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Es ist Samstag, der Himmel grau, so rechte Frühlingslaune will nicht aufkommen und irgendwie passt das Wetter zur momentanen Stimmung in Deutschland. Die Europäische Union, vorneweg die Bundesregierung, dealt mit der Türkei um Flüchtlinge und man hat fast schon das Gefühl, dass es sich da nicht mehr um Menschen sondern um Schachfiguren handelt. Frei nach dem Motto „Tausche Flüchtling gegen Flüchtling“ bekommt diese Art und Weise fast schon den Anschein von Menschenhandel. Aber, das ist die europäisch – türkische Sache, auf die möchte ich, so sehr es mir in den Fingern juckt, eigentlich gar nicht eingehen. Vielmehr beobachte ich mit Sorge, dass die Mauer in Deutschlands Köpfen wieder wächst und ganz deutlich wird, dass Ost und West noch lange nicht zusammengewachsen sind.

Das böse Dunkeldeutschland – hier ist alles braun

In den letzten Monaten titelten ja die großen und kleinen Zeitungen unentwegt vom bösen Sachsen, von Dunkeldeutschland, braunen Landstrichen und Ostdeutschland verkommt immer mehr zum ewig gestrigen Anhängsel der Bundesrepublik. Hier wohnen die Nazis, hier brennen Flüchtlingsheime und Pegida sowie Petry oder andere AfD Größen kommen ja aus dem Osten. Und wenn die Medien das so schreiben, dann muss es ja so sein.

Facebook ist da eine wichtige Größe in der medialen Schlammschlacht und der geneigte User lässt sich all zu oft zu Kommentaren hinreißen, die selbst vor Fremdenhass nur so strotzen. Man liest hier vom Naziostdeutschland, wünsche sich die Mauer wieder – und diesmal bitte ein paar Meter höher -grotesk!

Schlicht und einfach ignoriert man hier Tatsachen und sucht sich einen Sündenbock um seinen  Frust loszuwerden. Ostdeutschland – das Land der Nazis, Braunhemden, ideologisch verkorksten Fremdenfeinden – ja, sogar die Spreewaldgurke musste schon herhalten, das arme Ding.  Da wird offen zum Boykott der Spreewaldgurke aufgerufen und auch sonst kann man ja nichts mehr kaufen, was aus „der Zone“ kommt, weil man ja sonst Fremdenfeindlichkeit unterstützt.

Natürlich ist der Kampf gegen Rechts und Fremdenhass wichtig und jeder, der ihn unterstützt ist einer, der eben zeigt, dass Deutschland nicht das ist, was es scheint. Die AfD haben zwar 24 % in den Sachsen Anhaltinischen Landtag gewählt, aber eben 76 % „eben nicht„. Das wird all zu oft vergessen!

Die absoluten Zahlen sprechen eine andere Sprache

Nun habe ich mich mal aufgemacht und die jüngsten Zahlen recherchiert und bin zu einem Ergebnis gekommen, welches selbst mich etwas überraschte. Es wird ja immer mit Prozenten jongliert. Sei es in der Frage, welches Land wieviele Flüchtlinge aufgenommen oder welche Partei wieviele Stimmen bekommen hat. Prozente sind irreführend und das zeigt auch die momentane Lage in Deutschland. Hier scheint der Osten den Westen im Bezug auf Straftaten gegen Flüchtlinge oder der Wahl fremdenfeindlicher Parteien ganz klar abgehängt zu haben – ein Irrtum!

Betrachtet man Wahlergebnisse der Landtagswahlen, dann scheinen zwar in Sachsen Anhalt mit über 24 % „fast“ doppelt so viele Wähler für die AfD entschieden zu haben wie in Baden Würtemberg mit 15 %. Die absoluten Wählerstimmen sehen dagegen anders aus. In Sachsen Anhalt waren es 530 Tausend AfD – Wähler, in Baden Würtemberg allerdings 1,53 Millionen. Aber „im Osten wohnen ja die Fremdenfeinde….“ Vergessen wird hier auch gern, dass in den letzten Jahrzehnten nicht wenige junge Menschen wegen der Arbeit in die alten Bundesländer gegangen sind.

Im Osten Fremdenfeinde – im Westen alle weltoffen?

Nun stellt man fest, dass sich der geneigte westdeutsche Bürger gern in die „Prozentuale – nicht so schlimm – Hängematte“ fallen lässt und mit dem Finger auf den braunen Osten zeigt. Da fordert man lautstark, der „Ossi“ müsse sich erst integrieren und überhaupt kommen ja die AfD Spitzen aus dem braunen Osten – das will schon was heißen! Dass aber Linke wie Gysi, Ramelow oder die Kanzlerin Merkel, die in der Flüchtlingskrise jede Menge Menschlichkeit zeigte, auch aus dem Osten kommen, wird ebenso klein geredet wie die zahlreichen Refugees Welcome Demos und die Flüchtlingshilfe der ostdeutschen Bundesländer. Weiterhin wird das Verbotsverfahren gegen die NPD, nun ja, man kann davon halten, was man will, eben nicht von westdeutschen, sondern eben von ostdeutschen Innenministern betrieben. Das ganze West – Ost – Debattiere, wer hier nun die meisten brennenden Flüchtlingsheime hatte und wer nicht, wird zunehmend immer abstruser. Da fragt man sich, ob ein Flüchtlingsheim im Westen weniger brennt als im Osten.

Ursachen erkennen und gemeinsam handeln

Hier werden immer wieder wertvolle Ressourcen verpulvert und Kleinkriege um Zahlen geführt und letztlich wird die Kraft für Zankereien verplempert, die man anderswo dringend bräuchte.  Und, nebenbei werden Gräben aufgerissen, die Mauer in den Köpfen der Menschen wieder etwas mehr betoniert und das 25 Jahre nach der Einheit unseres Landes. Hierbei wird oft vergessen, dass die unterschiedliche Bezahlung in Ost und West, unterschiedliche Renten und die immer wiederkehrenden Schuldzuweisungen im Bezug auf den Osten, der sich ja schließlich fortlaufend in Gesamtdeutschland zu bewähren hat, nur wenige Gründe für Unmut in der Bevölkerung sind.  Wichtig ist doch die gemeinsame Initiative gegen Fremdenhass, oder?

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About Author

Andreas Böckler beschäftigt sich mit den Hintergründen der Entstehung von Hass und Schwarz Weiss Denken und versucht sachlich anhand von für jedermann verständlichen Argumenten für Verständnis und Toleranz zu werben. Aufklärung und unvoreingenommenes Begegnen von Menschen mit diffusen Befürchtungen und Ängsten im Bezug auf Menschen anderer Nationalitäten sind für ihn wichtig. Ausgleich findet er im fotografischen Bereich, vor allem in der Landschaftsfotografie.

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