Die Entmündigung des ägyptischen Volkes oder: Warum das böse Wort gemieden wird

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Foto: Aschevogel / Flickr.com

Eltern und Erzieher vermeiden vor Kindern den Gebrauch unpassender Wörter und Ausdrücke, um kein schlechtes Beispiel zu sein. Ebenso meiden sie es, inkorrekte Handlungen vorzunehmen, insbesondere dann, wenn diese Handlungen den von ihnen propagierten Werten widersprechen. Unangenehm wird die Situation für frömmelnde Vorbilder, wenn zwischen dem von ihnen als richtig beigebrachten und ihren tatsächlich Handlungen Kontradiktionen bestehen.

Politik nach Agenda

Doch was hat das Ganze mit Ägypten zu tun? – Nun, unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel hat es leider nicht bewerkstelligen können, in Ihrer Agenda ein so nebensächliches Thema wie den MILITÄRPUTSCH in einer so jungen Demokratie wie Ägypten unterzubringen.  Selbst die Webpräsenz der Bundesregierung scheint – zu meiner Empörung – ohne Kenntnis über die Ereignisse in Nordafrika zu sein. Weder unter den Pressemitteilungen noch unter Regierungserklärungen fällt auch nur ein einziges Wort. Die offenbare Unkenntnis oder vielleicht auch das Desinteresse ist verblüffend. Vielleicht bedarf es ja wieder einer Intervention der Frau Roth, die ja bekanntlich hobbymäßig als Retterin der Demokratien und Meinungsfreiheit aktiv wird. Sie würde sicherlich von kriegsähnlichen Zuständen vor Ort berichten können, damit die Bundesregierung schnellstmöglich Hilfe leisten kann, damit ein demokratisch gewählter Präsident an die Macht kommt – einer wie der geputschte Mursi also.

Im internationalen Vergleich, etwa zwischen Bundeskanzlerin Merkel, Premierminister Cameron oder Präsident Hollande, scheint deutlich zu werden, dass die ohrenbetäubende Stille vor allem ein europäisches Problem scheint. Lediglich jenseits des großen Teichs zeigt ein Präsident aus dem gleichen Interessenverein Courage und mahnt zur Wiedereinsetzung eines demokratisch gewählten Staatsoberhauptes in Ägypten. Der Weißkopfseeadlerblick der USA hat erkannt, was der Bundesadler nicht zu sehen vermag – doch vermutlich handelt es sich nur um Hypermetropie, also die im Volksmund als Weitsichtigkeit bekannte Sehschwäche. In Europa ist man wohl so „weitsichtig“, dass man erkennt, dass, wenn Ägypten einen frommen Muslim als Staatsoberhaupt hat, die Möglichkeit besteht, dass das Land eigene Interessen verfolgt.

Das Tabuwort

Doch wieso weigern sich die offiziellen Pressestellen der europäischen Länder so vehement, das Kind beim Namen zu nennen? Ist es das zu anfangs genannte Problem, dass unpassende Wörter fehl am Platze sein würden? Ist es die Horrorvision, der eigenen Wählerschaft gegenüber später Rechenschaft ablegen zu müssen, warum man einer Regierung nicht zur Seite stand, als diese politisch und verfassungsmäßig korrekt gehandelt hat? Ist es die Erklärungsnot, die auf die Frage folgen würde, was denn der eigentliche Grund für die Entmachtung eines frei gewählten Staatspräsidenten, sei? Vielleicht ist das etwas von Alledem.  Mutmaßlich ist es aber wieder einmal wesentlich simpler…

Ein PUTSCH, der nicht so genannt wird, kann ein eher erwünschtes politisches Ergebnis herbeiführen, welches dem nun entmündigten ägyptischen Volk als die wahre Demokratie aufgetischt wird. Schließlich sollte die ursprünglich lange Jahre von einem Patriarchen entmündigte Bevölkerung noch immer gewohnt sein, bevormundet zu werden.

Es scheint den jüngsten Ereignissen zufolge jedoch nicht so zu sein, als ob die Rechnung aufgehen würde. Ägypten ist in einer sehr prekären Situation. Ein Schritt zurück degradiert das machtgewohnte Militär, ein Schritt zurück erzürnt die Mehrheit des Volkes.

Die angeblich so „demokratisch unreife“ Türkei hat ihre Position mehr als deutlich gemacht. Wo allerdings stehen nun die Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien oder das Europäische Parlament?

Auf der Seite des Volkes oder des Militärs?

Oder wartet man darauf, dass Gras über die Sache wächst? So was hilft schließlich bei Spendenaffären oder Plagiaten doch auch…

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