UEFA-CL: „Deutschland gewinnt“

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Foto: Arne List / Flickr.com

Leider verlor, nachdem Galatasaray bereits im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden war, auch Fenerbahçe das Europa-League-Duell mit Benfica Lissabon und verpasste den Einzug ins Finale. Kein Grund, traurig zu sein.

Dennoch war diese Saison sowohl für Fenerbahçe als auch für Galatasaray ein historischer Erfolg. Beide Mannschaften konnten sich gegen die besten in Europa beweisen. Solch ein Fazit konnte man im türkischen Fußball in den vergangenen Jahren selten ziehen.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich noch zur Schule ging, in der Saison 1999/2000. Galatasaray spielte im UEFA-Cup und noch vor dem ersten Spiel sagte ich zu meinen Schulkollegen: „Passt mal auf, der türkische Fußball ist nicht mehr wie früher. Die werden ganz oben mitspielen!“. Natürlich wurde ich ausgelacht, aber am Ende der Saison wurde Galatasaray UEFA-Cup-Sieger.

Eigentlich bin ich nicht der große Fußball-Fan. Ich schaue mir sonst nur gerne die Spiele der Nationalmannschaften an. Seien es die der deutschen oder der türkischen Mannschaft. Mein Herz schlägt für beide Teams.

Länderspiele haben eine Aspirin-Wirkung

Für eine kurze Weile können Spiele der Nationalmannschaft die Stimmung im Land stark beeinflussen. Die Mainstream-Medien berichten unentwegt darüber, wenn die Mannschaften ins Viertelfinale, Halbfinale oder Finale kommen. Vor allen Dingen, wenn die eigene Nationalmannschaft die Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft gewinnt, ist es für die jeweilige Nation ein Ereignis, das noch über Tage und Wochen hinweg gefeiert wird.

Viele können sich noch an die Euro 2008 erinnern, als die Türkei gegen Deutschland im Halbfinale spielte. Erinnert sich noch einer daran, was am Anfang des Spiels geschah? Beide Kapitäne verlasen eine Botschaft gegen Rassismus. Diese Message wurde in einer Zeit verlesen, als die NSU-Mordserie noch nicht aufgedeckt und das unselige Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“ noch nicht veröffentlicht worden war. Wir sehen also, dass das Ganze auch einen politischen Effekt hatte.

Bereits während des Spiels ging bei den Zuschauern der Adrenalin-Spiegel hoch. Nach dem Ausgleich der Türkei zum 2:2 kurz vor Schluss schaffte Deutschland im letzten Moment doch noch das Siegtor und den Einzug ins Finale. Die Türken waren stolz auf ihre Mannschaft, da sie Geschichte geschrieben hatte. Das Team hatte insgesamt im Turnier die Herzen erobert. In atemberaubenden Spielen gegen die Schweiz, Tschechien und Kroatien hatten es die „Last Minute-Türken“ bis ins Halbfinale geschafft. Auch in Deutschland herrschte eine Hochstimmung, als es das DFB-Team bis ins Finale schaffte. Aus der Perspektive der Türkei war dieser internationale Prestigeerfolg besonders wichtig, war das Land doch in Aufruhr angesichts der damaligen unglaublichen Enthüllungen im Zuge der Ermittlungen gegen das Ergenekon-Netzwerk, die bis heute noch ein gerichtliches Nachspiel finden. Die Spiele der Nationalmannschaft waren damals wie ein Schmerzmittel für die türkische Seele.

Nicht nur Deutschland gewinnt auf alle Fälle…

Nun ist in Deutschland der Jubel besonders groß. Nach Borussia Dortmund steht nun auch Bayern München im Finale der Königsklasse. Das Endspiel heißt also Bayern gegen Dortmund, erstmals in der Geschichte wird es ein rein deutsches Endspiel geben. Waren in den Halbfinalhinspielen beide Teams überlegen und trumpften groß auf, lieferten die Bayern auch im Rückspiel eine besonders beeindruckende Leistung ab und gelten deshalb jetzt als leichter Favorit für das Finale. Aber für Spannung ist in jedem Fall gesorgt.

Ich weiß nicht, ob Ihr das mitbekommen habt, aber unsere Bundeskanzlerin hat etwas Interessantes auf Facebook gepostet. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass es ihr Profil ist. Sie schrieb nach dem Bayernspiel: „Ich freue mich. Denn eines ist sicher: Deutschland gewinnt.“

Recht hat Sie, denn im Finale stehen zwei deutsche Mannschaften.

Auch wenn Fenerbahçe im UEFA-Cup und Galatasaray in der Champions-League ausgeschieden sind, haben die Türken ihre beiden Mannschaften trotzdem gefeiert. Das sah man sowohl auf Twitter als auch bei Facebook und in anderen sozialen Netzwerken. Vor allem für Fenerbahçe war es ein bislang einzigartiger Erfolg, denn die Mannschaft hatte es bislang nur zweimal in der Geschichte europäischer Pokalbewerbe ins Viertelfinale geschafft.

Es gibt aber für die Türken auch noch einen anderen Grund zur Freude. Sowohl Dortmund als auch Bayern haben deutsch-türkische Spieler im Kader – Nuri Şahin und İlkay Gündoğan starten für den BVB, Emre Can für Bayern. Und für mich als Deutschtürken gibt es doppelten Grund zur Freude.

In diesem Sinne, Frau Merkel, ist eines sicher: „Deutschland gewinnt“ – und die Türken jubeln mit.

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About Author

ist Gründer und Chefblogger der Integrationsblogger und wurde 1977 in der berühmt berüchtigten Dortmunder Nordstadt als jüngster Sohn einer türkischen Familie geboren. Von hier aus unternahm er eine Reise mit ungewöhnlichen Stationen: Er war Sohn, Schüler, Breakdancer, Kickboxer, Kaufmann, leitende Positionen in der Bildungsbranche und hat als PR-Mitarbeiter für ein Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule gearbeitet. Er ist stolzer Familienvater und hat drei Töchter. Diesen Blog gründete ich ursprünglich für mich selbst. Nach einiger Zeit erschien mir die Darstellung nur einer Perspektive dann aber doch etwas zu einfältig, so dass ich andere Autoren einlud, ihre Geschichten zu erzählen. Der Name „Integrationsblogger“ assoziiert die aktuellen Debatten – was ist da spannender, als ein Blog der die bunte Vielfalt seiner Autoren, ihrer verschiedenen Positionen und Erfahrungen widerspiegelt? Unsere Autorenschaft ist multikulturell und multireligiös aufgestellt, wir haben jüdische, christliche, muslimische sowie deutsche und türkische Federn unter uns, doch hat jeder eine individuelle Geschichte, Perspektive und Sichtweise. Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim Verfolgen, Verweilen und Stöbern auf unserem Blog und würde mich über Anregungen und Kritik freuen..!

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