Showing 1 of 1

Die Anschläge von Paris sind gerade erst vergangen, da entdecken deutsche Medien die Wirkung von angstmachenden und reisserischen Überschriften. Ein Magazin tut sich da ganz besoders eifrig hervor. Ob das der Sicherheit und dem Vertrauen in die Polizei und andere Sicherheitsorgane dienlich ist, wage ich zu bezweifeln.

Man liest diese Tage viel von geplanten Terroranschlägen, durchsuchte Wohnungen und festgenommenen Verdächtigen. Ganz besonders fällt ein großes deutsches Magazin auf, welches sich noch vor Jahren im TV mit dem Werbeslogan „Fakten, Fakten, Fakten! – und an die Leser denken!“ als überaus seriöses und sachliches Medium anpries.  Mittlerweile buhlt man aber eher mit Polemikschlachten und Angstschürereien um die Gunst des Lesers. Angst mit aufreißerischen Überschriften schüren, ist angesichts der jetzigen, angespannten Lage mehr als falsch und grenzt schon fast an einer Straftat.

Reisserische Überschriften, Triggern von Ängsten

So titelte man unlängst „Die gefährlichste Waffe des IS steht bei euren Kind im Kinderzimmer“. Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten und so bekamen kritisierende Stimmen wie „das ist Angst-Macherei“ oder „hört auf mit dem Polemisieren“ dreistellige Likezahlen auf Facebook. Kein Wunder – „Kinderzimmer, Kind“ mit dem Worten „Islamischer Staat“ und „Waffe“ in einer Überschrift, das lässt aufhorchen! Mütter und Väter fühlen sich verunsichert und wollen wissen, was es damit auf sich hat. Nun, mehr als eine Erwähnung, dass der IS wohl Sonys Play Station für interne Kommunikation nutzt, war dann auch im Artikel nicht zu finden.

Wieder ordentlich Salz in die Wunde! Diesmal gleich Terrorverdacht!

Heute morgen nun erwartete mich die nächste Hiobsbotschaft.
Polizei findet falsche Uniformen und Gasflaschen auf Hotelzimmer heisst es da – und der geneigte Leser klickt ängstlich auf den Link, möchte er ja wissen, was denn da nun wieder los war. Arbeitet man sich dann durch den Artikel, wird das Geschehen immer brisante. Man erwartet gar, mit zunehmender Zeilenzahl, nun endlich die Schießerei und die toten Terroristen des Münchner Hotels! In dem Zusammenhang wird auch ein iranischstämmiger Deutscher erwähnt, aber unterm Strich stellen sich „Gasflaschen“ als „eine Gasflasche für einen Campingkocher“ dar, ein terroristischer Zusammenhang wird durch die Münchner Polizei ausgeschlossen und auch sonst war diese Meldung in fast keiner anderen Zeitung zu finden.

Pressemitteilung der Polizei entlarvt Falschmeldung

So konnte man sich auch auf der Webseite der Polizei Bayerns davon überzeugen, dass hier wieder einmal Polemik ohne Hand und Fuss verbreitet wurde:

Zitat:
„MÜNCHEN. Am Donnerstag, 19.11.2015, rief eine Angestellte eines Hotels im Stadtteil Berg am Laim die Polizei an. Ihr kamen mehrere Gäste verdächtig vor, da sie eine Butangasflasche bei sich hatten.
Im darauffolgenden Polizeieinsatz wurden ein 30-jähriger Iraner und eine 44-jährige Landsfrau kontrolliert. Bei der Absuche fanden sich keine verdächtigen Gegenstände. Abklärungen ergaben, dass die Butangasflasche zu einem Campingkocher gehört und als Kochgelegenheit benutzt wurde.
Drei weitere Iraner, die zu dem Appartement gehören, wurden im Anschluss ausfindig gemacht und zwischenzeitlich ebenfalls befragt.
Nach jetzigem Kenntnisstand war das Appartement zur Familienzusammenfindung angemietet worden. Bei den Personen handelt es sich ausschließlich um Asylbewerber, die der 30-jährige Iraner dort zusammenführte.“

Vermutetes Schüren von Angst um Zugriffszahlen zu erhöhen

Abschließend komme ich hier nur zu einer Vermutung. Hier wird Angst geschürt und Polemik verbreitet um Traffic zu generieren – zum Leidwesen aller! Denn gerade in der jetzigen, angespannten Lage ist es um so wichtiger, besonnen, sachlich richtig und vor allem „objektiv und mit Beweisen bestückt“ zu berichten!

Kommentare

Kommentare

Share.

About Author

Andreas Böckler beschäftigt sich mit den Hintergründen der Entstehung von Hass und Schwarz Weiss Denken und versucht sachlich anhand von für jedermann verständlichen Argumenten für Verständnis und Toleranz zu werben. Aufklärung und unvoreingenommenes Begegnen von Menschen mit diffusen Befürchtungen und Ängsten im Bezug auf Menschen anderer Nationalitäten sind für ihn wichtig. Ausgleich findet er im fotografischen Bereich, vor allem in der Landschaftsfotografie.

Comments are closed.

Die Integrationsblogger