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Besonders an stressigen Tagen beruhigen mich die klangvollen Melodien von Med Ziani. Es ist eine Bereicherung und Inspiration für mich, wenn ich schreibe. Um mehr Einblick hinter die Kulissen zu erhalten, bat ich diesen gelassenen Künstler um ein Interview.

Könntest Du Dich kurz vorstellen? Wo kommst Du ursprünglich her? Gibt es eine Geschichte zu Deinem Herkunftsland (Stadt), die Dich bewegt? Oder besondere persönliche Erlebnisse, die Dich geprägt haben? Was magst Du an Deiner Kultur besonders? Welche Speisen magst Du besonders?

Mein Name ist Mohamed Ziani, mein Künstlername ist Med Ziani. Ich komme ursprünglich aus dem Norden Marokkos, aus dem Rifgebiet und gehöre der Kultur der „Amazigh“ an. Mir gefällt besonders die Landschaft, die Natur der Rifzone und die Bescheidenheit und Großzügigkeit der Menschen. Aber zurzeit liegt für mich mein Herkunftsgebiet nicht nur im „Rif“, sondern verstreut an verschiedenen Orten. Seitdem ich in Spanien lebe, fühle ich mich als Teil eines globalen Projekts auf der Suche nach meiner Identität und durch die Musik versuche ich meine Kultur anderen Gemeinschaften näher zu bringen. Wenn ich z.B. deutsche Volksmusik höre versuche ich eine Verbindung zwischen dieser und der amazighischen Musik zu finden. Gleiches gilt in Bezug auf Speisen. Vieles mag ich, ganz besonders die Fusion von verschiedenen Geschmäckern. Mein ideales Menü wäre ein deutscher Kartoffelsalat, ein andalusisher Gazpacho, ein Couscous, türkischer Ayran und Baklawa.

Du lebst in Spanien (Madrid) nehme ich aufgrund Deiner Posts an? Wie kam es dazu?

Ich beschloss nach meiner Schulausbildung ins Ausland zu gehen, um Soundengineering zu studieren. Ich habe einige Zeit in verschiedenen Ländern gelebt (Belgien, Schweden…), aber die meiste Zeit in Andalusien und zurzeit in Madrid und ich schließe nicht aus wieder an einen anderen Ort zu ziehen. Vielleicht ist das mein „Nomadeninstinkt“.

Wann hat Deine Gesangskarriere begonnen? Wie wurde dieser Wunsch danach (also nach dem Singen) in Dir geweckt?

Ich komme aus einer Familie, die, obwohl nicht professionell tätig, sehr viel Leidenschaft und Liebe zur Musik hatte. Ich fing im Jahr 1996 in Marokko mit meiner ersten Band „Sorif“ an und dann in Europa, mit weiteren Projekten („Bybus“, „Jammin‘ Dose“ und das aktuelle „Amazigh Groove Project“). Ich entwickle mich musikalisch immer weiter. Ich spiele mehrere Instrumente, singe sehr gerne aber prinzipiell bin ich Musikproduzent.

Wann kam der sogenannte Aufschwung Deines Bekanntheitsgrades? Wie lange singst Du schon?

Ich singe nun schon seit 1994. Ich suche nicht nach der sogenannten „Bekanntheit“. Das Interesse für meine Projekte begann mit ersten Musikproduktionen in Zusammenarbeit mit bekannten Produzenten in Spanien, aber auch durch verschiedene Projekte die national und international ausgestrahlt wurden. Aber besonders durch eine treue und stetig wachsende Internet Gemeinschaft, die sich mit der Fusion aus moderner Musik und der traditionellen aus dem Heimatland identifiziert… Meine Fangemeinde besteht aus Menschen aus allen Teilen der Welt, viele mit amazighischen Ursprung, viele jedoch auch die diesen Musikstil einfach interessant finden.

Wovon lässt Du Dich inspirieren, wenn Du einen Song schreibst / komponierst?

Mich inspirieren meine verschiedenen Erfahrungen oder die Erfahrungen anderer, die mich umgeben. Bis jetzt habe ich besonders soziale Themen behandelt, deshalb ist die Inspiration für mich eher global zu sehen. Manchmal jedoch bekomme ich die Ideen auch aus persönlichen Geschichten.

Ist es bei Dir so, dass Dir etwas in den Sinn kommt (Reim, Thema, etc.) und Du es sofort notieren musst? Was machst Du, wenn Du gerade nichts zur Hand hast, um es festzuhalten?

In der heutigen Zeit, habe ich eigentlich immer die Möglichkeit alles irgendwie festzuhalten. Früher jedoch versuchte ich tatsächlich mir die Dinge zu merken.

Was ist Dein Lieblingsstück?

Wenn du dich auf meine komponierten Stücke beziehst, ist das schwierig. Das wäre wie unter deinen „Kindern“ das Liebste auszusuchen. Das ist nicht möglich.

Welche Interpreten hörst Du?

Ich höre wirklich Vieles, von Afrikanischer Musik, Musik des mittleren Ostens, Amazighische Musik, Künstler des Worldmusik Genres, bis hin zu den aktuellen Charts. Ich mag die 80er und 90er auch sehr gerne, von Stevie Wonder bis Bob Marley, Terence Trent D’arby oder Aktuelleres wie Ben l’Oncle soul, Zazz, James Blake und spezifisch bezogen auf deutsche Künstler hat mich Xavier Naidoo sehr inspiriert.

Wie gehst Du mit negativen Kommentaren bzgl. Deiner Gesangskarriere / Deiner Person um, sei es in den sozialen Netzwerken oder auch verbal, wenn Du welche liest oder solche mitbekommst?

Musik ist Kunst, und Kunst hängt von der Person ab. Es gibt keine absolute Kunst. Ich versuche immer, dass die andere Person meine Message versteht. Wenn der Kommentar jedoch nicht konstruktiv ist und der Ton aggressiv ist, ignoriere ich diese ganz klar. Ich gehe davon aus, dass es viele Formen des Lernens gibt, jedoch auf Basis von Respekt und einer positiven Einstellung.

Diese Frage stelle ich immer bei Interviews, um einen Vergleich der Erfahrungen anzustellen, was immer sehr interessant ist: Hattest Du rassistische Erfahrungen? Wenn ja, möchtest Du diese mit uns teilen, indem Du sie kurz erläuterst?

In Spanien existiert ein Rassismus der aus Ignoranz besteht. Dieser geht zwar nicht bis zur Xenophobie über, richtet aber denselben Schaden an. Einige meiner Ex-Gruppenmitglieder (2007) z.B. wollten nicht an einem großen und wichtigen Festival in Marokko teilnehmen, weil sie Angst davor hatten, dass das Publikum aggressiv werden würde oder dass ihnen ihr Equipment gestohlen werden würde. Ich bin dann mit einer anderen Formation nach Marokko gereist.
Jedoch habe ich nie eine wirklich, rassistisch aggressive Erfahrung gemacht. Alles hängt von der Connection mit dem Publikum während eines Live Auftritts ab.

Wie siehst Du die Integration in Spanien? Fühlst Du Dich benachteiligt oder voll mittendrin?

Eine der größten Barrieren der Integration ist die Sprache. Ich sprach schon Spanisch bevor ich nach Europa kam und mich interessierte die spanische Kultur. Ich denke die Integration sollte bidirektional sein. Ich habe Menschen getroffen, die sich für meine Kultur interessieren, aber auch solche, denen ich jedes Jahr immer wieder erklären muss, was der Ramadan ist, oder denen ich immer wieder die gleichen Fragen beantworten darf. Die Immigration in Spanien ist noch relativ jung, ich hoffe, dass sich dies in Zukunft ändern wird, wenn es zur 3. Und 4. Generation kommt, wie in Deutschland z.B.

Wie empfindest Du die aktuelle Lage der Muslime in Spanien? Bist Du der Meinung die Lage hat sich zum Positiven weiterentwickelt, ist sie im Rückschritt oder befindet sie sich einfach im Stillstand?

Muslime in Spanien gibt es schon seit langer, langer Zeit und viele davon sind spanischen Ursprungs (z.B. in Granada und Cordoba). In letzter Zeit wurden durch die Medien alle Konzepte des Islams durcheinandergebracht und die Nicht Muslime verwechseln nun die Terroristen mit den Muslimen, mit Arabern, mit Flüchtlingen etc. Es wird sich nicht mehr die Mühe der Identifikation gemacht. Einige Personen vereinfachen das Ganze dann so sehr, dass sie dich als „Moro“ bezeichnen. Die Muslime in Spanien zahlen nun den Preis dieser Konfusion oder Desinformation. In der Gesellschaft wird ein muslimisches Mädchen, das den Hijab trägt wahrscheinlich weniger die Möglichkeit haben einen bestimmten Job zu bekommen (ganz zu schweigen von höheren Positionen). Aber so wie wir verlangen nicht einfach in einen Topf geworfen zu werden, sollten wir dies auch nicht mit den Nichtmuslimen tun. Es gibt gute und schlechte Menschen überall. Wir sollten nicht vergessen, dass Spanien, wie andere europäische Länder, syrische Flüchtlinge aufnimmt, die Muslime sind, im Gegenteil zu anderen muslimischen Ländern.

Möchtest Du evtl. unseren Lesern etwas mit auf ihren Weg geben?

Die individuellen, persönlichen Anstrengungen jedes Einzelnen, werden immer von der Gesellschaft und der Welt reflektiert. Jeder muss das lieben, was er tut. Ich tue dies mit der Musik, aber jeder hat seine eigene Art dies zu zeigen.

Danke für Deine aufschlussreichen Antworten Mohamed. Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Wege.

Vielen Dank für dieses Interview und deine Zeit. Ich bin immer offen dafür, Menschen näher kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, um sich auszutauschen. Wir sehen uns auf meiner Webpage: www.medziani.com

Dieser Beitrag erschien auch bei www.tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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