Diskriminierung: Nur eine Illusion?

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Die blonde Nadja, ihres Zeichens beste Freundin meines Bruders, lag quer auf dem Sofa und schaute fern, während mein Mann und ich uns zu zweit auf den schäbigen Drehstuhl zwängten. Im Fernsehen lief „Schwarz auf Weiß – dieser Film, in dem Günther Wallraff sich als Schwarzer zurecht gemacht hat und in Zügen besoffene Brandenburger provoziert. Allerdings sah er nicht so richtig überzeugend aus. Man wusste ja nie, ob er diskriminiert wurde, weil man ihn für einen Schwarzen gehalten hat oder einfach, weil er aussah wie ein Freak mit Schuhcreme ins Gesicht, der eins aufs die Zwölf verdient hat.

Plötzlich gab die Nadja ein ungläubiges Schnauben von sich.. „Ist doch blöd! Wer hat denn heutzutage noch was gegen Schwarze!“ sagte sie. Diesen Kommentar hätte ich gerne analysiert, aber Nadja wollte offensichtlich weitergucken. Im übrigen hasst sie tiefschürfende Gedanken, womit sie nicht alleine ist. In Ermangelung eines Gesprächspartners schreibe ich meine deshalb auf. Was ich in jenem Moment dachte, war Folgendes: Jetzt mal alle politische Korrektheit außen vor gelassen: So ganz unrecht hat Nadja nicht. – Sagen wir mal so: Etwas gegen Schwarze zu haben, ist jenseits gewisser ostdeutschen Regionen nicht mehr so richtig en vogue, glaube ich. Was natürlich nicht heißt, dass möglicherweise ein großer Prozentsatz der Bevölkerung Farbige trotzdem mehr oder weniger bewusst und mehr oder weniger offensichtlich diskriminiert. Aber hip ist es, zumindest unter deutschen Bildungsbürgern, nicht mehr.. Offen und getrosten Herzens diskriminieren tut der Durchschnittsbürger heute bei uns eher Muslime. Weil: Die haben ja angefangen! Mit Kopftuchtragen, Anderssein, Deutschehassen und so. Insofern hatte Nadja, in ihrer strammen blonden jugendlichen Unbedarftheit, nicht so ganz unrecht. Das mutmaße ich so.

Neulich habe ich einen hoch interessanten Test gemacht: Wir hatten Besuch. Unter anderem von einem aufgeweckten neunjährigen Knaben, der mit anhörte, wie ich erzählte, ich sei im Zug einer Reisegruppe von US-Amerikanern begegnet. „Oh! – Cool!“ lautete sein Kommentar. Ich merkte auf. „Cool findest du das?“ fragte ich zurück. „Ja. Ist doch cool.“ Kam die Antwort. „Ach. Und wie fändest du es, wenn ich Türken getroffen hätte?“ – „Nicht cool!“ Übrigens sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass es sich bei dem Jungen mitnichten um ein unterbelichteten Sprössling eines Ehepaares handelte, das mit nationalsozialistischem Gedankengut sympathisiert. Etwa solchen wie diesem Ehepaar in den USA, die ihren Sohn „Adolf Hitler“ genannt haben und Jahr für Jahr bei ihrem heimischen Bäcker vergeblich eine Geburtstagstorte mit der Aufschrift „For little Adolf Hitler“ in Auftrag gaben. Sie haben das jahrelang immer wieder probiert, und jahrelang weigerte der heimische Bäcker sich, diesen Auftrag anzunehmen. So lange, bis die Story endlich durch alle Medien gegangen war, man dem Ehepaar ein bisschen auf den Zahn fühlte und schließlich das Sorgerecht entzog. Also – solche Eltern hatte mein kleiner Besucher nicht. Eher im Gegenteil. Vielmehr waren sowohl seine Eltern als auch der Junge selbst sehr aufgeschlossen. Er hatte viel Kontakt mit anderen Kulturen und war im Kindergarten gut mit einem türkischen Jungen befreundet gewesen. „Aha! Sehr interessant“ fuhr ich fort. „Pass mal auf. Ich sag dir jetzt mal vier Nationalitäten, und du ordnest die nach Coolheitsgrad, ja? Verstehst du doch, die Aufgabe? Also: Ein US-Amerikaner, ein Italiener, ein Türke, ein Engländer. Welcher ist der Coolste, welcher der Zweitcoolste, und so weiter?“ Die Antwort kam prompt: „Also, der aus den USA ist der Coolste. Dann kommt der Engländer. Dann der Italiener und zum Schluss der Türke!“ „Bravo!“ rief ich entzückt aus. „Du bist ein ganz schön schlaues Kerlchen!“

–          Eine Erzieherin, der ich das Ganze im Nachhinein erzählte, meinte, mein Kommentar sei aber pädagogisch nicht so ganz einwandfrei gewesen. „Da hast du ihn ja in seinen Vorurteilen bestätigt! Das kannste doch nicht machen!“ So hatte ich es aber gar nicht gesehen. Der Junge hatte doch nur in einer deskriptiven Aussage in Worte gefasst, was jeder zumindest gedacht hätte. Jetzt mal jenseits von persönlichen Vorlieben. West ist eben best, das weiß doch jeder. Außerdem haben die immer noch von allen Vieren das höchste Bruttosozialprodukt, die Amis. Die Türken dagegen haben fast alle schwarze Haare, am wenigsten Geld und die falsche Religion. Gibt’s da noch Diskussionsbedarf?

Also. Tatsache ist: Unterschiedliche Nationen und ethnische Gruppen und unterschiedliche Religionen haben ein unterschiedliches Image. Wobei arabisch- oder türkischstämmige Muslime mit ziemlicher Sicherheit inzwischen ganz unten stehen, vielleicht zusammen mit den Roma. Ob das nun selbstverschuldet ist oder nicht, steht mal auf einem ganz anderen Blatt. Ich denke, es sollte möglich sein, dieses Kind beim Namen zu nennen. Und mal ganz sachlich. Ohne sich, wie es tatsächlich viele Muslime machen, in Selbstmitleid zu ergehen und zum Opfer zu stilisieren, anstatt – trotz Benennung dieses Missstandes – weiterhin immer schön vor der eigenen Tür zu kehren. Wenn das alle tun, bleibt die Straße bekanntlich sauber. De facto ist die ganze Welt aber ein einziger Kindergarten. Jeder regt sich höllisch über den Müll und die Hundewurst vor der Tür des andern auf und sagt: „So. Deshalb rühr ich jetzt auch keinen Finger mehr!“ Und darum müllen wir zu.

Ich glaube, es gibt Statistiken und Studien, die die These von den Hierarchien belegen – also, dass Muslime und Orientalen auf der Beliebtheitsskala eher im unteren Bereich anzusiedeln sind. Meine Behauptungen basieren jetzt aber mehr auf subjektiven Alltagserfahrungen. Mein US-amerikanischer Englischlehrer berichtete zum Beispiel, er habe die Erfahrung gemacht, dass die Deutschen total heiß darauf sind, Englisch zu reden. Fast alle. Anfangs hätten seine Deutschkenntnisse deshalb kaum Fortschritte gemacht. Er kam gar natürlich gar nicht auf die Idee, dass die Deutschen ihm möglicherweise nur deshalb äußerst freundlich und anglophil erschienen, weil er nicht nur US-Bürger, sondern zudem auch noch ein typischer New Yorker war, wie man sie aus Filmen kennt. Cooler geht’s ja nun kaum. Eine pakistanischstämmige Freundin von mir, eine dunkelhäutige Kopftuchträgerin, dagegen erzählte exakt das Gegenteil. Weder mit Englisch noch mit einer anderen der vier bis fünf Sprachen, die sie fließend spricht, sei sie in Deutschland – ebenfalls in Hessen – weitergekommen, und man sei ihr wenig freundlich begegnet. – Zufall oder nicht? Klar, dass sich diese Frage nicht zu Hundert Prozent beantworten lässt, denn hinzu kommt natürlich in diesen Dingen immer ein Stück „Self-Fulfilling-Prophecy“, also „sich selbst erfüllende Prophezeiung“. US-Amerikaner werden von Deutschen in der Regel als sehr selbstbewusst, offen und freundlich empfunden und auch eher dementsprechend behandelt. Kopftuchtragende Pakistanerinnen, die in Europa aufgewachsen sind, müssen schon über eine außergewöhnliche Charakterstärke verfügen, wenn sie sich zu selbstbewussten und offenen Menschen entwickeln. Zu Muslimen, die souverän zu ihrem Glauben stehen und schräge Blicke und dumme Sprüche auch nach dem zwanzigtausendsten Mal noch lächelnd wegstecken.

Tatsache ist, dass selbst weniger dunkelhäutige und weniger orientalische Migranten sich in Deutschland oft nur begrenzt willkommen fühlen. Eine Gruppe von osteuropäischen Deutschlehrerinnen, nicht nur perfekt Deutsch sprechend, sondern auch blond, berufstätig, unauffällig gekleidet und mit Deutschen liiert– also assimilationstechnisch alle erdenklichen Bedingungen erfüllend – bestätigte ebenfalls, der rote Teppich ihnen hier eher selten ausgerollt würde. Ich wunderte mich in dieser Diskussion über die Tatsache, dass viele Migranten bereits der Frage nach ihrer Herkunft mit Skepsis begegneten. Das interessiert mich nämlich selbst auch immer, schon, weil ich mich so für Sprachen interessiere. „Naja. Die Frage geht ja eigentlich noch“ erklärte Danuta. „Aber die, die darauf dann oft folgt, die gefällt mir nicht mehr so.“ Welche Frage das denn sei, wollte ich wissen, und wie aus einem Munde antworteten mehrere Frauen: „Und wann gehst du zurück?“ – Tja – darauf muss man erst einmal kommen, wenn man es selbst nie erlebt hat!

Wer selbst nie diskriminiert wurde, sollte sich kein Urteil darüber erlauben, ob manche Migranten „überempfindlich“ oder„paranoid“ sind, oder sich gar gezielt in die Opferrolle manövrieren, um Vorteile zu schinden, etwa, indem sie die Nazikeule schwingen. Tatsächlich sind zumindest unterschwellige Diskriminierungen nur selten zu beweisen. Vom hohen Ross herab kluge Reden zu schwingen ist eine höchst unsympathische und außerdem pädagogisch ineffektive Eigenschaft. Genau aus diesem Grunde habe ich eigentlich auch kein Recht, zu behaupten, Muslime würden heutzutage mehr abgelehnt als Schwarze oder andere traditionell diskriminierte Gruppierungen, denn ich bin zwar Muslima, aber nie schwarz gewesen. „Mund halten!“ heißt in einem solchen Fall das Gebot der Stunde.

Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann wissen, wie es sich anfühlt, tagtäglich auf die ein oder andere Weise Ablehnung zu erfahren. Bekanntermaßen legen sich zur Feigheit neigende Kleingeister selten mit denen an, die es wirklich verdient hätten. Kaum jemand ist so wahnsinnig, eine Horde gewaltbereiter, marodierender Jungs in einem sozialen Brennpunkt zu beschimpfen oder in eine für ihre Wahhabitennähe bekannte Moschee zu spazieren, um dort Integrationsbereitschaft zu predigen. Natürlich nicht. Das traut sich keiner. Man erschlägt traditionsgemäß lieber den Boten, der Briefe überbringt und hält sich an die Schwachen. Kopftuchfrauen zum Beispiel. In einem Alphabetisierungskurs, in dem ich unterrichtete, kamen fast alle Frauen sehr unpünktlich. Die Leiterin der Volkshochschule, deren konservative Einstellung aus allen Knopflöchern lugte, hatte die Schülerinnen bereits mehrmals ermahnt, doch mit wenig Erfolg. Eines Tages kam ich zum Unterricht, als mich die einzige Schülerin, die stets pünktlich kam, bereits erwartete. Sie sah aus wie ein begossener Pudel. Sie benötigte nämlich eine Teilnahmebescheinigung, und hatte es gewagt, eine Mitarbeiterin der Volkshochschule deswegen anzusprechen. Ein Akt großen Mutes. Diese deutsche Dame, über deren am Dialekt eindeutig zu identifizierende Herkunft ich aus politischer Korrektheit an dieser Stelle nichts verrate, hatte ihr zuerst eine verbale Standpauke gehalten. Von der die Schülerin praktisch nichts verstanden hatte, nur, dass es um das Thema Unpünktlichkeit gegangen war. Der Mitarbeiterin war es wahrscheinlich zu anstrengend gewesen, zwischen den ganzen dicklichen, ähnlich aussehenden, arabischsprachigen Tuchträgerinnen zu differenzieren, was zur Folge hatte, dass ausgerechnet die einzige Pünktliche sich das unverständliche Gekeife anhören musste.

Anschließend drückte besagte Mitarbeiterin der Analphabetin, wohl wissend, dass diese den Zettel nicht lesen konnte, die vermeintliche „Teilnahmebescheinigung“ in die Hand. In dieser stand: „Frau XY ist seit dem 13.09. in unserem Integrationskurs angemeldet. Wir weisen Frau XY an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass der Kursbeginn bereits um 15.30 Uhr ist!“ –Meine Augen füllten sich mit Tränen der Dankbarkeit über dieses einzigartige Dokument humanistischer Geisteshaltung. Dieses Zeugnis „jüdisch-christlicher abendländischer Werte“, an deren Wesen der Rest der Welt, so (der christlich-jüdische) Gott will, dereinst noch genesen wird! Übrigens ist eine „Anmeldebescheinigung“ auch keine „Teilnahmebescheinigung“. Ich sagte ihr: „Schmeiß den Brief mal ganz schnell weg!“ Daraufhin gingen wir zu einem anderen Mitarbeiter der Volkshochschule. Meine libanesische Schülerin wollte ihm den Brief des Amtes, das eine Teilnahmebescheinigung forderte, überreichen. Sozusagen als Nachweis, dass Sie seine kostbare Lebenszeit nur gezwungenermaßen, und nicht aus reiner Schikane vergeudete. Mit spitzen Fingern wies der Herr den Umschlag aber zurück und sagte mit angewidertem Unterton: „Also, rausholen müssen Sie mir den Brief bitte schon selber!“, was die eingeschüchterte Frau, Entschuldigungen murmelnd, auch sofort tat. Immerhin: Wenige Minuten später wurde ihr die geforderte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Hinzugefügt sei, dass diese Frau eine sogenannte primäre Analphabetin war, also jemand, der auch in seiner Muttersprache nie schreiben und lesen gelernt hat. Ausnahmslos alle diese Analphabeten habe ich als sehr lernbegierig, wenn auch zum Teil kaum lernfähig, erlebt. Gerade diese Frau aber lernte binnen Kurzem sehr gut Deutsch lesen und erklärte ihre große Pünktlichkeit nachdrücklich mit den Worten: „Was ich machen zu Hause? Immer fernsehen?“

Vielleicht wird jetzt klar, weshalb ich es für ziemlich irrelevant halte, dass die blonde Nadja nicht an Diskriminierung glaubt….

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About Author

Über die Hälfte ihres Lebens ist Anja Hilscher, Jahrgang 69, bereits Muslima. Der Übertritt war wohlüberlegt, doch ihre Auseinandersetzung mit den Lehren der.Weltreligion Islam hält bis heute an. Verständnislose Reaktionen der Umwelt und die wachsende Islamophobie veranlassten Anja zu dem Versuch, ein lesbares Buch über den „ganz anderen Islam“ zu schreiben ( - den „echten“ nämlich). Nach dem Studium des Lehramtes an Grund- und Hauptschulen und einer Erziehungspause absolvierte Anja eine Ausbildung zur „Beraterin für interkulturelle Fragen“ und arbeitet nun als Leiterin von Integrationskursen. Anjas Hobbys sind planlose Aktionen aller Art (z.B. Reisen), „alles rund ums Wort“ und Horizonterweiterung. Sie lebt mit Mann und Kindern in Norddeutschland. http://www.randomhouse.de/Paperback/Imageproblem-Das-Bild-vom-boesen-Islam-und-meine-bunte-muslimische-Welt/Anja-Hilscher/e392638.rhd

14 Kommentare

  1. Blonde Nadja? Blonde Unbedarftheit? Hat da jemand Vorurteile gegenüber blonden Frauen? Scheint so. Es fällt mir immer wieder auf dass gerade die welche sich gerne als politisch korrekte Antirassisten sehen kein Problem damit haben blonde Frauen zu diskriminieren. Es scheint vollkommen in Ordnung zu sein blonde Frauen als naiv und einfältig hinzustellen und die Frau auf ihre Haarfarbe zu reduzieren. Wäre das mit der Hautfarbe auch okay?

  2. Herr Özcelik, „Eine Friedensreligion als ideologisch und faschistisch zu bezeichnen….“.Ich weiß nicht, ob Sie Kenntnisse in Literatur haben, aber ich möchte Sie auf den großen Algerier Boualem Sansal, der vor wenigen Jahren in der Peter-Pauls-Kirche zu Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, in seinem Heimatland unter größter Gefahr lebt, aufmerksam machen. In „Postlagernd Algier“ widmet er ein Kapitel dem Thema:“Das Problem ist der Islam“. Und wenn Sie ein wenig von Politik verstehen, brauchen Sie nur bedeutende Flüchtlinge, Akademiker und Künstler, auch Politiker nachzugoogeln, die vor dem „friedlichen Islam“ nach Deutschland geflohen sind um sich nun von Leuten Ihrer Couleur sagen zu lassen, dass der Islam eine Friedensreligion sei. Sie wissen doch sicher auch noch die für den Islam der ganzen Welt geltenden Worte Chomeinis: „Es gibt nur einen Islam und das ist der politische Islam“ Darauf ging das ungeheure Morden erst richtig los. Der Film „Persepolis“, nun auch von der „friedlichen“Muslimschaft Tunesiens verboten, ein weiteres Beispiel. Und dass Hassan Al-Banna mit dem Faschismus liebäugelte, sagt ja auch etwas von totalitären Strukturen aus. Ich empfehle Ihnen unter Thomas Baader „Geschlossene und offene Systeme“ nachzulesen. Der europaweit bekannte Lehrbuchautor und sein Leben lang lehrende Prof. Tilmann Nagel wäre äußerst wichtig zum Thema.
    Nina

    Wir nehmen zur Kenntnis, dass Sie das Islambild des nur für Schiiten ehrenwerten Imam Chomeini teilen. Das ist schön für Sie, aber ändert nichts an der Tatsache, dass eine lebende Religion wie der Islam, der noch dazu über keine zentrale Autorität wie zB die Katholische Kirche verfügt, so vielfältig ist wie seine Angehörigen und die Länder, Regionen, Völker, Nachbarschaften und Kulturen, in denen sie aufgewachsen sind. Sie dürfen nicht immer von der Uniformität der „Islamkritiker“ – die in aller Regel sehr eindimensionale, von Lebensfrust gezeichnete und diesen an Unbeteiligten auslassende, bemitleidenswerte Menschen sind – auf Nichtangehörige dieser Ersatzreligion schließen. Ihnen jetzt jeweils 20 Atheisten, „Deutsche Christen“, Zoroastrier, Scientologen, Sri-Chimnoy-Anhänger, Anthroposophen, Duchoborzen oder Neuheiden aufzuzählen, die mit dem Faschismus sympathisiert haben, ersparen wir uns. Ebenso wie die Lektüre der Altkommunisten und Nazispinner, die Sie uns ans Herz legen. Allerdings wissen Sie als Faschistin zweifellos über den Faschismus mehr als wir. – D.Red.

  3. Der Text zeigt doch sehr schön, dass die Autorin selber einige Vorurteile hegt. Über die blonde Freundin ihres Bruders kann sie nur im Verbalmodus der Herablassung sprechen. Und ein Neunjähriger, der von Eltern nicht gelernt hat das die Türken die aller colsten „Zensur“ auf dieser Welt sind, wird ersteinmal einer kritischen Examination unterzogen.
    Wenn das keine „unterschwelligen Diskremninierungen“ sind…

  4. Ersteinmal hat dein Argument keinen Inhalt. Eine Friedensreligion als ideologisch und faschistisch zu bezeichnen, entzieht sich jäglicher Religionskenntnis. Du solltest erstmal deinen eigenen Aussagen Gehör schenken, um zu erkennen, dass sie selber einen faschistischen Inhalt haben.

  5. Leute die einer faschistischen Ideologie folgen haben es verdient abgelehnt zu werden. Und dabei macht es keinen Unterschied ob diese Ideologie säkular ist oder ob sie religös ist.
    Und Islam ist in einem nicht unerheblichen Teil religöser Faschismus. Schon Karl Marx erkannte das und stellte fest:

    „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist „harby”, d. h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“

  6. Thomas Dietz on

    Herr Dietz:

    „Unbequeme Tatsachen, hört man nicht allzu gern, oder?“

    Kommentare, die beleidigendes gegen die Weltreligionen beinhalten, sind alles andere als „Tatsachen“ geschweige denn „unbequem“. Solche Kommentare haben in unserer demokratischen Gesellschaft keinen Platz und demnach auch nicht bei den Integrationsbloggern.

    Von daher kriegen Sie eine Zensur.

    DIB – Die Integrationsblogger

  7. Thomas Dietz on

    Ihr Kommentar wurde aufgrund Unsachlichkeit und Beleidigung zensiert.

    DIB – Die Integrationsblogger

  8. Interessanter Beitrag – wenn er auch nur die typische, politisch korrekte Seite der Medaille beleuchtet. Mit Vorurteilen ist das so eine Sache, man eignet sie sich aus den Bereichen der persönlichen Erfahrung an. Nehmen wir zum Beispiel den Jungen, der die Amerikaner so cool findet. Warum macht er das? Weil die Amerikaner die Filmbranche dominieren, und dieses „Coolsein“ eben dem Selbstbildnis der Amerikaner entspricht, das bei uns nun propagandistisch durchschlägt. In jedem Film sehen wir, wie cool Amerikaner sind. Dass das in der Realität kaum der Wahrheit entspricht, versteht sich von selbst. Gerade Amerikaner sind, wenn es zum Beispiel um Themen wie Sexualität oder Kriminalität geht, außerordentlich uncool, verklemmt und rückständig. Aber das bekommt man eben in den Filmen nicht aufs Butterbrot geschmiert. Der kleine Junge erfährt eben nur das coole Image, das sich die Amerikaner selbst kreiert haben. Welches Image haben Muslime? Diese Personengruppe kennen wir aus unserem täglichen Alltag und wir lernen diese Menschen als extrem verschlossen und wenig kontaktfreudig kennen. Nicht den einzelnen, bei dem sich die Dinge schon mal ganz anders verhalten können, aber eben „normalerweise“. Wir kennen Muslime als „Gruppe“ aus den Nachrichten, wenn es darum geht, dass in einer dänischen Zeitung eine Karikatur abgebildet wurde, und deshalb die Welt untergeht. Wir kennen sie, wenn es um hinterhältige Sprengstoffattentate geht, um Frauen, die unter ihrer Burka einen Sprengstoffgürtel tragen, aber auch persönlich, wenn wir an der Kasse eines Einkaufszentrums stehen und vor uns eine offensichtliche Muslime ganz in schwarz steht, die die Verkäuferin in extrem rudimentärem Deutsch anfaucht, weil die ihr ein Kleidungsstück nicht umtauschen will. Wir lernen Muslime in Produktionsbetrieben kennen, wenn es um minderwertigste Arbeit geht, oder beim Bodenwischen in den Fast-Food-Läden.
    Das sind alles Eindrücke die nicht besonders cool sind, aber für die wir auch nichts können; das sind eben unsere täglichen Erfahrungen, eben der Stoff, aus dem diese „Vorurteile“ gemacht sind. Vorurteile sind nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Kein Mensch überschüttet einen anderen damit einfach nur so. Wenn man einen Menschen nicht persönlich kennt, setzt sich das Bild über ihn aus den Dingen zusammen, die man „erfahren hat“. Man ordnet ihn in einer bestimmten Personengruppe zu. Schlecht für diesen Menschen, wenn er einer Personengruppe angehört, die als nicht sehr COOL empfunden wird, aber andererseits menschlich. Wir können in unserem Intellekt ein gewisses Maß an Pragmatismus aufbringen, nicht aber in unserer Gefühlswelt. Wir können nicht abstreifen, was uns die Evolution über Jahrtausende eingepflanzt hat – nicht in unserer Gefühlswelt.
    Sich ein anderes Image zu geben kann nur von einer einzigen Personengruppe selbst bewerkstelligt werden – von den Betroffenen selbst. Wenn wir in unserer täglichen Erfahrung, in verschiedenen Situationen des täglichen Lebens, Muslime als sehr „cool“ wahrnehmen, wird auch der kleine Junge irgendwann sagen: Mensch, ich finde die Türken viel cooler als die Amis.

  9. @ Sarah,

    Sehr interessanter Ansatz, wie ich finde. Ist mir bisher so nicht aufgefallen. Aber müsste ich mal bewusst ausprobieren. Lass mich raten: Sozial Arbeiterin oder Sozialpädagogin?

  10. Sehr treffender Beitrag, danke! 🙂
    Vor kurzem fiel mir noch etwas auf, ob dies nun unter „kognitive Dissonanz“ (sprich sich etwas schönreden fällt, oder nicht, sei dahin gestellt):
    Es hat zumindest einen Vorteil, einer Minderheit anzugehören, die nicht die beste Lobby hat: man findet sehr schnell, oft auch nonverbal, heraus, wie offen, tolerant und humanistisch das Gegenüber ist. Am Besten, wenn man selbst um etwas bittet; sei es beim Arzt, Bäcker, in einer Behörde oder vor KollegInnen. So kann man i.d.R. schnell Entscheidungen treffen, bspw. mit wem man seine Freizeit verbringen möchte, wo man gern Essen geht oder welchen Arzt man eben nicht mehr aufsucht. Man bekommt so schnell Einblick in die Geisteshaltung des Gegenüber, was sonst vielleicht ein jahrelanges Kennenlernen voraussetzen würde…

  11. Anja Hilscher on

    @Leyla

    Da muss ich Ihnen zustimmen. Deshalb schreibe ich ja auch gleich anschließend an die von Ihnen zitierte Passage: „Vom hohen Ross herab kluge Reden zu schwingen ist eine höchst unsympathische und außerdem pädagogisch ineffektive Eigenschaft. Genau aus diesem Grunde habe ich eigentlich auch kein Recht, zu behaupten, Muslime würden heutzutage mehr abgelehnt als Schwarze oder andere traditionell diskriminierte Gruppierungen, denn ich bin zwar Muslima, aber nie schwarz gewesen. ‚Mund halten!‘ heißt in einem solchen Fall das Gebot der Stunde.“

    Gruß Anja Hilscher

  12. Ein schöner Beitrag mit klugen Ansätzen. Danke dafür. Nur eines möchte ich kritisch anmerken:

    „Wer selbst nie diskriminiert wurde, sollte sich kein Urteil darüber erlauben, ob manche Migranten „überempfindlich“ oder„paranoid“ sind, oder sich gar gezielt in die Opferrolle manövrieren, um Vorteile zu schinden, etwa, indem sie die Nazikeule schwingen.“

    Genau! Und deswegen ist es sicherlich etwas müßig, wenn wir darüber nachdenken, ob Schwarz-sein heute in (West)-Deutschland noch ein Problem ist. Das steht uns einfach nicht zu. Diese Frage können uns schwarze Menschen selbst viel besser beantworten. Und ich fürchte, dass ihre Antworten da etwas anders ausfallen werden, als unsere Vermutungen.

  13. Hüseyin Kara on

    „Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann wissen, wie es sich anfühlt, tagtäglich auf die ein oder andere Weise Ablehnung zu erfahren. “ genau meine Meinung. Man muss es mal am eigenen Leib erfahren, um sich ein Urteil darüber zu bilden. Die Ablehnung wird ja nicht nur durch die „Handlung“ deutlich, sondern – wie im Text gut beschrieben – die Haltung, Gestik Mimik sehr deutlich. Man sieht es schon in den Augen, dass jetzt eine Ablehnung kommen wird aber trotzdem versucht man dagegen anzukämpfen. Irgendwann wird es vielen zu viel und sie werden auswandern, sieht man ja schon an den Auswanderern, Hochgebildet aber keinen Nerv mehr für Diskriminierung.

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