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Diese Woche habe ich den Gründer und Leiter der Theatergruppe „Halber Apfel“, Murat Işboğa besucht. Bei dieser Gelegenheit habe ich es mir nicht entgehen lassen ein Interview mit ihm, für unseren Blog, zu führen. Meine Eindrücke über Herrn Işboğa sind sehr positiv. Ein sehr unterhaltsamer Mensch. Wenn man sich also denkt, wie er denn in der Realität so ist, kann ich euch sagen, dass es keinen Unterschied gibt. Er muss sich nicht viel verstellen auf der Bühne. Jetzt aber zum Interview:

Hallo Herr Işboğa, Sie sind Gründer und Leiter der deutsch-türkischen Theatergruppe „Halber Apfel“. Erzählen Sie unseren Lesern doch mal etwas zu Ihrer Gruppe. Wie fing das Ganze an mit der Theatergruppe?

Ja vielen Dank für die nette Interview-Anfrage! Als Kind bin ich schon mit kleinen Auftritten innerhalb der Familie groß geworden. Hinzu kam noch, dass meine Eltern damals Videos ausgeliehen hatten von türkischen Theaterstücken. Ich hatte zwar nie die Vorstellung einmal auf der Bühne zu sein, aber es muss sich in meinem Unterbewusstsein festgesetzt haben.

Die Theatergruppe habe ich 2005 gegründet. Es fing alles sehr brav an. Wir haben damals noch in den Wohnzimmern von verschiedenen Gruppenmitgliedern geprobt. Wurden nicht wirklich wahrgenommen. Vor allem die Älteren meinten damals: „Ach, lass die Kinder mal machen“

Bis Juni 2009 haben wir türkischsprachige Stücke gespielt. Seit dem verstehen wir uns aber als deutsch-türkische Theatergruppe und sind als Gastspieltheater mit dem Stück „Stefanie integriert die Öztürks“ deutschlandweit unterwegs.

Aber mein Gedanke war einfach, die Dinge auf die Bühne zu bringen, die ich für wichtig halte. Deshalb lege ich auch großen Wert darauf, die Texte unserer Stücke selber zu schreiben.

Was bedeutet denn Halber Apfel?

Wir auf der Bühne sind sozusagen die eine Hälfte vom Apfel. Der Zuschauer symbolisiert für mich die andere Hälfte. Zusammen ergeben wir ein Ganzes! Toll ne??

Zurzeit sind Sie – so hören wir über die Medien und Sie haben es ja auch gesagt – deutschlandweit mit dem Stück, „Stefanie integriert die Öztürks“, unterwegs. Wie kam es zu diesem Titel?

Über den Titel habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Wichtig ist nur gewesen, einen typisch deutschen Mädchen-Namen zu haben, auf Integration deutlich zu machen und einen typischen türkischen Nachnamen zu finden. So entstand „Stefanie integriert die Öztürks“

Was möchten Sie mit diesem Stück bewirken und in diesem Zusammenhang: Was bedeutet für Sie Integration?

Wir möchten das bewirken, was bis heute kaum gemacht oder geschafft wurde. Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen. Leider leben diese aneinander vorbei. Sie kennen sich zu wenig. Ich sehe zu wenig Türken auf deutschen Volksfesten, aber andersrum wünsche ich mir mehr deutsche auf türkischen Veranstaltungen. Ich möchte hier nicht nach Schuldigen suchen. Die Tatsache ist nur, wenn sich Menschen aus verschiedenen Kulturen besser kennenlernen, wird alles viel einfacher sein. Bei uns lachen Sie gemeinsam über sich selbst und haben Spaß. Bei „Stefanie integriert die Öztürks“ ist für jeden was dabei. Integration ist für mich deutsche Freunde zu haben!

Die Frage klingt sehr typisch: Sind Sie Türke oder Deutscher?

Keine Ahnung, echt nicht J Ich denke, fühle und träume türkisch. Aber handle, spreche und lebe deutsch! Bitte entscheiden Sie jetzt, was ich bin. Oder sagen wir es so: Wenn ich morgens Kaffee trinke, bin ich für den Tag Deutscher. Trinke ich Tee, fühle ich mich türkisch.

Es gab auch in Menden eine Kontra – Sarrazin Veranstaltung, bei der Sie einen Soloauftritt hatten. Wie kam es dazu und wie sind ihre Eindrücke?

Ich hatte eine Einladung von einer Partei in Menden. Denen hat es nicht gefallen, dass die o.g. Person in Menden aus seinem Buch lesen sollte. Also haben Sie mich eingeladen, damit eine Gegenveranstaltung auch in der Presse vorkommen sollte. Außerdem demonstrierten Sie damit, dass in der Stadt alle Menschen aus unterschiedlichen Kulturen friedlich leben.

Dort habe ich mein Solo-Programm aufgeführt. Es hat an dem Abend allen Beteiligten einen großen Spaß gemacht. Seit dem bin ich öfter auch als Alleinunterhalter auf der Bühne.

Sie hatten mir bei einer Veranstaltung im Backstage erzählt, dass Sie sich auch beruflich zwischen zwei Kulturen bewegen. Können Sie das erläutern? Was machen sie da genau?

Meine Tätigkeiten bewegen sich eigentlich alle nur zwischen zwei Kulturen. Ich habe für ein Institut gearbeitet, in der es meine Aufgabe war, deutsche und türkische Unternehmer für gemeinsame Projekte zu begeistern. Dann habe ich lange wieder für das Institut gemeinsam mit den Kollegen Informationsveranstaltungen zum Thema „Berufsausbildung“ in türkischen Vereinen geleitet. Jetzt habe ich eine Tätigkeit aufgenommen für ein Museum, für die ich ca. 10 Menschen zum Thema Migrationsgeschichte interviewen werde. Diese Arbeiten machen mir alle Spaß. Am liebsten bin ich aber trotzdem auf der Bühne.

Sie sind demnächst öfter als Alleinunterhalter auf der Bühne. Vielleicht noch ein paar Worte dazu?

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Darauf freue ich mich besonders. Erste Termine für mein Soloprogramm „50 Jahre Almanya“ stehen bereits. Im Rahmen einiger Feierlichkeiten werde ich nach den Sommerferien Auftritte haben im Sauerland. Weitere Gespräche laufen noch. Infos dazu wird es demnächst auf meiner eigenen Homepage geben. Wenn diese fertig ist nenne ich es euch gerne.

Was ist typisch deutsch und was türkisch?

Typisch deutsch ist halt deutsch. Disziplin, Pünktlichkeit, Genauigkeit und Bier trinken zu Formel 1.

Typisch türkisch ist die Gelassenheit in vielen Situationen, picknicken im Unterhemd, dass man mit der ganzen Familie im Facebook ist und schließlich 3000 km in den Urlaub mit dem Auto fährt.

Ich danke Ihnen, Herr Işboğa, für das Interview. Jetzt stellt sich für unsere Leser natürlich die Frage, wie Herr Işboğa denn zu erreichen ist. Am besten gebe ich hier unten die Webseite der Theatergruppe, wo der Spielplan der Gruppe und die Kontaktdaten stehen:

www.yarimelmatiyatro.de

www.theaterhalberapfel.de

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About Author

ist Gründer und Chefblogger der Integrationsblogger und wurde 1977 in der berühmt berüchtigten Dortmunder Nordstadt als jüngster Sohn einer türkischen Familie geboren. Von hier aus unternahm er eine Reise mit ungewöhnlichen Stationen: Er war Sohn, Schüler, Breakdancer, Kickboxer, Kaufmann, leitende Positionen in der Bildungsbranche und hat als PR-Mitarbeiter für ein Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule gearbeitet. Er ist stolzer Familienvater und hat drei Töchter. Diesen Blog gründete ich ursprünglich für mich selbst. Nach einiger Zeit erschien mir die Darstellung nur einer Perspektive dann aber doch etwas zu einfältig, so dass ich andere Autoren einlud, ihre Geschichten zu erzählen. Der Name „Integrationsblogger“ assoziiert die aktuellen Debatten – was ist da spannender, als ein Blog der die bunte Vielfalt seiner Autoren, ihrer verschiedenen Positionen und Erfahrungen widerspiegelt? Unsere Autorenschaft ist multikulturell und multireligiös aufgestellt, wir haben jüdische, christliche, muslimische sowie deutsche und türkische Federn unter uns, doch hat jeder eine individuelle Geschichte, Perspektive und Sichtweise. Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim Verfolgen, Verweilen und Stöbern auf unserem Blog und würde mich über Anregungen und Kritik freuen..!

6 Kommentare

  1. Pingback: Lieblingstürke: Podcast mit Murat Işboğa

  2. Sehr schöne Präsentation und Darstellung über die kulturelle Theaterarbeit.Schön das hier ein Weg gefunden wurde Nationalitäten zusammen zuführen.Man kann Herrn Işboğa nur wünschen das er weiterhin Zeit und Kraft aufbringt und Wege sucht gegenseitiges Verständnis zu wecken.
    Dabei denke ich, ist es nicht wichtig ob er es als Solist macht,oder zusammen mit seinem Team.
    Bisher habe ich von einigen Schwestern nur positives über die Aufführungen gehört,die ich selbst noch nicht besucht habe.Durch diesen Bericht ist meine Neugierde darauf aber geweckt worden.
    Auf „50 Jahre Almanya“ bin ich schon gespannt.

  3. Resul bey sizi tebrik ederim. Allah basarilarinizin devamini nasip etsin insAllah.Bize en güzel hizmeti bizim insanimiz yapar.Saygilarimla

  4. Nun ja, mir scheint, es ist leichter deutsche Feinde zu haben, denn deutsche Freunde zu gewinnen – jedenfalls als Muslim.

    Die Atmosphäre wird täglich von Menschenhassern erfolgreich vergiftet.

  5. Ein schöner und vor allem wichtiger Blog. Weiter so! Ich hoffe, du kriegst das mit der Sidebar gebacken 😉

Die Integrationsblogger