Seltsames Delegationsverhalten eines Oberbürgermeisters

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Bildquelle: Jens Bullerjahn | CC BY-NC-ND 2.0 | Überblick auf das Bürgerfest der SPD | Flickr 

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem guten Freund von mir. Wir haben damals zusammen studiert und der Werdegang von uns beiden ist ziemlich ähnlich. Schon damals haben wir uns wirklich sehr gut verstanden. Auch jetzt, nach dem Studium haben wir noch Kontakt miteinander.

Neben seinem Beruf ist er in einem lokalen Verein aktiv. Ein Verein, der damals von „Einwohnern“ (ich habe schon letztens darüber geschrieben, was der Unterschied zwischen einem Einwohner und einem Bürger ist) mit Migrationshintergrund gegründet wurde. Unter anderem bietet diese Nachhilfe/Hausaufgabenbetreuung für alle Kinder und Jugendliche an. Ich hab diese Leute mal besucht. Derzeit werden um die 90 Kinder und Jugendliche betreut, von der Grundschule bis zu den Abiturjahrgängen.

Des Weiteren versuchen diese Menschen, auch im Bereich Kultur etwas zu tun. In diesem Rahmen haben sie letztes Jahr in der Innenstadt ein Türkei-Festival organisiert. Ich war an einem Tag auch dort. Es war voll. Natürlich waren sehr viele türkische Einwanderer dort, aber auch alteingesessene deutsche Bürger. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass insgesamt gut 14 000 Besucher (geschätzt) an den drei Tagen der Veranstaltung dort waren. Dafür, dass es das erste Mal war, dass so etwas stattgefunden hat, war es ein Erfolg. Das Ziel, das sich diese Menschen gesetzt hatten, war eine authentische Selbstdarstellung der türkischen Kultur.

Es heißt doch „Liebe geht durch den Magen“ – und in diesem Fall sollte es wohl lauten: „Dialog geht durch den Magen“. Vielleicht saßen zum ersten Mal einige der türkischen Einwohner neben alt-deutschen Bürgern und haben zusammen etwas gegessen oder sich miteinander unterhalten. Ich denke, dass es auch andersrum so gewesen sein könnte.

Ein Pfarrer hat meinem Freund vor kurzem erst gesagt: „Wir leben schon so lange zusammen, aber leider kennen wir einander immer noch nicht“. Mit so einem Festival öffnet man vielleicht Türen, beseitigt Berührungsängste. Und bei einem Teller Manti kommt man vielleicht ins Gespräch und man merkt dann auch vielleicht, dass man gar nicht mal so anders ist.

Nach der erfolgreichen Premiere soll nun auch der Oberbürgermeister kommen

Wie auch immer: Dieses Jahr sollte das Fest zum zweiten Mal stattfinden. Die Planungen und Vorbereitungen liefen schon seit über 6 Monaten. Ob Mitglied im Verein oder nicht, jeder, der mochte, konnte mit anpacken. Und das taten diese Leute. Jeder war mit „Leib und Seele“ bei der Sache…

Für die Eröffnungsfeier haben diese Menschen nun auch den Oberbürgermeister der Stadt einladen. Da der OB erst vor kurzem gewählt wurde, war es schwierig ein Termin zu  bekommen. Also ging die Einladung schriftlich raus. Auch wenn die Hoffnung gering war, hat man tagelang hoffnungsvoll gewartet. Dann endlich war es soweit. Es kam eine E-Mail. Die E-Mail kam jedoch von der Integrationsstabstelle. Seltsam, dachte sich mein Freund. Die Integrationsstabstelle teilte mit, dass der OB aufgrund von anderen Terminen nicht die Eröffnungsrede halten kann. Gut, vielleicht würde ja nach Rücksprache die Person von der Integrationsstabstelle das Festival besuchen.

Nachdem ich das gehört hatte, dachte ich auch: „Seltsam…“ – Wenn ich jemanden einlade, dann freue ich mich darüber, wenn die Person der Einladung nachkommt. Und wenn nicht, wird diese Person auch einen guten Grund haben. Nun gut, der OB wird vielleicht keine Zeit haben, selbst die E-Mail zu schreiben. Aber was ist mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus seinem Kreis/Dezernat? Wieso wird die E-Mail an eine komplett andere Abteilung weitergegeben? Dazu noch an die Integrationsstabstelle?

Bürger unterschiedlicher Klassen?

Was wäre passiert, wenn der lokale Funkerverein den OB zur Einweihung seiner neuen Räumlichkeiten eingeladen hätte? Wen hätte man dann diese E-Mail schreiben lassen? Auch die Integrationsstabstelle? Oder die Stadtwerke? Na, immerhin sitzen die Funker ja in ihren Räumlichkeiten und sind sowieso nur unter sich. Nur wer ein Funkgerät hat, kann mit denen reden… (Vorsicht, Sarkasmus)

Ganz ehrlich, ich finde es absolut unhöflich und abwertend, was da passiert ist. Gerade zum OB gewählt und dann gleich so ein Fauxpas gegenüber Einwanderern in seiner Stadt. Ok, sein Amtstitel lautet OberBÜRGERmeister. Aber es gibt in dieser Stadt auch genug BÜRGER aus Einwandererfamilien.

Das ist mal wieder #Willkommenskultur_pur.

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About Author

Wurde 1982 in der schönen Stadt Bielefeld geboren, als Sohn eines Fabrikarbeiters, der damals nach Deutschland als Tourist gekommen war, die Mutter kennen gelernt hatte und sich dazu entschloss, gleich hier zu bleiben. Zunächst besuchte er die Realschule, anschließend absolvierte er erfolgreich sein Abitur und in weiterer Folge ging es direkt an die Hochschule in Niederrhein Krefeld. Dort machte er seinen Abschluss als Dipl. Chemieingenieur und arbeitet derzeit im schwäbischen Raum für ein Chemieunternehmen.

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