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Bildquelle und Copyright: Mohamed Yasbah

Es war ein verregneter Tag letztes Jahr im März. Welcher Wochentag es genau war, weiß ich leider nicht mehr. Ich weiß, dass es ein sehr gemütlicher Tag war, an dem ich mit meiner besten Freundin zu einer Benefizgala nach Düsseldorf gefahren bin. Da wir noch etwas Zeit vor der Gala hatten, sind wir in die marokkanische Patisserie, von der sie geschwärmt hat, Msemen essen gegangen. Anschließend schlürften wir Atay, während wir dem Gesang lauschten. Unter den Interpreten war auch Mohamed Yasbah vertreten. Nun vielleicht ist Euch schon aufgefallen, dass ich Interpreten mit tiefsinnigeren Texten höre und es ist auch immer wieder interessant die Sichtweise dieser innerhalb eines Interviews kennezulernen…

Könntest Du Dich kurz vorstellen? Wo kommst Du ursprünglich her? Gibt es einen besonderen geschichtlichen Hintergrund zu Deinem Herkunftsland (Stadt), was Dich bewegt? Oder besondere Erlebnisse, die Du selbst erlebt hast?

Salam und hallo liebe Leser, ich heiße Mohamed Yasbah und komme ursprünglich aus Marokko.
Die Kleinstadt Midar (Marokko), aus der meine Familie stammt, liegt im Norden Marokkos und ist mehr ein Dorf als eine Stadt. Ich bin gerne in meinem Dorf, um der Hektik zu entgehen, da die Menschen dort deutlich entspannter sind und zumeist einen ruhigeren Lebensstil pflegen.

Welche Speisen magst Du besonders?

Ich liebe die orientalische Küche, wie z.B. Pastilla. Ich stehe aber auch voll auf Burger. 🙂

Was magst Du an Deiner Kultur (auch die deutsche Kultur bitte einbeziehen) besonders?

Da ich in Düsseldorf geboren und quasi mit 2 Kulturen aufgewachsen bin und lebe, durfte ich die Vorzüge beider Kulturen kennenlernen und diese auch zu meinem Vorteil nutzen, wie z.B. die unterschiedlichen Sprachen, die ich beide beherrsche. Ich liebe die Disziplin der Deutschen und die gelassene Art der Marokkaner. Die Mischung dieser Kulturen macht mich unter anderem zu dem Menschen, der ich heute bin.

Wann hat Deine Gesangskarriere begonnen? Wie wurde dieser Wunsch danach (dem Singen) in Dir geweckt?

Als kleiner Junge sang ich gerne mit meinen Geschwistern. Meine Familie und Freunde machten mich immer wieder darauf aufmerksam, dass ich mit einer tollen Stimme gesegnet sei. Um ehrlich zu sein, habe ich es selbst nie so empfunden. In der Schulzeit entwickelte ich meine Stimme mit viel Übung und wurde von Mal zu Mal besser. Irgendwann stand ich wegen einer Theater AG auf der Bühne und dies war quasi auch der Start meiner Gesangskarriere.

Wann kam der sogenannte Aufschwung Deines Bekanntheitsgrades? Hat dieser lange auf sich warten lassen?

Ich war in früheren Jahren ein RnB Sänger (moeMusic). Ich performte mit Leuten wie Farid Bang, Eko Fresh etc. und war in diesem Genre recht bekannt. Irgendwann merkte ich, dass dieser Lebensabschnitt nicht das war, wonach sich mein Herz sehnte. Je erfolgreicher ich wurde, desto unglücklicher wurde ich. Die Entscheidung mit der damaligen Musik aufzuhören, fiel in dem gesegneten Monat Ramadan.

Wie es dann zu meinen Nasheeds gekommen ist, war eher rein gestolpert als geplant. Es war zu einem Zeitpunkt, wo die Not in Somalia mehr in den Medien thematisiert wurde. Mein Bruder und ich wollten mit einem Projekt auf die katastrophalen Umstände in Somalia aufmerksam machen und produzierten den Song „Setz die Segel“ und drehten auch ein Video dazu. Die Resonanz war so gut, dass mein Bruder die Idee hatte, mehrere solcher Projekte ins Leben zu rufen. Dies war quasi die Geburtsstunde von mir als Nasheed-Künstler.

Wovon lässt Du Dich inspirieren, wenn Du einen Song schreibst / komponierst?

Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Die Inspiration hole ich mir in meiner Religion, dem Islam. Es gib immer eine Geschichte zu einem Nasheed, wie z.B. bei „Setz die Segel“. Die Umstände, in denen meine Geschwister im Islam leben müssen, nehmen mich (uns) ganz schön mit. Es fiel uns also überhaupt nicht schwer den passenden Sound und Text zu komponieren.
Das Nasheed „Mein Herz“ beschreibt, wie ich meinen Weg gefunden habe.

Ist es bei Dir so, dass Dir etwas in den Sinn kommt (Reim, Thema, etc.) und Du es sofort notieren musst? Was machst Du, wenn Du gerade nichts zur Hand hast, um es festzuhalten?

Wenn wir Mitten in einer Produktion meines Albums stecken, mache ich mir wie besessen Notizen bzw. Sprachnotizen. Dafür nutze ich meistens mein Handy. Mir fallen immer wieder Melodien ein, die ich dann sofort aufnehme. Ich zeige Sie meinem Bruder, der quasi der Songwriter und Regisseur in einer Produktion ist und somit ist das grobe Gerüst eines Nasheeds quasi schon gebaut. Um unsere Ideen und Sounds zu erweitern, arbeiten wir aktuell mit einem erfahrenen Produzenten aus der Branche zusammen. An dieser Stelle liebe Grüße an Marouan 😉

Was ist Dein Lieblingsstück?

Hmm, alle meine Nasheeds sind Lieblingsstücke von mir. Aber es gibt das eine oder andere Nasheed, welches ich mir selber gerne anhöre, wie z.B.: „Mawlaya“, „Hasbi Rabbi“, „Allahuma Salli“ oder „Mein Herz“.

Wie gehst Du mit negativen Kommentaren bzgl. Deiner Gesangskarriere / Deiner Person um, sei es in den sozialen Netzwerken oder auch verbal? Hast Du überhaupt welche? Gibt es darunter auch rassistische Kommentare?

Natürlich gibt es immer den oder die eine(n), der (die) mich für das was ich tue, kritisieren.
Am Anfang meiner Nasheed-Laufbahn fiel es mir sehr schwer damit umzugehen, weil ich nicht verstehen konnte oder wollte, wie Muslime andere Muslime angreifen, sei es auch nur verbal. Ich erhielt auch aus dem Raum Frankfurt von Muslimen Drohungen, dass wenn ich mein Konzert in Frankfurt gebe, ich vor Ort dafür die Konsequenzen tragen werde. Wir schenken solchen Kommentaren, Drohungen etc. wenig Beachtung. Wir werden weiterhin unseren Weg gehen in sha Allah.

Diese Frage stelle ich immer bei Interviews, um einen Vergleich der Erfahrungen anzustellen, was immer sehr interessant ist: Hattest Du rassistische Erfahrungen? Wenn ja, möchtest Du diese mit uns teilen, indem Du sie kurz erläuterst?

Hmm, eine interessante Frage. Ich sage mal „JEIN“. Einige Menschen aus meiner vergangenen Zeit, haben eine recht abgeneigte Haltung mir gegenüber, seitdem ich meinen Glauben mehr praktiziere. Auch bei Facebook hat der ein oder andere „Freund“ die Freundschaft gekündigt, was ich jedoch sehr dankend angenommen habe, da ich Menschen mit Vorurteilen nicht sehr mag.

Wie siehst Du die Integration in Deutschland? Fühlst Du Dich benachteiligt oder voll mittendrin?

Ich kann jetzt nur für mich sprechen, wenn ich sage , dass ich mich schon recht integriert fühle, zumal ich in Düsseldorf geboren bin und auch in der Bundeswehr gedient habe. Natürlich gibt es die eine oder andere Situation, in der man sich benachteiligt fühlt, aber man muss geduldig und tolerant mit diesem Thema umgehen. Es gibt leider nun mal Menschen, die Hass und Rassismus propagieren. Ich nehme da gerne unseren Propheten s.a.w als Beispiel, der Jahrzehnte lang diskriminiert, beschimpft, verfolgt etc. wurde und dennoch war er gütig und geduldig mit ihnen.

Wie empfindest Du die aktuelle Lage der Muslime? Bist Du der Meinung die Lage hat sich zum Positiven weiterentwickelt, ist im Rückschritt oder befindet sie sich einfach im Stillstand?

Nun ich sehe es so, dass wir für unsere Jugend verantwortlich sind und ihnen ein Vorbild in allen Lebenslagen sein sollten.
Sind wir mal ehrlich…. Wenn wir uns unsere Jugend von heute anschauen, die Gansgterrapper nachahmen, dann liegt es doch sehr nahe, dass wir mehr für die Jugend tun müssen. Wir müssen gegenüber der heutigen Musik eine Alternative schaffen.
Wir brauchen mehr Leute, die Nasheeds machen, Projekte ins Leben rufen oder Sozialarbeit leisten, um die Kinder und Jugendliche zu unterstützen und auf sie von der schiefen Bahn abhalten/abbringen.

Woran Arbeitest Du zur Zeit? Wo kann man Dich live erleben? Hast Du neue Nasheeds aufgenommen?

Zur Zeit haben wir viele kleinere Auftritte abgesagt, da wir uns voll und ganz aufs neue Album konzentrieren möchten. Ich habe viele neue Stücke aufgenommen, die kurz vor der Fertigstellung sind. Ende des Jahres soll ein Termin für die Veröffentlichung meines Albums bekanntgegeben werden. Es ist auch geplant, passend zu Ramadan ein Nasheed zu veröffentlichen. In sha Allah klappt das….;)

Möchtest Du evtl. unseren Lesern etwas mit auf ihren Weg geben?

Ich schließe das Interview mit einigen Zeilen aus meinen Nasheeds ab:

„Auch wenn ein Flügel bricht,
Das Schiff zu sinken droht,
Wenn Dunkelheit die Nacht beherrscht,
Und du dich im Labyrinth verirrst,
HALTE FEST AN ALLAH“

Danke Mohamed und viel Erfolg auf Deinem Wege!

Dieser Artikel erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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