Schlachtet das UNESCO-Weltkulturerbe!

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Wer beendet diesen konservativen Wahn? Eigentlich hatte ich immer gedacht, die Republik kippe nach links oder der Liberalismus würde an den Grundfesten unserer Werte rütteln. Nun ist mir klar: Das eigentliche Problem ist die Kultur-Konserve. Der Gedanke kam immer wieder. Heute Morgen, bei den Morgennachrichten verfestigte er sich. Die Kultusministerkonferenz, teilte mir eine um Munterkeit bemühte Stimme im Radio mit, würde Vorschläge für das Weltkulturerbe sammeln. Jedes Bundesland dürfe mal. Und aus Niedersachsen wird nun auch die niederdeutsche Bühne in den Topf der UNESCO geworfen. Also jene putzigen Versuche, eine Zeit im Laienspielkostüm zu bewahren, die Gott sei Dank vorbei ist. Es klingt ja schön, dass jedes Dorf einstmals einen anderen Dialekt sprach. Weniger schön ist die inzestuöse Vorstellung von zerstörten Liebesbanden, die an der Dorfgemarkung ihr bitteres Ende wegen der Engstirnigkeit provinzieller Waldschrate fanden.

Wer stoppt den Welterbe-Irrsinn? Und, was soll das überhaupt sein? Sicher, es ist ganz reizvoll, zu erben. Ein Haus etwa. Aber wer käme auf die Idee, fortan in einem Museum wohnen zu wollen. Ich bin stolz auf mein Vaterhaus, aber es wird in meiner Generation andere Züge tragen. Und ich würde es meinen Kindern geradezu übelnehmen, wenn sie später keine neuen Ideen entwickeln würden. Wie kann man auf die völlig absurde Idee kommen, ein Tal oder einen Berg zum Weltkulturerbe zu machen? So wie in Dresden, wo man sich dann um einen Brückenbau streiten muss. Und wenn das niederdeutsche Theater mit dem Antrag durchkäme, müssen künftige Generationen sich dann im kulturellen Wiederkäuen üben? Warum um alles in der Welt soll der fiese Rattenfänger aus Hameln ein immaterielles Welterbe sein?

Zur Freude der reaktionären Sprachspießer

Vor allem, was soll dann noch kommen? Wie wäre es, wenn man Sprachen in diesen Status verfrachtet? Dann würden sich alle reaktionären Sprachspießer schelmisch freuen, die bei jedem fremden Begriff der Albtraum eines Untergangs des Abendlandes beschwert. Oder soll man vielleicht den Papst zum Weltkulturerbe machen? Der hat immer so drollige Sachen an. Das Urbi et Orbi neben dem Kölner Karneval und der toskanischen Wurst. Und dann darf auch nichts mehr verändert werden. Denn die Kommissare der Erinnerung werden peinlich darauf achten, dass der Deckel auf der Kulturkonserve drauf bleibt. Welche Angst vor Veränderung steckt hinter diesem Wettlauf nach dem amtlichen Prädikat, Liebgewonnenes festhalten zu können?

UNESCO-Weltkulturerbe ist Kampf um Subventionen

Ein Erbe kann man auch ausschlagen. Und das immaterielle Welterbe ist ungefähr so reizvoll wie die EU-Verordnungen zur Krümmung der Banane. Statt Obst aus der Konserve genieße ich lieber frisch geerntete Früchte. Löst die UNESCO-Weltkulturerbe-Schickeria auf und steckt das Geld lieber in lebendige Kulturprojekte auf der Straße! In Wirklichkeit geht es bei der eitlen Jagd nach Ruhm und Ehre doch nur um Geld. Heerscharen von nutzlosen Historikern werden bezahlt, damit die Tourismusbranche Werbeetiketten drucken kann. Statt immateriellen Welterbes könnten wir viel lieber materielle Werte schaffen. Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, einer unterschiedlichen Herkunft und einer neuen gemeinsamen Zukunft. Angst vor der Veränderung lähmt. Konservativ kann man in seiner eigenen Lebensführung sein. Als Masterplan für die Zukunft taugt diese Idee nicht.

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About Author

Andreas Molau

Ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Deutsch, Geschichte und Politik in Göttingen und war acht Jahre lang Lehrer an einer Waldorfschule. Als Publizist und Politiker arbeitete er viele Jahre im extrem rechten Milieu. Im Juli 2012 stieg er aus dieser Szene aus. Seitdem engagiert sich Molau in Sachen Extremismusprävention bei Seminaren, Vorträgen und in Aufsätzen. Heute ist er selbstständig für das Textbüro dat medienhus tätig.

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