 2009. Daten des türkischen Außenministeriums  belegen, dass 24 Menschen türkischer Herkunft in Deutschland seit 1988  durch rassistisch motivierte Morde getötet wurden.  Entweder durch  Brandstiftung oder körperliche Angriffe. Auch Moscheen sind Ziel  rassistischer Attacken gewesen.

Es sieht ganz danach aus, dass türkische Überwachungsinstitutionen deutsche Aktivitäten genau unter die Lupe nehmen sollten.


Dieser Artikel wurde übersetzt von Fatih Çiçek und Christian Rogler

Quelle: Germany playing dangerous game with Muslims

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Kolumnist bei Sundays Zaman

19 Kommentare

  1. Mit Ihren Konstruktionen, die Bewegung hätte eine zentrale Instanz oder würde Befehle von irgendjemandem erhalten, machen Sie sich genauso lächerlich, Herr Brux. Für mich sind das Paranoide Angstgedanken.

    Was soll ich an den unteren Absätzen, die Sie nicht ganz korrekt Übersetzt haben, einschätzen?

    Korrekterweise ist die Übersetzung wie folgt:

    „Die Amerikaner arbeiteten mit ihren türkischen wie auch mit ihren israelischen Kollegen zusammen, wenn es darum ging, deutsche Geheimdienstoperationen im Inland zu analysieren, um eine Vorstellung darüber zu gewinnen, wohin sich Deutschland mit seinem steigenden ökonomischen und politischen Einfluss bewegen wird.

    So hat beispielsweise der türkische Geheimdienst überzeugende Beweise gesammelt, die enthüllen, dass hinter den jüngsten Razzien gegen salafistische Muslime in Deutschland seitens der deutschen Polizei konzertierte Versuche standen, die salafistische Bedrohung auf deutsche Türken zurückzuführen. Türkische Offizielle gehen davon aus, dass die deutsche Regierung versucht, die Story an die Medien durchsickern zu lassen, wonach die lokale türkische Community in radikale Bestrebungen involviert wäre, obwohl die Türken als größte muslimische Minderheit in Deutschland sich immer wieder als besonders ablehnend gegenüber Gewalt erwiesen hat.

    Deutsche Geheimdienste aber glauben, dass Türken augenscheinlich mit fundamentalistischem Terror in Verbindung stehen und dass die deutsche Regierung dies als Trumpfkarte im Rahmen weiterer bilateraler Verhandlungen mit der Türkei nutzen könnte.“

  2. FID e.V. ist einfach nur eine“Plattform zur Förderung der Kultur des Zusammenlebens“, wie es auf der Website heißt.

    Ich kann da keine offizielle und autorisierte Sprecherrolle für die Gülenbewegung in Deutschland erkennen.

    Offensichtlich haben Sie selber keinen Namen und keine Adresse dafür.

    Oder bezeichnet sich Eyüp Besir (der Vorstandsvorsitzende) als offiziellen und autorisierten Sprecher der Gülen-Bewegung in Deutschland? – Das macht er wohl nicht. Jedenfalls ist auf der Website nichts davon zu erkennen.

    Und dann diese Art, so zu tun als ob: Soweit ich es aus einigen Artikeln habe, ist es der Verein FID e.V. …

    Das übliche Versteckspiel. Typisch Gülen.

    PKK und die Militärkemalisten als Bündnispartner – na, wenn Sie sich unbedingt lächerlich machen wollen, bittesehr.
    Da fällt dann auch ein Licht auf die Bewegung, das vielleicht so eher nicht gewünscht wird.

    Aber so geht das: Man gehört der Bewegung an, leugnet es – und kann dann ungeniert polemisieren – es ist ja nicht der Bewegung zuzurechnen … Ich rechne es aber der Gülen-Bewegung zu.

    Also, stellen Sie die Bewegung nur bloß mit idiotischen Konstruktionen!

    Eine Einschätzung der Verschwörungstheorie von Abdullah Bozkurt steht immer noch aus.

  3. Außerdem sollten Sie auch wissen, dass die Terrorgruppe Ergenekon mit der PKK eng zusammengearbeitet hat. Wäre ja auch bei Ihnen denkbar, wenn es um gemeinsame Interessen geht, nicht war Herr Brux?

  4. Soweit ich es aus einigen Artikeln habe, ist es der Verein FID e.V., Herr Brux. Es verwundert mich, dass Sie das nicht wissen. Sonst behaupten Sie doch alles offengelegt zu haben über die Bewegung.

  5. Wer spricht denn in Deutschland offiziell und autorisiert für die Gülen-Bewegung, dass ich ihn direkt fragen könnte?

    Bitte, nennt mir die Stelle, das Büro, die Person!

    Apropos Ergenekon: Das ist eine kemalistische Militärverschwörung, nicht wahr? Und ich bin doch wohl eher – aufgrund meiner Argumentation in Sachen Kurden-Kurdistan, eher – nach Meinung türkischer Nationalisten – ein PKK-Anhänger. Also ein Todfeind des Militärkemalismus und seiner Ergenekon-Truppe.

    Was nun?

  6. „…wenn Private in Eigenregie etwas schaffen, was der Staat nicht auf die Reihe kriegt.“

    Richtig, das erinnert mich an das Subsidiaritätsprinzip im Grundgesetz. Dem Staat nehmen solcher Art gemeinnützige Tätigkeiten eine wichtige Aufgabe ab. Nach dem Grundgesetz zufolge sind solche privaten Anstrengungen zu begrüßen.

  7. Ja, Herr Brux, was ich am Allerliebsten tu‘, trau ich auch jedem anderen zu. Sie inszenieren sich als die Stimme der Volksgemeinschaft und fordern namens dieser die Offenlegung aller Organisationsstrukturen der Gülen-Bewegung.

    Dann fragen Sie eben konkret oder recherchieren Sie! Es ist problemlos nachvollziehbar, wer in Deutschland Dialogvereine führt, Schulen betreibt oder Medien herausgibt.

    Und dass Gülen verehrt wird, liegt daran, dass außerhalb Europas und insbesondere Deutschlands erfolgreiche Menschen, die privat Risiken eingegangen sind und etwas auf die Beine gestellt hatten, nicht primär mit Neid bedacht werden, sondern dass sie Bewunderung ernten. Für einen verbitterten alten Mann wie Sie, der immer nur vom Staat besoldet im geschützten Bereich tätig war, ist es natürlich unerhört, wenn Private in Eigenregie etwas schaffen, was der Staat nicht auf die Reihe kriegt.

  8. „Dieses grundsätzliche Misstrauen werdet ihr Gülen-Fans in Deutschland noch deutlich zu spüren bekommen.“

    „Ich kann euch nur raten: Legt eure Karten auf den Tisch! Wir wollen wissen, wer im Entscheidungszirkel rund um Gülen sitzt, und wie da von oben nach unten entschieden wird übers Geld, übers Personal, über die Agenda, über die Sprachregelungen.“

    Wow, das sind ja mal Töne, Herr Brux. Psychologische Projektion nenne ich das. Erklären Sie den Integrationsbloggern und den Lesern mal bitte, wer mit „wir“ gemeint ist? Wer sind Sie, der den Integrationsbloggern diese Forderungen stellen darf? Was möchten Sie uns in den Mund legen? Oder arbeiten Sie mit der geheimen Untergrundorganisation „Ergenekon“ zusammen?

    All diese Fragen stellen sich mir, wenn ich mir Ihre Verleumdungskampagne gegen die Integrationsblogger lese.

    Ihre Fragen können die Integrationsblogger nicht beantworten. Da müssten Sie schon die Institutionen der Gülen-Bewegung ansprechen. Wir Integrationsblogger beobachten genauso wie Sie diese Bewegung und berichten darüber.

  9. Auf mein Argument gegen die Gülen-Bewegung geht ihr leider nicht ein. Ihr glaubt, uns – die deutschen Beobachter – für blöd halten zu können. Eine stromlinienförmig funktionierende Bewegung HAT eine klare innere Hierarchie, einen kaderförmigen Aufbau, und den möchte ich gern sehen. Warum verbirgt die Gülen-Bewegung ihre interne Organisation?

    Natürlich ist Fethullah Gülen sowas wie ein Guru. Man sehe sich nur an, wie hemmungslos und blind ihm seine Anhänger folgen. Und wie er solche Gefolgschaft erwartet.

    Sowas ist doch peinlich, findet ihr nicht? Ein aufgeklärter Mensch wird immer auch ein kritischer Mensch sein, kritisch gegenüber ALLEN Autoritäten. Wir dürfen keinen absoluten Autoritäten folgen! Weder einem Atatürk noch einem Erdogan noch einem Gülen. Die Führer müssen kritisierbar sein, sie brauchen Kritik. Auch scharfe.

    Ich hab das Buch von Helen Rose Ebaugh gelesen, war auch bei der Buchvorstellung in München dabei. Ich war beim Lesen fassungslos. Sowas von blinder Verehrung findet man selten. Bei der Veranstaltung hab ich dann gesagt, dass offensichtlich die Gülen-Mitglieder allesamt Engel sind. Engel, und keine Menschen.

    An der selbstkritikfreien Atmosphäre merkt man, dass es sich – trotz mancher liberaler und moderner Töne – doch um eine im Grunde totalitär ausgerichtete Gruppe handelt, die sich hinter einem Nebel von Liberalität zu verbergen versucht.

    Dieses grundsätzliche Misstrauen werdet ihr Gülen-Fans in Deutschland noch deutlich zu spüren bekommen.

    Ich kann euch nur raten: Legt eure Karten auf den Tisch! Wir wollen wissen, wer im Entscheidungszirkel rund um Gülen sitzt, und wie da von oben nach unten entschieden wird übers Geld, übers Personal, über die Agenda, über die Sprachregelungen.

    Bei der AKP weiß man es.

    Bozkurt entwickelt eine Verschwörungstheorie. Die Geheimdienste der USA, Israels und der Türkei untersuchen gemeinsam die „schattenhaften“ Aktivitäten der deutschen Geheimdienste gegen die Juden …
    Gegen die Juden … Gemeinsam …
    Hat er irgendwelche Anhaltspunkte dafür?

    Natürlich, jeder darf sowas vorbringen. Hab ich etwa gefordert, dass man Bozkurt wegzensieren oder einsperren soll für seinen Blödsinn?

    Aber der Integrationsblogger bringt die Übersetzung des Bozkurt-Artikels doch wohl deshalb, weil er ihm weitgehend zustimmt. Also hätte mich schon interessiert, wie es um seine Meinung zu den Absätzen bestellt ist, in denen diese groteske Verschwörungstheorie formuliert wird.
    Warum macht der Integrationsblogger hier keinen Erklärungsversuch?

    MIR werft ihr Verschwörungstheorie in Sachen Gülen-Bewegung vor. Ich habe immerhin Anhaltspunkte für meine Behauptung, es handle sich um eine politische Geheimorganisation mit hierarchischer, kaderförmiger Struktur.

  10. Dass Europäer mit der Funktionsweise der Gülen-Bewegung und ihrer Effizienz nicht klar kommen, verwundert wenig. Dass der eine oder andere sogar vor ihr Angst hat, auch nicht. Immerhin war es über Jahrzehnte hinweg bequem, eine instabile Türkei am Rande des Bürgerkrieges von Oben herab maßregeln zu können und Einwanderer wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln.

    Heute ist aus dem „kranken Mann am Bosporus“ ein Gemeinwesen im Aufwind geworden. Man braucht gegenüber den Europäern nicht mehr als Bittsteller aufzutreten, sondern könnte auch ohne sie ganz gut. Und die Enkel der Gastarbeiter, die man ihrer zerlumpten Klamotten, Plastebeutel und einfachen Transistorradios wegen belächelt hatte, sind jetzt Anwälte, Steuerberater, Unternehmer, Lehrer.

    Die Gülen-Bewegung mag nicht der einzige Grund für die Dynamik in der Türkei und unter den Türken in aller Welt sein, aber sie ist ein nicht unerheblicher. Und das hat auch etwas damit zu tun, dass Modelle, die Erfolg in der Wirtschaft versprechen, adaptiert werden.

    Mit wem arbeitet man am Besten zusammen? – Mit Menschen, mit denen man etwas gemeinsam hat und denen man vertraut. Und wie finden die zusammen? – Durch Vernetzung. Dazu bedarf es keines „Gurus“ (eine solche Rolle könnte Fethullah Gülen wohl alleine schon aus Altersgründen nicht mehr wahrnehmen), nur eines guten Gefühls dafür, ob die Chemie zwischen Menschen stimmt und eine gemeinsame Basis da ist.

    Konsens zwischen allen Menschen, die im Rahmen der Gülen-Bewegung tätig werden, dürfte sein, dass man den Weg, den die Türkei in den letzten Jahren gegangen ist, positiv bewertet, dass man den Fleiß und die Anstrengungsbereitschaft dieser Menschen würdigt und dass man dem türkischen Volk helfen will, seine Weltoffenheit zu stärken, aber gleichzeitig auch seine Identität und seinen Charakter zu bewahren. Und dass man die Idee, gläubigen Muslimen Möglichkeiten zu schaffen, den Islam IN einer pluralistischen Gesellschaft zu leben und nicht GEGEN eine solche, unterstützt.

    Was die Gülen-Bewegung macht, nützt nicht nur der Türkei und den Türken, sondern auch dem Frieden in der Welt. Würde das Beispiel des anatolischen Islam, wie er durch die Gülen-Bewegung weiterentwickelt wurde, auf die arabische Welt übergreifen, könnten auch dort eines Tages Wohlstand und Freiheit statt Terror und Krieg herrschen.

  11. Herr Brux, Herrn Gülen als Guru zu bezeichnen, finde ich Anstandslos. Schließlich hat Herr Gülen Impulse gegeben, denen Millionen von Menschen gefolgt sind und folgen. Es ist auch Problematisch diese Bewegung als „Mafia“ zu bezeichnen, da die charakteristika dieser Bewegung weder zu einer Mafia passt noch zu einer der bisher aktuellen Theorien zugeordnet werden kann. Um diese Bewegung verstehend zu erklären brauch es heute an noch mehr Studien. Es ist kontraproduktiv, wenn Sie Ihre Argumente auf keiner Beobachtung aufbauen können. Zu einer Beobachtung gehört, dass man sich die Institutionen aus der Nähe anschaut und Menschen aus dieser Bewegung befragt. Wir haben bei DIB einige Artikel hierüber geschrieben, die ich Ihnen hier verlinken werde.

    Was den Artikel oben betrifft, gibt die Meinung des Autors wieder. Es muss auch nicht zwangsläufig die kollektive Meinung der Bewegung sein. Oder sollen wir in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft die Meinungen der Autoren verbieten? Ich hüte mich auch davor, dem Herrn Bozkurt in irgendeine Ecke zu schieben, damit dieser Baustein zum Puzzle bezüglich der Bewegung passt. Deshalb überlasse ich die Kommentare dem Leser. Dazu gehört auch, dass Sie Herr Brux, als Leser Ihre Meinung über diesen Artikel kundtun dürfen. Und nun zu unseren Artikeln:

    Resul Özcelik

    1. Eine Bewegung im Wandel der Zeit
    2. Interview mit Prof. Dr. Helen Rose Ebaugh über die Gülen-Bewegung
    3. Eine Jugend die Hoffnung macht

    Semih Alan

    1. Störfeuer um die Deutsch-Türkische Kulturolympiade

    Sait Gül

    1. Integration – ein brennendes Thema oder nur temporär aufgeheizt?

  12. Habe registriert, dass die bisher vermissten Absätze inzwischen nachgeliefert wurden.
    Akzeptiere die Begründung.

    Was mir noch fehlt: Eine sachliche Einschätzung der – vorsichtig ausgedrückt – problematischen Behauptungen in diesen Absätzen.

    In der Politik passiert viel hinter den Kulissen, es wird viel verheimlicht – das ist ganz natürlich so, da es sich in der Politik um ein strategisches Spiel handelt. Es ist noch keine „Verschwörungstheorie“, wenn man zum Beispiel annimmt, dass hinter dem Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden im Falle NSU auch die Komplizenschaft von einigen Angehörigen dieser Sicherheitsbehörden stecken könnte.
    Dafür gibt es schließlich einige Verdachtsmomente.

    Ähnlich ist das nun mal auch mit der Gülen-Bewegung. Eine stromlinienförmig politisch agierende Bewegung hat eine dies ermöglichende Organisationsstruktur – und wenn die nicht offen gelegt wird, dann sprechen wir von Geheimorganisation. Wie bei der Mafia zum Beispiel.

    Das ist eine rationale Annahme.

    Einfach nur zu polemisieren und zu sagen, ich (und all diejenigen, die ähnlich argumentieren) würden hier verrückten Verschwörungsphantasien nachrennen, deutet darauf hin, dass es für die Gülenisten schwierig ist, hier mit einer rationalen Antwort zu kommen.

    Eine rationale Antwort könnte in einer präzisen Analyse darüber kommen, wie – zum ersten Mal in der Weltgeschichte – politische Stromlinienförmigkeit zustande kommt ohne die entsprechenden inneren und disziplinierenden Organisationsstrukturen.

    Ich möchte gern wissen, wer die Vertrauten rund um Guru Gülen sind, die seine meist wohl eher grundsätzlichen Anweisungen in die politische Gülen-Agenda und die dazu gehörige Personalpolitik umsetzen.

    Ich lese übrigens Today’s Zaman jeden Tag. Weil es interessant ist. Ich finde auch immer wieder sehr gute Kolumnen drin. Die von Gökhan Bacik zum Beispiel hab ich so gut gefunden, dass ich sie übersetzt und auf meinem Blog gebracht habe.

    Alles in allem wird bei Today’s Zaman auf einem guten Niveau argumentiert. Oft bin ich einverstanden und denke mir, dass die Kommentare gut sind für die – sonst ziemlich vergiftete und armselige politische Kultur in der Türkei.

    Es ist noch offen, ob die Gülen-Agenda und die Gülen-Geheimorganisation in der Türkei in der Zukunft eine insgesamt eher konstruktive oder destruktive Rolle entwickeln wird. Ich finde viel Kompetenz in der Bewegung, und sowas ist eigentlich fast immer ein gutes Zeichen.

    Soviel vom „Verschwörungstheoretiker“ Leo Brux.

  13. Da geben sich ja wieder mal die Richtigen die Klinke in die Hand. Der Genosse Brux hat offenbar von Antisemit auf Verschwörungstheoretiker umgeschult. Der Kamerad rom hingegen scheint ein sehr glaubenstreuer Exponent der „Islamkritiker“-Sekte zu sein, des Klimareligionspendants für jene Apokalyptiker, die es noch nicht zum Schulabschluss geschafft haben.

    Vielleicht sollte der eine oder andere des Öfteren mal zur „Zaman“ greifen (gibt’s auch in englischer Sprache), dann würde man erfahren können, wie massiv muslimische Kleriker im Dialog mit jüdischen und christlichen Würdenträgern sowohl gegen Hassprediger in den eigenen Reihen als auch gegen diejenigen Stellung beziehen, die in Europa einen Krieg gegen die Religion führen wollen.

    Die Kriminalitätsrate unter praktizierenden Muslimen ist außerordentlich gering, da diese in Moscheen, Gemeinden, kinderreichen Familien usw. so stark ausgelastet sind, dass sie für krumme Dinger gar keine Zeit finden würden. Der Antisemitismus ist in der Migrantencommunity mit 18% leicht schwächer ausgeprägt als in der autochthonen deutschen Bevölkerung, ach ja und die „überlange Inanspruchnahme von Sozialleistungen“ bei türkischstämmigen Einwanderern liegt daran, dass die Betroffenen als Gastarbeiter der ersten Generationen keine hohen Rentenansprüche haben. Dieses Schicksal wird bald genug auch jedem Deutschen blühen, dessen Bruttoverdienst unter 2500 Euro liegt.

    Der islamisch motivierte Terrorismus ist im Übrigen ähnlich wie fundamentalistische Bewegungen im Islam und anderen Religionen ein Phänomen der Moderne. Über 1200 Jahre hinweg gab es ihn nicht. Deshalb hat er mit dem Koran und den Hadithen in etwa so viel zu tun wie Hitler mit Augustinus.

    Dass die Bedenken von Leuten, die ein ernstes Problem mit Grundrechten wie der Religionsfreiheit haben, nicht ernst genommen werden, ist übrigens begrüßenswert. Man würde doch auch nicht die NPD fragen, wie man NS-Opfer entschädigen soll.

  14. Dieser Artikel scheint mir doch sehr einseitig. Zu einseitig um ernst genommen zu werden.
    Warum thematisiert man in Deutschland so ungerne Themen wie etwa „Hassprediger in den Moscheen“, „hohe Kriminalitätsrate von muslimischen Ausländern“, “ Antisemitismus der türkischen und besonders arabischen Muslime“, „Christo-und Judeophobie muslimischer Kleriker“, “ die extrem lange Inanspruchnahme von Sozialleistungen seitens muslimischer Migranten“ etc etc.? Warum wird nicht ganz offen zugegeben, dass der islamische Terror eindeutig von islamischen heiligen Schriften inspiriert wird, was selbst der türkische Autor Zafer Senocak offen zugegeben hat! Warum berücksichtigt man so wenig in Deutschhland die Bedenken der einheimischen Bevölkerung, wenn es um islamische Einwanderung oder etwa den Bau von riesigen Moscheen geht?

    Eine solche Diskussion muss kontrovers geführt werden, denn solche Selbstanschuldigungen wie sie aus diesem Artikel hervorgehen nutzen niemandem!

  15. Vielen Dank Herr Brux,

    bei der Erstveröffentlichung waren die Abschnitte drin. Durch das Hin- und Her bei der redaktionellen Arbeit sind uns die
    obigen Abschnitte unterlaufen. Wir werden den Artikel
    in Kürze nochmal überarbeiten.
    Bevor Sie jedoch Verschwörungstheorien
    über die Beziehung zwischen dem DIB-Portal und der Gülen-Bewegung in
    ihrem Blog verbreiteten, würde eine Anfrage bei der Redaktion
    ausreichen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Fatih Çiçek

  16. Etwas Interessantes aus dem Artikel wurde nicht übersetzt:

    Es sieht nicht so aus, als ob der Sturm über diesen Skandal so bald nachlassen wird, denn die Amerikaner, die unzufrieden sind mit der deutschen Polizei und den Sicherheitsdiensten mit ihren schattenhaften Tätigkeiten, die auf Muslime, Juden und andere Einwanderergruppen zielen, lassen Deutschland nicht so leicht vom Haken.

    Türkische Offizielle glauben, dass die deutsche Regierung versucht, die Geschichte über zugespielte interne Informationen so zu drehen, dass die örtliche türkische Gemeinschaft in die radikalen Bewegungen involviert sei, und dies, obwohl Türken, die größte muslimische Minderheit des Landes, einen starke Erfolgsbilanz im Zurückweisen von Gewalt hat.

    Aber die deutschen Geheimdienste glauben, dass Türken scheinbar am fundamentalistischem Terror Anteil haben und spielen so der deutschen Regierung eine weitere Karte zu, die sie gegen die Türkei in bilateralen Verhandlungen ausspielen kann.

    Siehe dazu den Kommentar auf meinem Blog (und die Diskussion darunter):
    http://initiativgruppe.wordpress.com/2012/09/04/ein-gulen-journalist-hetzt-gegen-deutschland-teil-2/

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