Pädophilie: Was tun mit 250 000 Pädos?!

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Pädophilie ist ein Thema, worüber wir bisher wenig wissen – und im Regelfall auch gar nichts wissen wollen. Das Thema löst bei vielen Menschen sehrstarke emotionale Reaktionen aus, die von Ablehnung und Verdammung bis hin zu Zwangskastrationsvorschlägen oder Mordfantasienreichen können. Berichte von Betroffenen zeigen, dass sogar Psychologen mit dem Thema überfordert sein können und somit eventuell Gelegenheiten verpassen, mögliche Übergriffe auf Kinder zu vermeiden.

Eine wissenschaftliche und nüchterne Diskussion ist aber unerlässlich. Denn mit bloß emotionalen Reaktionen und durch Verweigerung, sich mit dem Thema objektiv auseinanderzusetzen, wird keinem Kind geholfen.

Pädophilie in Deutschland

Laut Statistiken liegt der Anteil der Pädophilen in Deutschland bei ca. 0,7 – 1%, d.h. es gibt ca. 200 000-250 000 Pädophile in der Bevölkerung. Inklusive der Dunkelziffer dürften die Zahlen sogar leider noch viel höher liegen. 

Was istPädophilie?

Pädophilie bezeichnet die sexuelle Erregbarkeit durch das präpubertäre kindliche Körperschema. Unterschiedliche Informationen gibt es in der Literatur in Hinsicht auf das Alter der Kinder. Vorwiegend wird von Kindern zwischen fünf bis 14 Jahren ausgegangen. In erster Linie aber zählt der Entwicklungsstand des Kindes und nicht das Alter.

Personen, die sich von Kindern und Jugendlichen, deren körperliche Entwicklung bereits Merkmale der Pubertät aufweist, sexuell angesprochen fühlen, werdenHebephile genannt. Laut Klaus Beier vom Berliner Universitätsklinikum Charité, sei der Pädophile „für seine Neigung genauso wenig verantwortlich zu machen wie ein Homo- oder Heterosexueller”. Wegen seiner sexuellen Fantasien könne man niemanden verurteilen, auch keinen Pädophilen – eine Aussage, die zwar für nachvollziehbare Empörung sorgt, aber insofern etwas für sich hat, dass bloße Gedanken und Fantasien in einem freien Gemeinwesen noch keine Sanktionen nach sich ziehen können.

Wissenschaftler sind nicht im Einklang darüber, wie hoch der prozentuelle Anteil von Pädophilen unter den Tätern bei Sexualdelikten gegen Kinder ist.

In diesem Zusammenhang ist es aber auchwichtig, zwischen Pädophilie, Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung zu unterscheiden. Denn das Eine ist nicht unbedingt identisch mit dem Anderen. Pädophilie führt nicht automatisch zum Kindesmissbrauch und nicht jeder Kindesmissbrauch wird aus pädophilen Neigungen heraus begangen. Diesbestäigt auch Frau Ursula Enders, die die Beratungsstelle „Zartbitter” in Köln leitet. Neben Kindesmissbrauch ist auch Kindesmisshandlung ein schwerwiegendes Problem worauf Frau Enders in einem Interview mit der Tagesschau aufmerksam macht.

Obwohl die meisten pädophilen Männer im Laufe ihres Lebens übergriffig werden, würden „viele Fälle von Kindesmissbrauch nicht von Pädophilen begangen”. Ausserdem, gäbe es Kindesmisshandlungen etwa zehnmal so oft wie Kindesmissbrauch. „In Deutschland werden pro Jahr ein bis zwei Kinder aus sexuellen Motiven getötet, aber etwa 100 aus nicht-sexuellen Motiven.“ Die mediale Aufmerksamkeit sei im Fall des sexuellen Kindesmissbrauchs jedoch überproportional.

Was tun?

In Deutschland gibt es bereits ein Vorzeigeprojekt mit dem Namen „Kein Täter werden“,das zum Ziel hat,Betroffenen dabei zu helfen, ihrVerlangen und ihr Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt.Erfahrungen aus dem Projekt sollen gezeigt haben, dass „viele Menschen, die durch Kinder und/oder Jugendliche sexuell erregbar sind, motiviert werden können, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.“ Im Laufe der Therapie soll bei einem Großteil der Projektteilnehmer eine Abnahme problematischer Einstellungen erreicht worden sein.

Zusätzlich läuft aktuell eine Studie „Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 21 Mio. Euro gefördert wird.Studien wie diese dürften weitere Informationen liefern, um Präventionsmaßnahmen zu verbessern.

Zum Schluss soll erwähnt werden, dass Projekte wie „Kein Täter werden“ ausgebaut werden sollten und durch Aufklärung zumindest insoweiteine Enttabuisierung des Themas erreicht werdensollte,damit alle Gefährdeten erreicht werden können und allen Beteiligten geholfen werden kann.

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About Author

Die Verfasserin ist geborene Fürtherin. Sie hat ein Abitur vom Dürer-Gymnasium in Nürnberg; einen Bachelor in Allgemeine Geisteswissenschaften und einen Master in Öffentliche Verwaltung vom Western Michigan University. Sie ist im Jahre 1998 in die USA ausgewandert und lebt seit 2011 wieder in Deutschland. Sie sitzt im Vorstand der internationalen gesellschaft für diversity management (idm). Sie hat ihr eigenes Blog (http://diversitygermany.blogspot.de/) wo sie Artikel über Diversity, Anti-Diskriminierung, Chancengleicheit und ähnliche Themen veröffentlicht.

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