Ja zum Umweltschutz, nein zu antihumanistischer Ideologie

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Die Weltreligionen sehen den Menschen als Nutzer und Bewahrer der Welt, in der er lebt. Auch im Islam geht man davon aus, dass alle Quellen, von denen unser Leben abhängt, uns Menschen von Gott als etwas Anvertrautes in unsere Obhut gegeben wurden. Und dass daraus eine Pflicht resultiert, diese Quellen nicht zu schädigen oder zu zerstören.

Gleichzeitig aber wird der Mensch im Islam als „Das ehrenvollste Geschöpf“ (Eschref-i mahlukat) , „Allahs Statthalter auf Erden“ , „das Wesentliche des Universums“ und „das am schönsten Erbaute“ bezeichnet – und erfährt damit eine ähnliche Wertschätzung wie in der Bibel, wo von der „Krone der Schöpfung“ die Rede ist. Im Sinne der Sura Maide, 32 des Quran wird das Leben eines einzelnen Menschen als so wertvoll betrachtet wie das Leben der gesamten Menschheit als solcher – und auf dieser Basis betrachten zahlreiche islamische Gelehrte den Menschen als „das kleine Universum“.

Nicht nur die Tatsache, dass beispielsweise ein nicht unwesentlicher Prozentsatz jener Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, die in der Türkei die konservative AKP unterstützen, in Deutschland – nicht zuletzt aufgrund deren im Vergleich zu anderen Parteien diversitätsfreundlicherer Migrationspolitik – die Partei der Grünen wählen, wirft die Frage auf, ob diese Nähe nur taktischer Natur ist oder auch inhaltlich begründet werden kann.

Dabei soll es nicht nur um die Haltung dieser Partei in Gesellschaftsfragen gehen, die innerhalb der Migranten-Communities nicht immer auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Vor allem sollte auch das Kernthema dieser Partei, die Umweltpolitik, im Gesamtzusammenhang mit dem dahinter stehenden Menschenbild betrachtet werden. Denn diesbezüglich entsprechen die Wertigkeiten im Verhältnis zwischen Mensch und Natur nicht immer jenen, die sich aus den religiösen Quellen herleiten lassen.

In den vergangenen Tagen trugen sich Dinge zu, die es auch abseits davon als sinnvoll erscheinen lassen, das Thema „Umweltschutz“ und seine Implikationen im weitesten Sinne kritisch zu hinterfragen.

Betrachtet man die Materie eingehender, lassen sich Zusammenhänge erkennen, über die gerade auch Migranten und Muslime informiert sein sollten, um sich nicht für Zwecke vereinnahmen zu lassen, die ihren grundlegenden Überzeugungen zuwiderlaufen.

Todesstrafe für Papst und Klimaskeptiker?

Ein Ereignis, das wir beachten sollten, trug sich an der Universität Graz zu – also stilecht in einer Stadt, die von den Nationalsozialisten einst als „Stadt der Volkserhebung“ gewürdigt wurde und noch heute eine gewisse Affinität zum Flirt mit dem Totalitarismus aufzuweisen scheint, denn immerhin kamen die linksextreme KPÖ (knapp 20%) und die rechtsextreme FPÖ (13,75%) im Zuge der kürzlichen Gemeindewahlen zusammen auf knapp ein Drittel aller abgegebenen Stimmen.

Dort hat ein Musikprofessor(!) sein angestammtes Metier verlassen und hat sich zumindest in seinen Gedanken zu etwas aufgeschwungen, was sein Gesinnungsgenosse Jorgen Randers möglicherweise als „wohlwollenden Diktator“ bezeichnen würde.

Nun ist aber auch ein wohlwollender Diktator ein Diktator und solche erweisen sich bekanntlich als willens und in der Lage, notfalls rustikale Methoden gegen Personen zur Anwendung zu bringen, die ihr Wohlwollen allzu hart auf die Probe stellen. In diesem Sinne illustrierte Musikwissenschaftler Richard Parncutt denn auch auf der offiziellen Webseite der Universität, was in diesem Zusammenhang zu seinem 100-Tage-Programm unmittelbar nach Übernahme der Regierungsgeschäfte gehören müsse.

Eine zwingende Notwendigkeit wäre es dabei nach seiner Überzeugung unter anderem, gegen „Klimaleugner“ – worunter das Multitalent Menschen versteht, die offen Zweifel an der Richtigkeit der These von einer „menschengemachten Erderwärmung“ zu äußern wagen – und in weiterer Folge auch gegen das Oberhaupt der Katholischen Kirche – immerhin eine Institution, die im Laufe ihrer Geschichte mannigfaltiges musikalisches Schaffen von Weltruhm inspiriert oder gefördert hatte – die Todesstrafe zu verhängen.

Wer nämlich, wie die Skeptiker der These einer „menschengemachten Erderwärmung“, stetigen Klimawandel als einen völlig natürlichen Vorgang betrachtet und in diesem Zusammenhang beispielsweise darauf hinweist, dass es alleine im Laufe der letzten 2.000 Jahre bereits mehrere Jahrhunderte gegeben hätte, in denen die Durchschnittstemperatur auf der Erde auch ohne Industrie und mit einem Bruchteil der heutigen Weltbevölkerung wesentlich über der derzeitigen gelegen habe, ist nach Auffassung unseres kunstsinnigen Mitmenschen „für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich“.

Ähnliches gilt auch für den Papst, dessen kritische Anmerkungen zur künstlichen Empfängnisverhütung nach Auffassung des Musikologen nichtweiße Gehirne offenbar überfordern und/oder dazu beitragen, dass sich Menschen in Afrika oder Asien aus Angst vor dem vatikanischen Geheimdienst oder dem Zugriff der Schweizer Garde nicht mehr getrauen, Kondome zu verwenden.

Mittlerweile hat die Universität den Klimabesorgten offenbar dazu veranlasst, den Text von seiner Seite zu nehmen und sogar durch eine knapp gehaltene Entschuldigung zu ersetzen.

Schön und gut, könnte man sagen. Nur geht aus diesem knappen Statement weder hervor, ob Parncutt tatsächlich auch Leid tut, was er geschrieben hat (und nicht nur, dass er dabei erwischt wurde), noch ob er lediglich die Forderung nach der Todesstrafe für Andersdenkende bedauert, aber zumindest deren Mundtotmachung, Internierung oder Ausweisung immer noch für notwendig hält.

Alarmismus statt Fakten

Das Schlimmste an der Angelegenheit ist aber, dass Parncutt nicht der einzige selbsternannte „Umweltbewegte“ ist, der offen fordert, Bürgerrechte, politische, persönliche und wirtschaftliche Freiheiten von Individuen oder demokratische Mitbestimmungsrechte massiv einzuschränken oder sogar völlig zu suspendieren, um ökologische Ziele zu verfolgen. Und hier stellt sich tatsächlich die Frage, wie es sein kann, dass ausgerechnet in den bestentwickelten, reichsten, umwelttechnologisch am weitesten fortgeschrittenen und mit der höchsten Lebenserwartung gesegneten Gegenden der Welt, wie hier in Europa, dazu kommen kann, dass alarmistisches Geschrei jedweder Art – von den rechtsextremen Anti-Islam-Schauermärchen bis hin zur angeblich drohenden ökologischen Apokalypse – so viele Anhänger findet, die noch dazu bereit sind, Freiheit und Wohlstand vollständig preiszugeben, um den Eintritt dieser von Tag zu Tag weiter ausgebauten Horrorszenarien zu verhindern.

Ein Erklärungsansatz ist zweifellos, dass ein fast restlos von seinen religiösen Traditionen gesäuberter Kontinent wie Europa nach Ersatzreligionen schreit und der „Klimaschutz“ wie auch andere ökologisch verbrämte Verzichtsideologien dabei willkommene Optionen darstellen.

Das alleine würde aber noch nicht den Fanatisierungsgrad erklären, der mit diesen einhergeht und der sich nicht nur in den mittlerweile von der Seite genommenen Tötungsfantasien Richard Parncutts äußert, sondern sich durch alle wesentlichen Manifeste und programmatischen Dokumente der Ökologiebewegung wie ein roter Faden hindurchzieht.

Das grundlegende Problem besteht darin, dass nicht unwesentliche Teile der Ökologiebewegung als solche weniger im Sinn zu haben scheinen, im Sinne einer Bewahrung der Schöpfung künftigen Generationen von Menschen Verhältnisse zu hinterlassen, in denen diese ein würdiges Leben führen können, sondern dass sie die Erde als eigenständigen, aus dem Schöpfungszusammenspiel herausgelösten Organismus betrachten, dessen Schutz sie gezielt auf Kosten des Menschen durchsetzen wollen.

Um die Probe aufs Exempel zu machen, empfiehlt es sich, den meist europäischen Mahnern zu einer „nachhaltigeren“ Lebensweise und Warnern vor der angeblich drohenden Klimaapokalypse die Frage zu stellen, warum man die Energie und das Geld, das man aufwendet, um den Klimawandel „verhindern“ oder „bremsen“ zu wollen, nicht in Maßnahmen steckt, die es künftigen Generationen ermöglichen würden, sich an die geänderten Verhältnisse anzupassen. Und gleich darauf sollte die Frage folgen, welche Maßnahmen denn unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen in den einzelnen Ländern getroffen werden sollten, um das Schlimmste zu verhindern: Neben diversen Forderungen nach drastischen Einschränkungen im Lebenswandel und Abkehr von der Wachstumspolitik wird mit fast 100%-iger Wahrscheinlichkeit auch das Wort „Überbevölkerung“ fallen. Um die „Rettung des Planeten“ zu bewerkstelligen, solle also die Ausbreitung menschlichen Lebens gedrosselt werden.

Das Menschenbild der „Ökologiebewegung“

1974 formulierte der Club of Rome in seiner Schrift „Menschheit am Wendepunkt“ wie folgt: „Die Erde hat ein Krebsgeschwür und dieses Krebsgeschwür ist der Mensch“. Damit knüpfte dieser Think Tank, dessen Thesen und Voraussagen heute noch weitestgehend unkritisch in den Medien wiedergegeben werden, an die Aussagen des Autors der 1971 erschienenen Schrift „The Population Bomb“, Dr. Paul Ehrlich, an, in der es hieß: „Ein Krebs ist eine unkontrollierte Vermehrung von Zellen, die Bevölkerungsexplosion ist eine unkontrollierte Vermehrung von Menschen. Wir müssen unsere Bemühungen von der Behandlung der Symptome hin zum Herausschneiden des Krebses verschieben. Die Operation wird viele offensichtlich brutale und herzlose Entscheidungen verlangen.“ – Mit diesem „Krebs“ waren Menschen gemeint.

Es wird im Rahmen dieser Kolumne noch eingehend auf geistige Grundlagen und Entwicklungslinien eingegangen werden, die vom Darwinismus über die Lehren Malthus‘ bis hin zur Eugenikbewegung reichen. Und es wird an vielerlei Beispielen illustriert werden, dass die immer wieder präsentierten Angstszenarien jedweder Grundlage entbehren.

Für heute wollen wir nur noch einen Blick auf das werfen, was geschehen kann, wenn die Panikmacher und Apokalyptiker wirklich das Sagen bekommen: In Indien und China wurden – inspiriert von den Horrorszenarien, die in „The Population Bomb“ oder den Berichten des Club of Rome zum Ausdruck gekommen waren – staatliche gesteuerte und teils durch UNO mitfinanzierte Maßnahmen zur „Geburtenkontrolle“ implementiert.

Die vom Staat teils durch Anreize, teils und in aller Regel aber durch Gewalt und Zwang verfolgte Politik, Familien vorzuschreiben, wie viele Kinder sie bekommen dürften, hat nicht nur zu barbarischen Akten wie Zwangsabtreibungen oder Zwangssterilisationen geführt, sondern auch innerhalb der betroffenen Gesellschaften ohnehin bereits von alters her bestehende soziale und geschlechtsbezogene Segregationen verstärkt und modernisiert.

So hat die überdurchschnittliche Tötung weiblicher Föten im Mutterleib im Zuge der „Familienplanung“ – die dadurch bedingt war, dass in Teilen der betroffenen Gesellschaften Frauen ohnehin schon als Menschen zweiter Klasse betrachtet wurden – unter anderem dazu geführt, dass heute in Indien ein Verhältnis zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung von 113:100 besteht.

Das hat zur Folge, dass alleine schon auf Grund der Statistik mehr als jeder zehnte Mann damit rechnen muss, keine Frau zu finden. Von den übrig Gebliebenen versuchen immer mehr, ihrem vermeintlichen Schicksal durch Gewalt entgegenzuwirken. Eigenartigerweise wurde diese Entwicklung in unseren Medien mit keinem Wort thematisiert, als über die widerliche Gruppenvergewaltigung und den Mord an einer jungen Frau in einem Bus in Neu Delhi berichtet wurde. Zwar hat es sexuelle Übergriffe dieser Art in Indien und insbesondere in Neu Delhi immer schon gegeben – allerdings lag beispielsweise die Zahl der gemeldeten Verbrechen dieser Art im Jahr 1971 noch bei 2487 Fälle, während es 2011 insgesamt bereits 24.206 waren. In den 70er-Jahren hatte die damalige Premierministerin Indira Gandhi damit begonnen, in Indien staatliche Maßnahmen zur „Geburtenkontrolle“ einzuführen.

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About Author

Jg. 1973, ist allein erziehender Vater, freiberuflicher Lektor, Lerncoach und Kommunikationsdienstleister. In diesem Rahmen ist er unter anderem Redakteur beim „Deutsch-Türkischen Journal“, Betreuer der Wirtschaftsblogs „Wirtschaft Global“ und der „Blickpunkt“-Reihe aus dem Hause der ADMG Publishing Ltd. (Saigon). Er lebt in Bernburg/Saale.

4 Kommentare

  1. Ich finde das erst das Hungerproblem in der ganzen Welt besietigt werden soll, und dann können wir erst von Ökologie sprechen. Ich glaube das das Loch zwischen den Westen und Osten immer größer wird. Wir leben zu gut, und denken uns immer neue Probleme aus.

  2. Umweltschutz-Gut
    Menschen die im vergifteten Westen leben und Umweltschützer sind- unmoralisch, mit zwei Gesichtern

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