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Eine gute Gelegenheit zum austauschen

Als einer der ersten Absolventen der islamischen Theologie in Deutschland, hatte ich die Ehre an der deutschen Islamkonferenz teilzunehmen. Ich bedanke mich herzlich für die zwei Tage. Ich habe die Zeit gut genutzt, um mich mit möglichst vielen Menschen aus der ganzen Bandbreite der Muslime wie Sunniten, Aleviten, Schiiten, und auch Vertretern der Moscheeverbände wie Ditib, VIKZ und weitere Initiativen und Vereinen, wie Liberal-islamischer Bund e.V. oder Ibn-Rushd-Moschee aber auch kirchliche Träger und christliche Theologen ins Gespräch zu kommen.

Dies war auch die Intention der diesjährigen DIK. Vor allem fand ich die etwas kleinere Runde am Abend nach der Veranstaltung in den Räumlichkeiten am Gendarmenmarkt gut, da wir dort wieder die Gelegenheit hatten, ins Gespräch zu kommen und uns auszutauschen.

Labelisierung ist kalter Kaffee

Da es sich um meine erste Teilnahme handelt, hatte ich mir hierzu nicht viel vorgenommen. Ich habe mir aber selbstverständlich die bisherigen Islamkonferenzen angeschaut. Die geplanten Themen waren nicht unbedingt neu, aber unter den neuen Gegebenheiten in unserem Land spannend. Leider wurde nicht immer auf inhaltlicher Ebene über die Themen gesprochen, sondern wieder über Labelisierung (liberal, konservativ, politisch etc.) Das ist m.E. kalter Kaffee. Dass die Diskussionen darüber zu Anspannungen geführt haben, fand ich im Übrigen ganz gut, da wir als Muslime tatsächlich Diskussionen auf sachlicher Ebene mehr als nötig haben.

Außerdem haben mir die Inputs der Wissenschaftler sehr gefallen, die auf sehr kompetente Art und Weise den Status quo vorgestellt haben und hierzu Lösungsvorschläge darlegten. Hier merkt man wieder einmal, wie wichtig es sein kann, sich nicht nur mit der eigenen Gemeindearbeit zu beschäftigen, sondern die gesamte Moschee- und Vereinslandschaft zu kennen.

Erstklassig. Auch die Rede von Bundesinnenminister Seehofer war erkenntnisreich und gut pointiert. Er hat sich bereit erklärt, mögliche Problemlagen zu lösen. Das ist zwar etwas verwirrend, aber auch schön zu hören. Er hat sich klar ausgedrückt, was die ausländische (finanzielle) Einflussnahme angeht. Wir brauchen in der Tat unabhängige Verbände, Moscheen und Vereine, die sich ausschließlich für lokale Belange einsetzen.

Viele offene Fragen in der Deutschen Islamkonferenz

In diesem Kontext habe ich mich für einige Ideen mit einem kurzen Wortbeitrag stark gemacht. Wie etwa, dass die Bestandsaufnahme über die islamischen Theologen bzw Imame fehlt. Es müssen Fragen gestellt werden, wie etwa: 1.Wollen die Theologen als Imame arbeiten? – Wenn ja, was können sie dort anbieten? Müssen sie nur die Rolle des Vorbeters übernehmen, oder sich für alle Bedürfnisse der Gemeindemitglieder einsetzen. 2.Was passiert mit der Seelsorge…? Was mit Jugendarbeit…? – Wenn nein, was muss hierzu getan werden? Welche Probleme gibt es? Welche Anreize können geschaffen werden. Wie wäre es bspw. wenn, zumindest eine Übergangslösung, die Imame aus der Türkei nur als Vorbeter, und die künftigen deutschen Imame als Freitagsprediger oder Ramadanprediger im Sinne von Gemeindepraktikum eingesetzt werden? und und und… Es gibt noch viele offene Fragen..

Was mir gefehlt hat war vor allem, dass relevante Themen, die ausnahmslos jeden Muslim betreffen, wie etwa die Seelsorge oder die Soziale Arbeit nicht konkret diskutiert wurden. Also auch mögliche Präventionsansätze, welche sowohl für die Muslime als auch für die Mehrheitsgesellschaft hilfreich sind. Außerdem haben mir junge Gesichter gefehlt. Soweit beobachtet, gehörte ich zu den jüngsten Teilnehmern der Islamkonferenz, was sehr schade ist.

Mindestens ein jugendlicher Podiumsteilnehmer und mehrere junge Stimmen aus dem Publikum würden ganz klar und deutlich zeigen, dass wir eigentlich sehr weit vorangekommen sind. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Teilnehmer der jungen Islamkonferenz meinte im persönlich Gespräch, dass ihm oder anderen Teilnehmern, während der gesamten Veranstaltung nicht einmal die Frage gestellt wurde, welchem Verein oder Moscheegemeinde die jeweiligen Teilnehmer angehören. In der JIK sollen nur Themen an- und besprochen worden sein, die für deutsche Jugendliche relevant waren, nämlich politische Teilhabe, antimuslimischer Rassismus, Zusammenarbeit innerhalb der Muslime bzw. intrareligiöser Dialog… Alles, was ich in den letzten zwei Tagen in der DIK leider nicht erlebt habe.

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About Author

Samet Er

Samet Er ist Theologe und Berater im Bereich religiös begründetem Extremismus. Er gehört zu den ersten 30 Studenten der islamischen Theologie an der Universität Tübingen. Heute arbeitet er als Theologe in den Justizvollzugsanstalten und schreibt an seiner Dissertationsschrift, wo er über theologische und historische Grundlagen der Sozialen Arbeit und Seelsorge forscht. Er war fast 3 Jahre Koordinator des Imamweiterbildungsprojekts am Institut für islamische Theologie an der Universität Osnabrück und hat dort als Hilfskraft bei Prof Bülent Ucar gearbeitet. Er ist Autor bei der Zeitschrift „Die Fontäne“ und ist außerdem noch seit mehreren Jahren im Projekt Dialog macht Schule ehrenamtlich aktiv. Er organisiert Koran-Bibel-Lernkreise wo er gemeinsam mit Pfarrern und Pastoren über koranische und biblische Persönlichkeiten spricht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorhebt.

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