Öztürk: „Vir sind doh alle Mänschin, Stefani kızım“

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Liebe Zuschauer und das ist das 3 : 2 für die deutsche Nationalmannschaft gegen die Türkei. Unglaublich meine Damen und Herren. Deutschland besiegt die Türkei in der 92. Minute”. Herr Öztürk schaut Stefanie ärgerlich an. Sie hat nämlich gerade erst eine Wette gewonnen. Demnach wird nun Stefanie eine Woche bei der Familie Öztürk übernachten und den Vater integrieren: er soll Deutsch lernen und Goethes Gedichte auswendig lernen. Am Ende der Woche will sie ihn überprüfen. Und – es darf eine Woche lang kein türkisch geredet werden.

Wo ich bin? Im Wittener Saalbau genieße ich meinen Geburtstag mit meinen Freunden in einem deutsch-türkischen Comedy – Theaterstück namens “Stefanie integriert die Öztürks”. Genauer gesagt ist es Herr Öztürk, der integriert werden muss. Die Mutter hat nämlich schon ihren deutschen Personalausweis…

Auf dieser Bühne treffen zwei Kulturen aufeinander. Zwei Klischeebilder. Stefanie, die Deutsche, die versucht Herrn Öztürk zu erklären, warum es im Deutschen drei Begleiter gibt und Herr Öztürk, der Vater der Familie, der versucht, seine halbwegs geschaffene Autorität zu schirmen.

“Für mich Deutschen haben der, die, das erfunden, damit Türken lernen kein Deutsch. Diese der, die, das machen mich kapütt. Warum Engländer sagen nur “the”. Warum brauch Deutscher drei Artikel, Engländer haben mit eine Artikel ganze Welt herrschen gemacht.” Das ist die Einstellung von Ali Öztürk gegenüber der deutschen Sprache. Er findet sie öde. Ganz einfach. Und Lust, sie zu lernen, hat er schon gar nicht.

Stefanie ist streng. Sie lässt sich das alles nicht gefallen und zieht es bis zum Wochenende durch. Sogar als die Familie des Bräutigams Herrn Öztürk um die Hand seiner Tochter bitten soll, lässt sie keine Gnade. Es muss deutsch gesprochen werden! So sagt der Gast: “Unsere Kinder wollen bisschän heiraten machen.”

Herr Öztürk bemüht sich anscheinend für die Bildung seiner Kinder. Sein Sohn, der Maschinenbauer Hakan – ach ne Barack – soll genau wie Barack Obama deutscher Bundespräsident werden. “Barack Obama ist schwarz. Meine Sohn Barack Hakan ist Schwarzkopf. Gleiche!”

Am Ende wurde es gar sentimental. Mit einer sehr gefühlsbetonten Musik unterstreicht der Gründer der Gruppe Murat Isboga (Herr Öztürk) die Situation der ersten Generation der türkischen Migranten während ihrer Ankunft in Deutschland. Ein bedeutender Abschluss.

Die 580 Zuschauer erlebten lustige Beispiele aus dem Alltag. Auch die Integrationsbeauftragte Claudie Formann bedankte sich recht herzlich für die Einladung.

Herr Öztürk weiß am Ende: “Stefanie kizim (“meine Tochter” auf türkisch), du bist eine woche bei uns machen schlafen. Wir kennen uns jetzt. Siehst du ich keine Probleme haben mit dir. Türken und die Deutschen müssen sich kennenlernen Stefanie, vir sind doch alle Mänschin Stefanie, Mänschin…” Die Zuschauer aplaudieren, jubeln, lächeln…

Ach ja, ob Ali Öztürk am Ende den Test besteht…? Wer weiß… 🙂

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About Author

Studiert Wirtschaftswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Derzeit engagiert er sich an verschiedenen Projekten und Institutionen. Dazu gehören politische Hochschularbeit oder auch ehrenamtliches Engagement in diversen Netzwerken und NROs. Er schreibt als freier Autor für verschiedene Publikationen.

2 Kommentare

  1. Dort war ich schon dreimal. Ich würde ja auch noch zum vierten mal, aber am besten ist es mit jemandem hin zu gehen, der noch nicht dort war….

  2. Ein guter Blog für ein aktuelles Thema – ein Prozess, der wahrscheinlich viel mehr in die Arbeit der fremden Kulturen und Integration.

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