NPD-Verbot: Nazis raus! – Aber wohin?

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Die Diskussion in der letzten Zeit über ein NPD-Verbot beherbergt viele Pro und Contras, welche in etlichen Berichten dargelegt worden sind. Juristische Argumentationen und soziologische Analysen über die Folgen und Gefahren eines Verbotes schienen den Diskurs überwältigt zu haben, doch was vielleicht außer Acht gelassen wurde, war das Faktum, dass Nazis Menschen sind ohne ein „auch“. Wie du und ich. Wie er und sie. Wie ihr und wir. Die simplen Parolen, die populären Slogans über die Dummheit der Nazis bringt das Problem keinen Zentimeter weiter, sondern zwingt den stolzen, jungen, aus der sozialen Unterschicht stammenden NPD-Wähler zur Abschottung, Isolierung von der Gesellschaft aufgrund seines reaktiven Verhaltens. Die Dummheitsbezichtigung hindert einen wahrscheinlichen Dialog des Nazis mit Andersdenken und das Hinzufügen von Fragezeichen in seine Welt der auf Ausrufezeichen und Imperativen basierenden Gedanken.

Rassismus ist keine Ideologie, sondern eine Geisteskrankheit

„Der Rassismus ist kein ideologisches Gedankengut, sondern eine psychische Krankheit“, sagte einst Malcolm X zu Recht über diese Denkrichtung und um diese Krankheit besiegen zu können, benötigt man starke Instrumente bzw. Heilmittel. Es ist auch nicht üblich, einen Autisten zu denunzieren, falls er Verhaltensstörungen aufzeigt oder einem Schizophrenen satirische Bemerkungen über seine vielen Charaktere zu schenken. Nazis sind nicht dumm, sondern krank und die NPD sowie diverse andere „islamkritische“ Sekten sind Stätten bzw. Hochburgen von vielen psychisch Kranken, die versuchen, ihre Krankheit als Ideologie zu verpacken, um auf eine vermeintlich intelligente Präsenz zeigen zu können.

Erwähnen sollte man auch die Sündenbockfunktion dieser Menschen in der gegenwärtigen Situation Deutschlands. Der Neonazismus ist vielleicht der offenste, unverblümteste, jedoch nicht der einzige Rassismus, den wir hierzulande bewundern dürfen. Ein Sarrazin gehört zum Beispiel nicht zu dieser radikal-rechten Szene, ist jedoch im Stande, über die dumme Genetik der Türken und Araber zu schreiben, wo wir das Thema doch eigentlich schon längst abgeschlossen haben müssten. Die alltägliche Fremdenfeindlichkeit ist leider faktisch in der Mitte Deutschlands angekommen und Medien, Presse etc. fungieren als Gatewaydrug für Überfälle auf Migranten und Andersdenkende.

„Türken sind genetisch bedingt dumm!“
„Ist das nicht rassistisch?“
„Nein, wissenschaftlich! Rassistisch ist so etwas wie die NPD!“

Dieser Dialog ist zwar sehr karikaturisiert, aber ein überspitzter Spiegel dessen, was wir heute häufiger erfahren, mitbekommen oder hören. Ein Alkoholiker findet auch immer einen noch stärkeren Alkoholiker, ein Spielsüchtiger einen noch Spielsüchtigeren, um auf diesen mit dem Finger zu zeigen und sich selbst damit in die Welt der Otto-Normalen zu reklamieren. Ein ähnliches Prinzip haben wir im Verhältnis zwischen Stino-Leuten mit rassistischen Einstellungen und der NPD.

Mit den Leuten reden, statt sie nur zu verurteilen

Ich als in Deutschland geborener, zur Schule gegangener, die Uni besuchender Türke wäre auf jeden Fall bereit, den Dialog mit dem Nazi zu suchen anstatt die Politik aufzufordern, deren Partei zu verbieten. Wenn sie mich logisch überzeugen können, kann ich ja vielleicht auswandern, wie sie es sich erwünschen. Eine Isolierung der Anhänger der Partei wird sie in ihrem Milieu jedoch weiter radikalisieren und für noch einen stärkeren Hass gegen die Andersdenken, gegen das System, welches für ihre Illegalität gesorgt hat, sorgen. Eine Integration, auch wenn ich diesen technokratischen Begriff für nicht so produktiv halte, kann auch für diese Menschen bewerkstelligt werden. Ein Dialog muss stattfinden.

Darüber hinaus ist ein NPD-Verbot aufgrund Verbindungen zu der Zwickauer Zelle nicht sehr nachzuvollziehen. Die Zelle hatte auch ähnliche Verbindung zu systemnahen Institutionen, ohne dass jemand deshalb über ein NPD-Verbot des Systems reden würde. Die Politik sollte keine destruktive Zusammenarbeit wie bei den NSU-Morden eingehen, sondern einen konstruktiven Dialog mit der Partei suchen, um die Dogmen in den Köpfen dieser Leute durch logisches, menschliches, gewissenhaftes Überzeugen brechen zu können. Das NPD-Verbot wird sie nur festigen und zu unsterblichen Götzen machen.

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Jahrgang 1987, Student der Soziologie und der islamischen Religionswissenschaft.

3 Kommentare

  1. Ach das klingt schön: wir unterhalten uns mit ihnen und dann ändert sich alles.
    Wenn das so wäre, gäbe es die rechten Parteien nicht.
    Es gibt so viele die mit ihnen reden, Fakten, Tatsachen, Beweise bringen und dennoch führt es nicht zum Ziel.
    Mehr noch: die „Rechten“ wissen das sie selbst lügen müssen um ihr Weltbild behalten zu können. Sie wissen das alle Beweise unter den Teppich gekehrt werden müssen damit ihre Existenz gesichert ist und sie weitermachen können.

    Der Rassismus hat inzwischen Dimensionen angenommen und ist an Stellen zu finden, die bedenklich stimmen.
    Vor einiger Zeit hätte ich noch gegen ein NPD-verbot gestimmt, inzwischen frage ich mich, ob das nicht ein falsches Signal
    ist und alle Hasser und Volksverhetzer sich bestätigt und geschützt fühlen.

  2. saliha balkan on

    ich rede jeden Tag mit latenten Nazis auf der Straße, in der Schule, in den Behörden, an den Unis, im Bus, in der S-Bahn, im Zug, was soll ich noch machen :)))

  3. Ein interessanter Artikel. Auch ich würde mich gerne mit Nazis unterhalten.
    Ich denke, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund den Dialog mit Nazis suchen sollte. Wieso Nazis nicht einfach mal in die Moschee oder in einen Kulturverein einladen auf eine Tasse Tee mit börek? Ich bin mir sicher, dass man sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Ich glaube ich müsste laut loslachen, wenn sich beide Seiten vor allem in Sachen Kritik an Politikern einigen würden…

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