Pharmakogenomik: Ärzte werden zu den Maßschneidern des 21. Jahrhundert

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Foto: Nilson Menezes / CC BY-NC-ND 3.0 (Fotopedia.com)

Der biotechnologische Fortschritt erlaubt es, künftig Kranken exakt auf sie abgestimmte Medikamente zu verabreichen. Aber wo Chancen sind, sind auch Gefahren.

Als im Jahre 1953 James Watson and Francis Crick zum ersten Mal die dreidimensionale Struktur der DNS („Desoxyribonukleinsäure“) per Kristallografie zeigen konnten, haben sich in der Genom-Forschung große Fortschritte getan. Das Genom ist die Gesamtheit der in jeder Zelle verpackten Erbinformation. Nun wussten wir, mit welchen jeweiligen Makromolekülen wir es zu tun hatten und konnten diesen Eigenschaften zuordnen.

Ein weiter Meilenstein war wohl die Sequenzierung des menschlichen Genoms unter dem Namen „Human Genom Project“ im Jahre 2003 und der Leitung von Craig Venter, einem Guru der Genetik. Es wurden drei Milliarden Bausteine der DNS identifiziert und die Sequenz bestimmt.

Welch einen Nutzen haben wir von diesen Erkenntnissen?

Erstens wissen wir nun, welchen Bereichen der DNS eine Funktion zu geordnet werden kann. Dieses Unterfangen wird nicht enden, denn es kommen immer mehr neue Phänomene ans Tageslicht. Zweitens können wir die Änderungen des Genoms unter die Lupe nehmen und den Link zu gewissen Krankheiten erstellen (Disposition). Und hier kommt der Begriff „ Pharmakogenomik “ in den Vordergrund: Die Patienten werden hinsichtlich ihrer genetischen Disposition zu gewissen Krankheiten untersucht und es wird eine maßgeschneiderte Medikation durchgeführt – auch genannt „personalisierte Medizin“.

Ein sehr beeindruckender Fortschritt in der Menschheit: Sie gehen zum Schneider und bekommen ganz nach Ihren Körpermaßen die passende Kleidung. Ein lukratives Geschäft auch für die Pharmaindustrie: Jede kranke Person bekommt seine eigene Medizin, die für andere gar nicht in Frage kommt.

Natürlich wird dies auch in der Bioethik umfangreich diskutiert, ob die Sequenzierung jedes Individuums auch tatsächlich vollbracht werden soll. Hier soll ein Beispiel gegeben werden. Wenn Sie für Ihre Zähne eine Zahnzusatzversicherung machen wollen, dann werden nur die gesunden Zähne mitversichert. Darüber hinaus müssen Sie selbst tief in die Tasche greifen.

Nun mal angenommen, Sie haben Ihr Genom sequenzieren lassen und Ihre zukünftige Versicherung hat dieseInformation erhalten. Nun kann Ihre künftige Versicherung auf Grund Ihrer Disposition zu gewissen Krankheiten, wie z.B. Zuckerkrankheit oder Schizophrenie, Ihnen die Leistungszusage kürzen. Ist dies nun auf genetischer Ebene eine Diskriminierung oder eine Fortschritt in der personalisierten Medizin?

 

 

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Interesse an vieles mit einer anderen Perspektive an Ereignissen. Naturwissenschaftler.

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