Konvertiten radikalisiert euch…

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Rassismus und Missverständnis sind überall vertreten. Die Stärke und Geduld jedes einzelnen Menschen ist gefragt. Der Kern zu unserem wahren Ich, ist die Liebe in uns, und das ist der Weg zur Lösung aller Probleme.

Ich kritisiere mich selbst und uns alle.

Vorurteile gibt es auf beiden Seiten. Sowohl auf der muslimischen, als auch auf der nichtmuslimischen. So ist es zum Beispiel ein Vorurteil, wenn in Alltagssituationen jemand unfreundlich ist und seine Ablehnung zum Beispiel auf äußere Dinge wie das Kopftuch schiebt. Ist es wirklich das Kopftuch oder lehnt man die Person ab? Andereseits muss sich die andere Seite auch Fragen: Werde ich nur wegen des Kopftuchs kritisiert? Haben wir Muslime nicht selber ein Problem, wenn wir uns selbst nur auf das Kopftuch reduzieren? Kann es denn sein, wenn wir uns sofort diskriminiert fühlen oder immer damit rechnen, dass es vielleicht auch auf unsere Ausstrahlung zurückzuführen ist? Begeben wir uns vielleicht nicht selbst in die Opferrolle und vermitteln die somit unbewusst unserem Gegenüber? Stehen wir nicht genug dazu, dass wir über der Denkweise des „Angreifers“ stehen können? Oder wo hat dieser Reflex seinen Ursprung? Haben wir selbst uns kritisch hinterfragt? Ist es wirklich nur der Islam oder vielleicht generell unsere Gesellschaft, die die Ursache für Probleme ist? Wenn wir in uns gehen, wie oft haben wir selbst erlebt, dass jemand gar nicht anders kann, als freundlich zu sein, wenn wir nur in hartnäckiger Geduld der Freundlichkeit ausharren?

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Dass es Gewalt und Ungerechtigkeit gegenüber Kopftuchträgerinnen und allgemein Muslimen gibt, will ich nicht abstreiten. Aber wenn wir uns selbst darüber aufregen, dass es in den Nachrichten sofort „Islamist“, „Fundamentalist“, „Radikalist“ oder sonst was heißt, ist es dann nicht die gleiche Projektion, wenn wir bei einem Übergriff, bei dem es „zufällig“ um eine Kopftuchträgerin geht, dies ebenfalls auf das Kopftuch reduzieren? Vielleicht ist die Kopftuchträgerin gerade zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen? Natürlich ist das nicht immer der Fall. Oft genug wird eine Person direkt mit Rassismus konfrontiert, wie im Falle Dina Mohammed: http://www.m-media.or.at/gesellschaft/wien-muslimin-im-akh-beschimpft-und-angespuckt/2014/12/12/)

Das ist nur ein Punkt, in dem Unverständnis von beiden Seiten aufeinander trifft. Der andere Punkt ist, dass es so viele Brückenbauer geben könnte. Doch diese verschwinden traurigerweise im Hintergrund.

Die Suche nach Brückenbauern

Wer könnten diese Brückenbauer sein? Ganz genau, die „radikalen Konvertiten“. Viele sind berühmt durch negative Schlagzeilen geworden. Ist es nicht traurig, dass so ein Potenzial für Integration und Toleranz nicht gefördert wird? Konvertierte Muslime können sich sehr gut in beide Seiten hineinversetzen, sowohl in die nichtmuslimische als auch muslimische, denn früher waren sie Nichtmuslime, bis sie sich irgendwann für den Weg des Islam entschieden haben. Sie haben das eine Leben gelebt und leben jetzt das andere. Es ist eine große Lücke in der muslimischen Community, denn die Konvertiten haben keinen bzw. nur sehr wenige Auffangbecken, wenn sie konvertieren. Sie möchten sich in ihrer neuen Religion zurechtfinden, suchen nach Informationen und sind sehr gierig nach Wissen, wie frisch verwandelte Vampire. Könnt Ihr Euch vorstellen, was mit einem Vampir geschieht, wenn er in der „Anfängerphase“ in die falschen Hände gerät oder einfach wild durch die Gegend seine Beute jagt? Vielleicht ist es ein zu krasses Beispiel. Aber ich denke, nur so kann ich allen, die sich nicht in die Situation hineinversetzen können, diese vermitteln.

So ist es des Öfteren, dass Glaubensneulinge zum Internet greifen und sich Internet-Prediger anhören. Von denen sind viele nicht wirklich islamisch-authentisch.

Mir erging es nicht anders. Ich war auch so ein wildgewordener Vampir, der nach Wissen lechzte und immer nur ein Tröpfchen Blut bekam, sodass es einen wahnsinnig machte, da der Durst nach Wissen nicht gestillt, sondern nur noch mehr angeregt wurde. Ja, ich habe mir auch die Videos von den sogenannten „Hass-Predigern“ angeschaut, weil es oft gar keine andere Möglichkeit gab! Weil es in naher Umgebung keine islamische Vorträge auf Deutsch gab! Ich bin wie wild durch das Internet gejagt und habe hier und da etwas gefunden, doch leider anfangs nicht das Richtige. Und das ist mein Appell an die Muslime und zwar an die, die in einer muslimischen Familie aufgewachsen sind:

Hilft Euren Anfängern, damit sie nicht in falsche Hände geraten!!!

Die Suche nach der Wahrheit

Es geht vielen Konvertiten so. Stellt Euch vor, Ihr fangt an, eine Wissenschaft zu studieren. Könnt Ihr von Euch selbst erwarten, dass Ihr von Anfang an alles begreift und nicht etwas missversteht?

Es herrscht ein Mangel an Wissen, ein Mangel an Gelehrten, an islamischen Denkern und Philosophen in deutscher Sprache. Und das ist der Punkt, denn Wissen ist das Licht im Dunkeln. Das Wissen ist die Richtlinie für die Person, die nach Rechtleitung sucht.
Zugängliches Wissen in deutscher Sprache fehlt oder mangelt. Da ist England und Amerika weiter fortgeschritten. Wir sind in Deutschland arm an Wissen. Türken predigen auf Türkisch, Araber auf Arabisch, Bosnier auf Bosnisch usw. Es gibt sehr wenige deutsche authentische Prediger. Das ist eine große Lücke, die gefüllt werden sollte, damit eine Integration, Verständnis, Aufklärung und Beseitigung von Vorurteilen erfolgen kann. Davon kann ich ein Lied singen, da ich jahrelang nach geeigneten Quellen gesucht habe und ständig nur vor die Wand gelaufen bin. Mittlerweile lockert sich das alles. Es gibt auch mittlerweile sehr viel Literatur auf Deutsch. Allerdings ist es da für einen Leihen nicht leicht durchzublicken und jede Infomation ist mit großer Vorsicht zu genießen. Jeder Suchende kann ganz schnell an die falsche Quelle gelangen und von infiltrierten Informationen gefüttert werden. Die Informationen werden falsch weitergegeben und so nimmt der Teufelskreis seinen Lauf.

Es gibt soviel ungeeignete islamische Literatur, die von deutschsprachigen islamischen Gelehrten auf Authentizität überprüft werden sollte, damit falsche Informationen, die evtl. bei der Übersetzung unwissend entstanden sind, vermieden werden. Zumindest muss die richtige Literatur leicht zugänglich und durchschaubar sein, und auf Authentizität überprüft werden. Missverstandenes kann gefährlich werden, wenn Passagen falsch interpretiert werden.

Mut zum Dialog

Wenn ich über Dschihad rede, dann meine ich damit nicht die Leute, die sich in die Luft sprengen, sondern die Anstrengung nach dem Guten in Allerlei Hinsicht erstreben. Ebenfalls müssen wir Muslime Mut haben, über alle Themen zu sprechen. Es bringt nichts, wenn wir uns zurückziehen, damit wir nicht als die radikalen Fundamentalisten dastehen. Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Ich kann nur immer wieder appellieren und dies auch an mich selbst: Auf die Menschen zugehen und mit Geduld und viel Verständnis auf andere eingehen, das ist die Lösung für einen Teil unsere Probleme in der Gesellschaft, und nicht die ewigen leeren Aufregungen über die aktuellen Themen in den 0815-Medien. Leere Diskussionen darüber was RTL & Co. berichten, nützen der Aufklärung nichts. Taten zählen! Der Dialog muss gefördert werden und zwar von beiden Seiten. Was hilft es uns, wenn wir nur herumjammern wie schlecht es uns geht?

Nichts!

Deshlab richtet sich mein Appell auch an die Familien der Konvertiten: Was bringt es Euch, wenn Ihr Euren Sohn oder Eure Tochter verstoßt? Ist sie oder er nichts mehr für Euch wert, weil er oder sie nun einen anderen Glauben hat? Ist Euch bewusst, dass dieser Mensch in so einer Phase völlig allein dasteht und das nur, weil er oder sie Gott für sich erkannt hat? Denkt Ihr nicht, dass Ihr auch einen Teil dazu beigetragen habt, dass die deutschen „Dschihadisten“ auch in Eurer Verantwortung stehen, weil Ihr Euer Kind als Elternteil im Stich gelassen habt? Warum wundern wir uns noch, dass so etwas passiert? Einsamkeit und Verzweiflung solcher Menschen werden von der falschen Seite ausgenutzt.

Die Prävention solcher Radikalisierungen beginnt im Kern eines Menschen und seiner nahen Umgebung, der Familie.

Wie oft hörte ich: „Bin ich froh, dass du nicht so radikal geworden bist und doch nicht vom Teppich abgehoben bist.“

Ja, ich lebe normal und bleibe auf dem Teppich und das 5 mal am Tag.

Konvertiten! Radikalisiert Euch, aber ganz stark und zwar in der LIEBE!

Dieser Beitrag erschien auch bei www.tatjana-rogalski.de

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Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt.
Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert.
„Wenn Du nicht fliegen kannst, renne,
Wenn Du nicht rennen kannst, gehe,
Wenn Du nicht gehen kannst, krieche.
Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen.“ (Martin Luther King)
Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung!
Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

2 Kommentare

  1. Tatjana Rogalski
    Tatjana Rogalski on

    Hallo zurück, um es Ihnen ein wenig verständlich zu machen, so soll es nicht als unhöflich gelten, wenn eine Muslima oder Muslim die Hand nicht gibt. Es ist auch allgemein bekannt, dass das Handeschütteln als unhygienisch gilt, und zwar für beide Parteien. Es ist auch zu unterscheiden, dass das „Versenken“ ihrer Hände in Ihrem Körper eine dringende Notwendigkeit hat, nämlich Sie zu operieren, damit Sie wieder genesen können. Im Falle des einfachen Händeschüttelns ist es nicht notwendig. Es freut mich, dass Sie eine positive Erfahrung machen konnten. Bitte mehr davon 🙂

  2. Hallo, die real praktische Siete wird doch längst gelebt.
    Anlässlich einer Krankheit wurde ich von einer Kopftuchärztin behandelt, die auch
    die Handgegeben hat, aus Reflex bietet man die ja an.
    Soll ja so nicht höflich sein.
    Ich frag mich nur, warum sie mir nicht so ganz die Hand geben will,
    aber als Chirurgin ihre beiden Hände später in meinem Körper versenkt.
    Na als Kompromiss gabs eben keine Hand, wir haben uns stattdessen herzlich umarmt,
    schon für die gute Arbeit.
    Geht doch.

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