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Ich mache meine Augen auf und rieche das Leben. Das Leben einer pulsierenden Stadt. Ich stehe auf, verrichte das Morgengebet und sitze über den Dächern von Berlin. Allein. Es ist still und doch lebendig. Befreiend.

© Tatjana Rogalski

Ursprünglich sollte es zu einer Preisverleihung gehen, welche leider abgesagt wurde. Es ist aber dennoch gut so, denn so kann ich mich mehr auf das Leben und die Menschen hier konzentrieren.

© Tatjana Rogalski

Obwohl ich überlegte nicht hinzufahren, landete ich trotzdem dort. Das Ticket konnte ich nicht mehr stornieren, es war viel zu günstig, sodass ich im Falle einer Stornierung so gut wie nichts zurückbekommen hätte.

© Tatjana Rogalski

In letzter Minute

Also packe ich meine Sachen und fahre los. Der Parkplatz am Bahnhof ist überfüllt, und ich werde das Auto nicht los. Typisch! In der Nähe des Bahnhofs ist ebenfalls nichts frei und so fahr ich wieder zurück zum Bahnhofsparkplatz, in der Hoffnung die Ampel leuchtet nicht mehr auf „Besetzt“ und die Schranke hebt sich jetzt.

10.11 Uhr!

„Oh mein Gott! Der ICE ist abgefahren, vergiss es!“ denke ich mir. „Und ich habe ein Parkplatz gefunden. Super! Soll ich jetzt schoppen gehen?“ Nun, ein Versuch ist es noch wert. Also sprinte ich zum Gleisstieg. Eine Gruppe Touristen steht da. Die erste Dame, die mir ins Blickfeld fällt, frage ich:

„Entschuldigen Sie bitte. Ist der ICE schon weg?“

„Nein, er ist in zwei Teile gesplittet worden, weil nicht alle gepasst haben!“, antwortet die Frau.

„Okay,“ denke ich mir. „Alle Wege führen nach Berlin.“

© Tatjana Rogalski

Der Weg und seine Überraschungen

Am Samstag zuvor unterhielt ich mich mit einer Freundin über unseren Weg. Den Weg unseres Lebens.

Wo führt er uns hin?

Wie wird er sein?

Was ziehen wir für Erkenntnisse daraus?

Werden wir unsere Ziele erreichen?

© Tatjana Rogalski

Was sind überhaupt unsere Ziele? Haben wir sie genau definiert?

Wenn wir sie denn genau vor Augen haben, legen wir unsere Messlatte hoch oder ist sie genau richtig?

Lassen wir uns von uns selbst motivieren oder doch demotivieren?

Oder sind es unsere Mitmenschen, die uns daran hindern?

© Tatjana Rogalski

Ignoriere Dein Hirn und fahre nach Berlin

Am Tag der Reise steh ich mir selbst im Weg. Was das menschliche Hirn uns alles vorgaukelt, damit wir schön gemütlich auf der Couch bleiben, ist unglaublich. Nun in der letzten Zeit ignoriere ich einfach mein Gehirn, wenn es mich hindert etwas zu tun, was gut für mich ist. Ich mache es einfach, ohne auf das nervige Gelaber im Hintergrund einzugehen und damit meine ich nicht das Umfeld, sondern mein eigenes Unterbewusstsein! Ich stehe mir im Weg, als ich zum Bahnhof renne, indem ich mir sage „Ach du hast ihn eh verpasst. Geh zurück!“, als ich auf den Zug warte und die Reisetruppe mich kritisch beäugelt, da schiessen mir Fragen durch den Kopf, wie „Glotzen sie mich jetzt an wie ein Auto, weil ich allein hier stehe, weil ich als Muslima hier allein stehe, weil sie einfach nur neugierig sind oder spielt dein nerviges Du dir wieder einen Streich?“ und ich stehe mir im Weg auch als ich in Berlin bin. Ich frage mich, ob ich meine gesetzten Ziele erreichen werde, wenn ich es allein in die Stadt wage. Für manchen mag es eine Leichtigkeit sein, doch für mich, für jemanden, die aus einer Kleinstadt kommt, ist es eine kleine Herausforderung. Mein Ziel ist das Brandenburger Tor. Kein großes Ziel, aber die kleinen Ziele führen uns zu unserem großen Vorhaben, Stück für Stück.

© Tatjana Rogalski

Setze Dir keine großen Ziele

Und wenn Du Dir kleine Ziele setzt und dann dabei ein noch kleineres Ziel „zufällig“ dazu erreichst, dann ist das Glücksgefühl umso größer. Habe ich recht? Und geht es im Endeffekt nicht um das Glück auf unseren Wegen?

© Tatjana Rogalski

Ich sitze zurück auf dem Weg nach Hause im Zug, hole mein iPod hervor und möchte ein wenig dem Gesumme lauschen. Das Gesumme sagt „Battery Low!“ Na super du Schlaumeier. Doch auch das ist gut, denn ich habe noch das Interview mit Abdul Achim Khamouss fertig zu schreiben. Auf das Schreiben habe ich keine Lust. Also lausche ich den Tonaufnahmen des Interviews, welche ich natürlich auch auf dem iPad abgespeichert habe. Und da habe ich schon die Inspiration. Eine Inspiration, in der ich mich mehr zu Hause fühle, als in meinen eigenen vier Wänden. Auch diese ungeplante Überraschung hilft.

Da saß ich nun. Im Zug, völlig erschöpft, aber zu Hause. Es ist auch egal, ob es Berlin, Stuttgart, München, Hamm, Miami oder auch das kleine Dorf um die Ecke ist. Mein zu Hause ist der Islam. Und der Islam ist überall. In meinen Augen. In meinem Sinn.

© Tatjana Rogalski

Mein kleiner Sieg

Mein kleines zusätzliches, zufälliges Ziel war an diesen Tagen die Siegessäule. Es war sozusagen mein kleiner Sieg.

© Tatjana Rogalski

Was ich Euch damit sagen möchte ist, dass wir uns selbst öfter im Weg stehen, als es denn die anderen tun. Es sind am Ende unsere Entscheidungen, wie wir weitergehen. Und zwar immer! Auch wenn wir Kompromisse mit unseren Liebsten eingehen, so treffen wir auch hier die Entscheidung selbst und sonst niemand. Deshalb mache Dir den Weg frei und tritt die Steine beiseite, oder laufe über sie hinweg. Das Leben wartet auf Dich!

Wer weiß was mein nächstes kleines Ziel ist 🙂

© Tatjana Rogalski

Dieser Beitrag erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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