NSA-Affäre: Ziemlich beste Freunde!

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Während sich Innenminister Friedrich und die ehemalige Grünen-Vorsitzende Claudi Gedanken über nicht näher bezeichnete juristische Schritte gegen die USA mit ihrer NSA-Affäre machen, schenkt sich Außenminister  John lachend seinen Whiskey ein und kennt schon den Ausgang des Prozesses. Zuvor hat er selbstverständlich jedem amerikanischen Botschafter zugeflüstert, wie er sich schick zu kleiden habe, da man ihn bald einberufen werde.

Nachdem nun auch feststeht, dass die Kanzlerin bespitzelt wurde, ist Deutschland richtig sauer. In den letzten Jahren wurde schon mehrmals der Datenschutz thematisiert;  neuer Wirbel entsteht nun wieder durch den NSA- Skandal.

Es kommt aber noch schlimmer, denn eigentlich haben ja auch EU-Kollegen wie Frankreich, Spanien und Großbritannien mitgemacht. So schnell wurde das mächtige Deutschland zum Opfer und nun sind alle misstrauisch. Diese Enttäuschung, das Gejammer über den Vertrauensbruch und der ganze Aufruhr seien eigentlich umsonst, meint oberster US-Geheimdienst-Aufseher James Clapper. Denn schließlich hat auch der BND ganz lobenswert mitgearbeitet. So hatte Deutschland den besten Zugang in das „Herz des Internets“. 

Warum Eddie sich tunlichst nicht in Deutschland blicken lassen wird

Jetzt weiß Deutschland auch nicht mehr so richtig: Sind wir nun Opfer oder Mittäter und warum weiß eigentlich kein Staatsoberhaupt von etwas Bescheid? Worauf warten wir eigentlich und wie hat das mit dem NSA-Skandal nochmal angefangen? Ahhhhh, der Whistleblower Edward Snowden. Den gibt es ja auch noch. Der sitzt allerdings in Russland mit Putin und Co. und merkt plötzlich, dass man dort zwar den Verrat liebt, aber nicht den Verräter. Also sagt Grünen-Politiker Ströbele: „Her mit Edward!“ und eine Petition wird gestartet. Friedrich sagt: „Neee, ich will zwar die Info, aber ihn nicht bei mir daheim haben.“  Jetzt fragen wir uns alle: „Sagt Edward in Deutschland oder in Russland aus? Und was sagt er denn genau? Was darf er überhaupt sagen?!“ Denn da gibt es ja noch das Abkommen zwischen Snowden und Russland. Solange er dort sitzt, darf er nämlich nichts tun, was den USA noch mehr Schaden zufügt. Politisch verfolgt wird Edward nun mal nicht, auch wenn die deutsche Empörungsgemeinde das tief drin zu fühlen meint. Das weiß auch Barack, der US-Präsident und seines Zeichens in Ungnade gefallene Messias a.D. des anständigen Deutschlands und hat dementsprechend auch schon einen Auslieferungsantrag gestellt. Das würde heißen: Sobald Eddy hier ist, müsste er auch schon wieder gehen.

„Das ist die Chance!“, denkt sich Kanzleramtschef und Wobo-Basher a.D. „Ich-kann-deine-Fresse-nicht-mehr-sehen“-Pofalla und will die Basis der Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten der USA neu regeln. „Nö!“, sagt John Kerry. Denn dass es ein umfassendes Abkommen gegen die gegenseitige Ausspäherei gibt, ist sehr unwahrscheinlich –aber auch ziemlich ungewollt! Die Lage ist nicht nur angespannt, sondern auch sehr kompliziert, wie man merkt. Anyway, alle Geheimdienste wissen schon Bescheid und hören mit.

Langsam ist aber auch wieder mal gut…

Das Traurigste an der ganzen Sache ist immer noch, dass  wir Deutschen uns ziemlich aufgeschmissen fühlen. Der Bürger ärgert sich zu Hause dumm und dämlich, weiß allerdings, dass er gegen jeden NSA-Trick machtlos ist. Die deutsche Regierung scheint derart verzweifelt zu sein, dass wir noch versuchen, das Glück im Unglück zu suchen. Calm down, es wurde ja nur ein Handy der Kanzlerin abgehört und wir schrauben gerade an dem anderen rum, sodass es abhörsicher ist. Außerdem konnten dadurch ja unheimlich viele Terroranschläge in Deutschland verhindert werden. Hat sich eigentlich an unserem Verhalten bzw. an unserer Denkweise seit dem Skandal etwas verändert? Nö, jetzt wissen wir nur, dass außer unserer Frau, die gerade am Telefon stresst, noch ein paar andere Heinis an der Leitung hängen und sich vermutlich unheimlich amüsieren. Warum uns das nicht stört? Wir wissen ja mittlerweile selbst nicht mehr, wo wir unsere Daten so überall haben liegen lassen und wessen stille Anwesenheit wir in einer unbewussten Telefonkonferenz genießen konnten. Ob da noch die NSA dazu kommt oder nicht –pfff, völlig Schnuppe!

Lange Rede kurzer Sinn: So ganz spannend ist die Sache gar nicht mehr, denn auch wir Bürger wissen, egal wie die Sache ausgeht, zum Schluss vertragen wir uns schon mit den Amis. Am Verhandlungstisch der beiden Nationen wird man sich nicht nur herausreden, sondern auch den ganzen Skandal schönreden. Und ehe wir uns versehen haben, bespitzeln wir gemeinsam die Welt, Hand in Hand, wie es sich für beste Freunde gehört.

 

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About Author

Jahrgang 1992, Studentin der Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim, ehemalige Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung, mündige und selbstbewusste Deutsch-Türkin.

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