Die Baronen von gestern… Warum die Wirtschaft versagt

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Wirtschaft wird in einem türkischen Buch („Enginligiyle bizim dünyamiz – iktisadî mülâhazalar“) folgendermaßen beschrieben:

„Eine Wissenschaft, die die Beziehungen zwischen den unendlichen Bedürfnissen bzw. den Begierden des Menschen und der Knappheit der endlichen Gütern bzw. Ressourcen koordiniert.“.

Dies ist meine Übersetzung.

Die ökonomischen Ressourcen, die den Grundbedürfnissen der Menschen problemlos ausreichen, sind nicht so reichlich, dass durch sie der Geiz bzw. Gier der Menschen und ihre unendlichen Bedürfnisse befriedigt werden könnten. Aus diesem Grund haben Wirtschaftssysteme das Ziel, die Ressourcen, unter den Rahmenbedingungen der menschlichen Bedürfnisse, gerecht zu verteilen.

Wir nehmen an, in einem System stehen wirtschaftliche Aktivitäten an höchster Stelle. In diesem System ist der Mensch ein Lebewesen, das isst, trinkt, produziert und konsumiert. In diesem Zusammenhang steht der Konsum im Vordergrund und der Mensch ist nur in dem Niveau ein Mensch, in welchem er konsumiert. Hier tut er alles, um mehr und mehr zu konsumieren. In einem solchen System hat die Befriedigung menschlicher bzw. körperlicher Bedürfnisse die höchste Priorität und der Mensch verschwendet sein Leben dabei, seine Bedürfnisse, die kein Ende haben, zu befriedigen. Natürlich werden in solch einem System moralische und sittliche Werte erstmal in den Abgrund geschoben und ein jeder ist des anderen Wolfes Wolf.

Letzten Endes steht das Individuum hilflos da: Sein reines Gewissen, sein Verantwortungsgefühl, sein Gerechtigkeitssinn werden ausgelöscht, er wendet sich an die Leere der Gesetze und ändert mit aller Kraft, die Gesetze so, dass sie mit ihm selbst nicht in Widerspruch stehen. Dies ist das System des Kapitalismus.

Wirtschaft im Namen des Staates

In einem anderen System sieht eine Gruppe im Namen des „Staates“ alle Menschen als Arbeiter; die Gleichheit der Bedürfnisse, der Wünsche und des Strebens stehen im Vordergrund. Individuelles Talent oder „natürliche“ Gaben „Gottes“ – je nachdem woran Sie glauben wollen – dürfen ja nicht spezialisiert und entwickelt werden. Dieses System fängt und hält den Menschen in einer schmalen Bedarfsstraße fest. Es untergräbt individuelles Können und gewöhnt die Menschen an heimliches Stehlen. Dieses System ist der Kommunismus.

Der Kapitalismus beruht auf den Gedanken des freien Marktes, der Staat soll seinen Einfluss auf den Markt so weit es geht verlieren. Die Freiheit des Individuums ist das höchste Ziel. Der Kommunismus auf der anderen Seite übertreibt die Sicherheit und Gleichheit des Kollektivs. Ein Individuum ist nur insofern wichtig, dass er Teil des gesamten Kollektivs ist, und dazu beiträgt. Seine Rechte werden nicht beachtet.

Neben all diesen Systemen träume ich von ein System, welches stets den mittleren Weg wählt. Der Mensch wird weder vergötterlicht, noch werden ihm seine Rechte genommen. Der Individualismus und der Kollektivismus finden einen gemeinsamen Weg. Der Markt beruht nicht auf das Konsum sonder auf gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit. Die Menschen sind weder opportunistisch, noch egoistisch eingestellt. Nein. Hier gilt: Aufopferung, Gutherzigkeit, die Opferbereitschaft für den Menschen stehen im Zentrum der Herzen. Der bloße Traum auf Chancengleichheit und „American Dream“ ist hier Utopie. Schließlich hat jeder Mensch andere Rahmenbedingungen. Der eine ist von Geburt aus körperlich behindert und der andere leidet möglicherweise unter anderen Beeinträchtigungen. Durch einen kollektiven Zusammenhalt wird solchen Personen geholfen, das Existenzminimum zu sichern. Die Schere zwischen der armen und reichen Schicht wird möglichst geschlossen. Luxus und Verschwendung sind tabu… Auch dieses System hat einen Namen. Ich werde ihn aber nicht nennen…

Es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis dieses System Anerkennung findet…

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About Author

Studiert Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Derzeit engagiert er sich an verschiedenen Projekten und Institutionen. Dazu gehören politische Hochschularbeit oder auch ehrenamtliches Engagement in diversen Netzwerken und NROs. Er schreibt als freier Autor für verschiedene Publikationen.

1 Kommentar

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist auch nicht mein Fachbereich. Aber der Text ist schlüssig. Eine frage habe ich doch. Von was für einem System sprichst du am Ende? 🙂

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