Eine Anfrage an Esprit

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Und es geht weiter mit der Reihe „Anfragen in Bezug auf Nachhaltigkeit“.

Diesmal habe ich bei Esprit angefragt und diese Antwort bekommen:

Liebe Tatjana,

vielen Dank für Ihre Anfrage an unseren Kundenservice und Ihr Engagement auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Entschuldigen Sie, dass meine Antwort so lange auf sich warten liess – ich war vergangene Woche auf Reisen und wollte Ihnen gerne persönlich antworten. Mein Name ist Mona Schmadl, ich leite die Unternehmesnkommunkation bei Esprit und – gerne können Sie unsere Antwort auf Ihrem Blog posten.

Sie fragen, was uns Nachhaltigkeit bedeutet?

Soziales und ethisches Engagement sowie ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt sind seit Gründung von Esprit im Jahr 1968 fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Wir haben eine eigene Abteilung, die sich um die Nachhaltigkeit unseres Unternehmens sowohl im sozialen als auch im Umweltbereich kümmert. Das bedeutet für uns aber nicht, dass Nachhaltigkeit ein zentralisiertes Thema bei Esprit ist – sondern in jeder Abteilung bei den (all)täglichen Businessentscheidungen eine Rolle spielt.

Im sozialen Bereich umfasst das Thema neben vielen anderen Punkten z.B. auch den respektvollen Umgang mit den Menschen, die unsere Kleidung produzieren. Wir haben in den Verträgen mit unseren Lieferanten strenge Maßstäbe angelegt, die verhindern sollen, dass die im von Ihnen zitierten Artikel geschilderten Zustände hinsichtlich Entlohnung, Arbeitszeit und sozialer Absicherung eintreten. Um die Einhaltung der von Esprit vorgegebenen Parameter zu überprüfen, finden regelmäßig angekündigte wie auch unangekündigt Überprüfungen vor Ort statt, durchgeführt von sowohl externen Auditoren als auch von eigenen Mitarbeitern, die die lokale Sprache sprechen und sich mit den lokalen Gegebenheiten auskennen. Nobody’s perfect – was passiert, wenn wir Mänegl fest stellen? Vorgefundene Mängel werden in einen Maßnahmenkatalog aufgenommen, auf dessen Basis das Management der Textilfabrik die Situation nachweisbar verbessern muss. Dies dient dazu, wirklich nachhaltig positive Veränderungen zu schaffen. Hierbei leistet unser Team die nötige Unterstützung. Es wird daraufhin auch überprüft, ob die Mängel innerhalb der gesetzten Frist behoben worden sind. Akute Missstände oder Versagen bei der Mängelkorrektur haben Konsequenzen und können dann dazu führen, dass die Geschäftsverbindung mit den betreffenden Lieferanten mit sofortiger Wirkung aufgelöst wird.

Wir sind der Überzeugung, dass ein Unternehmen nicht allein ein Umdenken in der Branche herbeiführen kann. Daher haben wir uns mit anderen Unternehmen und Interessenvertretern in einer Reihe von Verbänden, Initiativen und Arbeitskreisen zusammengeschlossen, um gemeinsam einheitliche Grundlagen für adäquate Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern zu schaffen – hier ein paar Beispiele:

Sustainable Apparel Coalition (SAC; http://apparelcoalition.org/) – Esprit ist Gründungsmitglied dieses Verbandes, in dem wir mit anderen Unternehmen und Partnern in der Lieferkette kooperieren, um den Lebenszyklus der Produkte hinsichtlich sozial-ethischer als auch umweltrelevanter Gesichtspunkte entlang der gesamten Lieferkette transparent zu gestalten und zu verbessern.
Better Work (http://betterwork.org/global/) – Esprit ist “Buyer Partner “ der Initiative Better Work. Better Work ist ein gemeinsames Programm der International Labour Organization (ILO) und der International Finance Corporation (IFC). Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen und auch die Konkurrenzfähigkeit der Textilproduktion in Ländern wie z. B. Kambodscha, Vietnam und Indonesien zu stärken. Neben Einkäufern, Arbeitgebern und Regierungsvertretern sind auch Gewerkschaftsvertreter Teil der Initiative „Better Work“. Dieses Merkmal macht die Initiative so einzigartig und so wichtig für uns.
Obwohl für Esprit in Rana Plaza in Dhaka nicht produziert wurde, hat unser Unternehmen dennoch sofort das Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch (http://bangladeshaccord.org/) unterzeichnet. Es ergänzt unsere eigenen Initiativen, die wir in diesem Land zur Verbesserung des Arbeitsschutzes und der Gebäudesicherheit durchführen.
Auch dem von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller ins Leben gerufenen Bündnis für nachhaltige Textilien („Textilbündnis“; https://www.textilbuendnis.com/de/) sind wir beigetreten. Auch dort arbeiten wir mit anderen Unternehmen, mit Regierungsvertretern und mit Interessengruppen daran, die Prozesse in der globalen textilen Lieferkette in sozial-ethischer Hinsicht und auch mit Blick auf die Umwelt transparent und nachhaltig zu gestalten.
Darüber hinaus ist Esprit Mitglied der „Zero Discharge of Hazardous Chemicals Group“, einem Zusammenschluss von vielen großen internationalen Modeherstellern, die sich zum Ziel gesetzt haben, bis zum Jahr 2020 bestimmte als bedenklich eingestufte Chemikalien komplett aus ihren Lieferketten zu eliminieren. Wir haben es bis dato geschafft, die Anwendung von PFC für unsere Produkte auszuschließen und alternative Substanzen zu verwenden. Für unsere in diesem Rahmen bereits erzielten Erfolge wurden wir bereits zum zweiten Mal von Greenpeace als „Vorreiter“ bei der Eliminierung von Chemikalien aus der textilen Lieferkette gewürdigt: http://www.esprit.com/press/news/news_detail?identity=169
Aber Esprit bemüht sich nicht nur, den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion zu minimieren, sondern wir suchen auch nach umweltfreundlichen Rohstoffen. Erst kürzlich sind wir der „Better Cotton Initiative“ (http://bettercotton.org/) beigetreten. Im Rahmen dieser Initiative werden wir nachhaltige Baumwolle für unsere Bekleidung beziehen, die einen geringeren Umwelteinfluss hat als herkömmlich produzierte Baumwolle, und die darüber hinaus auch für die Baumwollbauern und ihren Kommunen große Vorteile bringt. Wir werden unseren Beitritt auch in Kürze noch an die Öffentlichkeit kommunizieren. Darüber hinaus haben wir uns bei der Initiative „Canopy“ zur nachhaltigen Beschaffung von Fasern verpflichtet, die u. a. zur Herstellung von Viskose verwendet werden. Wir wollen nicht, dass für unsere Produkte der Regenwald abgeholzt wird oder indigene Stämme ihre Heimat verlieren. Auch dieses Projekt werden wir in Kürze öffentlich bekannt machen.
Hinsichtlich des Einflusses der textilen Produktion auf die Umwelt, sind wir stets bemüht, diesen so gering wie möglich zu halten. Wir verfügen über eine Liste von Substanzen, deren Anwendung in der Produktion nur eingeschränkt oder sogar gar nicht erlaubt ist. Diese „Restricted Substances List“ (RSL) legt in vielen Belangen strengere Maßstäbe an als die gesetzlichen Vorgaben es vorsehen. Die Liste wird laufend aktualisiert und ist öffentlich einsehbar unter http://www.esprit.com/press/rsl.pdf.

Desweiteren legen wir darauf Wert, dass wir ein pelzfreies Unternehmen sind – schon seit vielen Jahren als Fur Free Retailer gelistet (http://www.furfreeretailer.com/) und zudem keine Produkte aus Angora verkaufen. Bezüglich unserer Produkte aus oder mit Federn, Daunen oder Leder, ist uns wichtig, dass die eingesetzten Materialien aus dem Lebensmittelkreislauf stammen und zudem, dass bei der Gewinnung von Wolle keinerlei Mulesingverfahren zum Einsatz kommen.

Esprit ist nicht dem im Artikel angesprochenen „Fast-Fashion-Prinzip“ zuzuordnen. Im Gegenteil, wir haben unseren Kollektionsrhythmus in der jüngeren Vergangenheit von zwölf monatlichen auf vier Hauptkollektionen und zwei Zwischenkollektionen pro Jahr reduziert und auch den jeweiligen Kollektionsumfang stark verkleinert. Wir sehen uns nicht im Billigsegment, nicht als Marke mit kurzlebigen Wegwerfprodukten. Esprit ist eine Marke im mittleren Preissegment mit einer Kundschaft, die Wert legt auf unseren nachhaltigen Ansatz und unseren Qualitätsanspruch.

Unser Unternehmen hat die wichtigsten Schritte zur besseren Umsetzung dieses Ansatzes gemacht, aber es liegt noch ein langer – oder besser: kontinuierlich zu hinterfragenden – Weg vor uns. Wie oben erläutert, können wir all das nicht allein schaffen, sondern wollen und müssen mit anderen Gruppen und Organisationen kooperieren. Nur so werden wir unsere Ziele erreichen können.

Sehr geehrte Frau Rogalski, wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Ausführungen einen Einblick in unserer Arbeit auf dem weitreichenden Gebiet der Nachhaltigkeit geben konnten. Detailliertere Informationen finden sie auch in unserem jährlich im Herbst erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht („Sustainability Report“; http://www.esprit.com/company/sustainability/report/) und auf unserer Website, deren entsprechender Teil gerade überarbeitet wird.

Bitte zögern Sie jedoch nicht, uns wieder zu kontaktieren, falls sie noch weitere Fragen oder Anmerkungen haben sollten.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie weiterhin gerne Esprit tragen.

Freundliche Grüße

Dieser Beitrag erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt.
Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert.
„Wenn Du nicht fliegen kannst, renne,
Wenn Du nicht rennen kannst, gehe,
Wenn Du nicht gehen kannst, krieche.
Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen.“ (Martin Luther King)
Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung!
Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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