Ist das Grundgesetz nur für Deutsche?

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Resümee der Bundesweiten GG-Verteilaktion in Deutschland 

63. Jubiläum des Grundgesetzes am 23. Mai 2012

Seit Wochen beobachten wir die Vorbereitungen in den sozialen Netzwerken. Auf Facebook wurde die Gruppe für die Verteilaktion gegründet und initiiert. Schnell sprach es sich rum und aus mehreren dt. Städten meldeten sich begeisterte Aktivisten, die die Aktion parallel zur gleichen Zeit unterstützen wollten.

Gesagt getan, am 23. Mai 2012 wurde zum Geburts-TAG DES GRUNDGESETZES in verschiedenen deutschen Städten Stände für die Verteilung des GG aufgestellt.

Doch die ab 1948 im Grundgesetz verankerte Unantastbarkeit der Menschenwürde hat ihren Ursprung im Christentum. Schließlich berufen sich die Kirchen darauf und die Feierlichkeiten anlässlich des Grundgesetzes beginnen mit einem ökumenischen Gottesdienst, auch wenn der Gottesdienst nur zu Ehren von Gott gefeiert wird.

Allerdings ist der christliche Ursprung des Begriffes „Menschenwürde“ nicht der alleinige Aspekt, der im Grundgesetz seine besondere Stellung erhielt.
Der Völkerrechtslehrer Samuel Freiherr von Pufendorf (16. Jh.) ebenso wie Kant und Schiller (18. Jh.) griffen nach und nach die Bedeutung der „Menschenwürde“ jeweils aus ihrer Sicht auf und lenkten sie auf das europäische Denken hin. Hierbei ist der italienische Philosoph Giovanni Pico della Mirandola in Zusammenhang Immanuel Kants auch zu erwähnen.

Diesem kann in Deutschland theoretisch niemand widersprechen, denn es gehört ebenso zum Selbstverständnis des  Islam, des Christentums, des Judentums, des Atheismus, des Buddhismus und vielen anderen Weltanschauungen, die man noch weiter ausführen kann, die in Deutschland leben. Die Vielfalt in Deutschland ist eine Bereicherung, vor allem, weil sich alle theoretisch einig sind,  dass die Würde des Menschen unantastbar ist.  Diesem Bild entsprach auch die Mischung der Aktivisten bei der Verteilaktion.  Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund, Menschen mit und ohne Religionszugehörigkeit waren mit Leib und Seele, aber auch Hand in Hand an dieser Aktion beteiligt.

Im Zuge der Integrationsdebatte und auch auszuweiten auf viele andere Problemzonen in Deutschland, empfanden die Aktivisten eine Vernachlässigung der demokratischen Prinzipien. Diese sind im GG formuliert und eine der wichtigsten ist die Unantastbarkeit der Menschenwürde

Die Grundgesetzbücher  wurden von der Bundeszentrale für politische Bildung bestellt und größtenteils von dem Initiator Hüseyin Kara abgeholt und an die weiteren Aktivisten versendet. Um die Genehmigung für die Verteilung einzuholen besuchte er sogar den Bezirksbürgermeister von Berlin MITTE, Herrn  Dr. Christian Hanke. Dieser hatte jedoch nicht die Befugnis eine Genehmigung auszuteilen, doch die Bürgernähe war vorhanden. Kara ging sodann zum Tiefbauamt und zwar dreimal.

Die von Kara gegründete Facebook-Gruppe sollte eine Aktionsgruppe sein, weniger eine Diskussionsgruppe. Die Effizienz lag jedenfalls darin, dass mehr getan als gesprochen wurde

Es gab Politiker, die die Verteilaktion des GG als eine Gegenaktion zur  Koran-Verteilung deklarierten.[1] Die GG-Aktions-Gruppe hat sich jedoch stark von diesem Antagonismus distanziert, weil solche Aktionen ebenso vom demokratischen Recht abgedeckt werden. Während es sich bei dem einen um eine religiös behaftete Missionierung handelt, ist die GG-Verteilung das Erinnern an die  allgemein gültigen Menschenrechte, unabhängig von der Glaubenszugehörigkeit.

Es war schwer, bei so vielen Organisatoren zu erkennen, wer anfänglich die Idee dazu hatte, aber ich habe es dennoch herausgefunden. Es waren Sevgi Meryem Ünver aus Hamburg und Hüseyin Kara aus Berlin. Ein Brainstorming auf Facebook zwischen den beiden, Eine kleine Idee verfestigte sich zu einer erfolgreichen Aktion.

Einer weiteren Recherche zu Folge  hatten nahezu zeitgleich mehrere Personen eine ähnliche Idee, jedoch haben die oben genannten Personen sofort mit der Organisation begonnen, sobald sie die Idee hatten.

In Berlin gab es die Standorte Alexander Platz und Hermannplatz, wobei die Bücher am Herrmannplatz viel schneller angenommen wurden. Ich persönlich war eine „Gast“-Verteilerin am Alex und habe ca. 20 Grundgesetze an die dortigen Passanten verschenken dürfen. Am Hermannplatz waren es 350 GG-Bücher, die von Passanten angenommen wurden. Am Alexander Platz waren es 300 Gesetzesbücher. Der Restbestand wurde anschließend auf anderen Veranstaltungen verteilt, wie z.B. an einer Schule in Moabit.

„Ich bin sowas von glücklich, ist nicht in Worte zu fassen, schreibt Hüseyin Kara. „Wir alle zusammen haben was Tolles geleistet und darauf können wir stolz sein“ führt er fort und bekundet seinen Dank an alle Mitwirkenden, die körperlich wie geistig dabei waren und schließt mit diesen Worten ab:  „Ich weiß die letzten Wochen waren für viele sehr anstrengend. 600 verschiedene Menschen mit sehr unterschiedlichen „Motivationen“, sei es soziale Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Beschneidung der Menschenrechte,…sind zusammengekommen und haben nur ein Ziel – für ihre Grundrechte stehen, denn all die Lösungen für ihre „Anliegen“ stehen im Grundgesetz und wir stehen dazu und fordern es. Ihr seid einfach SUPER.“

Es handelt sich bei der Verteilaktion außerdem um eine parteiübergreifende Bürgerinitiative ohne Verbands- und Vereinszugehörigkeit.

Grundgesetz-Verteilaktion gut angekommen

Insgesamt wurde die Verteilung des Grundgesetzes auf der Straße gut angenommen.

„Macht euch keinen Kopf, wenn blöde Kommentare von Passanten kommen“, entgegnet uns Mukadder Bauer, eine der InitiatorInnen der Verteilaktion für das Jahr 2012 in Berlin.

Tatsächlich kamen interessante Bemerkungen von Menschen, denen ein GG als Geschenk überreicht wurde. Hier einige Auszüge: „ich bin nicht deutsch, das ist doch für Deutsche , oder? “  , weitere Bemerkungen folgten: „kenn ich nicht, brauch ich nicht, ich kann das schon in und auswendig“….oder auch „das hat doch keinen Wert, was darin steht, wird doch eh nicht eingehalten von der Politik“ es kamen aber auch solche Bemerkungen: „I´m sorry, I am not from Germany“ Hier handelte es sich um Touristen in englischer, spanischer und französischer Sprache, denen wir am Alexander Platz zu Hauf begegnet sind.

Einige winkten ab, weil sie es für kommerzielle Werbung hielten, doch als sie genau hinschauten, worum es sich handelt, änderte das ihre Haltung. Vor allem der Hinweis, dass doch heute der Geburtstag des Grundgesetzes ist und dies keine Verkauf-  sondern eine Verteilaktion ist, ließ einige Passanten umkehren.

Wir als Integrationsblogger gratulieren zu dieser Aktion und rühmen uns damit, dass mindestens drei unserer Autoren an dieser tollen Aktion mitgewirkt haben. Unser Mitbegründer des Blogs, Fatih Cicek, sowie einer unserer Autoren Levent Bayram haben sich ebenfalls an der Verteilaktion beteiligt. In Berlin gab es sogar Stände in zwei verschiedenen Bezirken.

Ich persönlich finde es bewundernswert, dass soziale Netzwerke wie StudiVZ, Facebook, Twitter und Google +  nicht nur hinter dem PC funktionieren und es nicht beim bloßen Klicken bleibt. Diese Aktion zeigt mir, dass es eine Hoffnung gibt und Worte und Ideen, die online enstehen, in Taten umgewandelt werden können.

Die Ankündigung der Verteilaktion erfolgte ebenso in unserem Blog:

Demokratie statt Ausgrenzung

Bundesweite Pressemitteilungen über die Verteilaktion des Grundgesetzes:

Bündnis gegen Rechts-Metropole Ruhr

Grundgesetz in Offenbach

Print-Medien:

Türkiye Gazetesi , 25.5.2012 Print-Ausgabe

Live-VideoStream
http://bambuser.com/v/2670964

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About Author

Geboren in Berlin, Deutsche mit türkischen Wurzeln, MA-Publizistin mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit, Erziehungswissenschaftlerin mit dem Nebenfach Psychologie (Abschluss 2010).

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