Und wenn ich gar kein Schlachten möchte, Herr Pirincci?

8

Von der Logik des Schlachtens und geschlachtet Werdens

Wo es in Deutschland eigentlich Dialog geben sollte, bestimmen leider nicht selten Rituale das Geschehen. Das mag in anderen Ländern auch so sein und es soll hier nicht unterstellt werden, dies würde nur für den deutschsprachigen Raum gelten. Allerdings beschränken sich meine Leseerfahrungen eben weitgehend auf die Medien meiner Muttersprache. Ein wunderbares Muster der Debattenkultur kann man derzeit auf der „Achse des Guten“ erleben. Das ist ein Blog, für den stilistisch gut verpacktes Pöbeln zum Kennzeichen geworden ist. Das gefällt zuweilen und ärgert in den anderen Fällen. Je nachdem, ob man Subjekt oder Objekt der Berichterstattung ist. Ist man Objekt, wird die Erinnerung wach, dass man seinen Nächsten eigentlich fair behandeln müsste. Im Subjektfall klopft man sich im Regelfall auf die Schenkel und freut sich am politisch unkorrekten Tabuverstoß. So war das unlängst auch bei Akif Pirinçci.

Der hatte einen Beitrag unter dem Titel „Das Schlachten hat begonnen“ verfasst – in der üblichen Weise rabulistischer Übertreibung, die ganz offensichtlich das Lesevergnügen der Nutzer des Blogs anspricht. Seine (reduzierte) These: Es gibt in Deutschland so etwas wie einen Rassismus gegen Deutsche und eine Ungleichbehandlung der Opfergruppen von Gewaltverbrechen. Während Opfer brutaler Gewalttaten wie Daniel S., in dessen Fall die Täter Türken gewesen seien, nicht genug gewürdigt werden würden, wäre es bei türkischen Opfern deutscher Täter genau andersherum. Die Deutschen würden zu Opfern, weil sie sich nicht wehrten. Und da der Rahmentext sich auf die Evolutionstheorie Charles Darwins bezieht, kann man davon ausgehen, dass Pirinçci das Aussterben der Deutschen prognostiziert. Auf diesen Beitrag gab es nun eine Antwort von Tobias Kaufmann. Die These: Pirinçci bediene NPD-Stereotypen. Der Text sei erschreckend, zu scharf und im Übrigen sei die These eine Schlechterbehandlung der deutschen Opfer in keiner Weise belegt. Kaufmann habe viel Verständnis für „Polemik, für Sarkasmus und brutale Metaphern“, aber Pirinçcis Text ginge zu weit.

Und flugs gibt es wieder zwei Parteien im politischen Stellungskrieg des 21. Jahrhunderts, die ein Eiserner Vorhang trennt wie im Kalten Krieg. Was aber, wenn man sich auf keinerlei Seite schlagen möchte? Ich persönlich habe jahrelang Texte von der Art jenes Akif Pirinçcis geschrieben. Die Motivation: Zuspitzung, Verschärfung und der dringende Wunsch, wahrgenommen zu werden. Das geht in Deutschland nur, so das Kalkül, wenn man knapp über die Grenzen des Erlaubten hinausgeht. Der Antrieb: Ein Gefühl der Ungerechtigkeit, dass es eine Schlechterbehandlung der Deutschen gibt. Habe ich deshalb heute Verständnis für Pirinccis Text? Im Prinzip ja, und dennoch halte ich ihn in der Sache und erst recht in Diktion für falsch – so wie im Übrigen 90 % der Texte bei der „Achse des Guten“, die zwar gelegentlich witzig erscheinen, aber fast immer andere verletzen. Wenn man karikiert, sollte man Kabarett machen, dies aber nicht als politische Berichterstattung konzipieren. Weder glaube ich, dass systematisch Deutsche abgeschlachtet werden, noch glaube ich, dass das außer ein paar Irren jemand gut finden würde. Habe ich Verständnis für Kaufmanns Text? Im Prinzip ja, aber dennoch halte ich den Inhalt und erst recht die Diktion für falsch. Nicht jeder, der so etwas schreibt, muss sich gleich der NPD-Nähe verdächtig machen. Statt so eines Pauschalvorwurfes sollte man lieber hinter den Text schauen.

Pirinccis Text orientiert sich an Mustern, die von der NPD bis hin zu Thilo Sarrazin gebräuchlich sind. Da wäre die Frage, warum der Autor das so geschrieben hat. Weil er Rassist ist? Oder ist er kein Rassist und macht sich Sorgen? Oder er ist kein Rassist, hat aber über das Ziel hinausgeschossen und Klischees bedient? Womöglich sollte man ihn einmal befragen, um das rauszukriegen. Tatsache ist, dass es auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs Ängste gibt. Die einen meinen, ein deutsches Opfer wäre nichts wert. Die andere Seite sagt: Der Mehrheitsgesellschaft seien türkische Opfer egal. Das drücke sich etwa an der Weigerung des Münchner Gerichtes aus, türkische Medien bei dem Prozess gegen die NSU zuzulassen. Bei diesem Befund sollte man sich ernsthafte Gedanken über gesellschaftliche Prozesse machen. Wie geht die Gesellschaft insgesamt mit Gewaltopfern um? Wie sieht es mit der Empathie gegenüber Opfern oder gegenüber Minderheiten aus? Es scheint doch ganz offensichtlich so zu sein, dass sich weite Teile der Gesellschaft allein gelassen fühlen. Und das bei einem politischen gewollten staatlichen Betreuungsauftrag von Sozialpädagogen und zertifizierten Fachleuten, die es bisher in der Geschichte dieses Landes noch nicht gegeben haben dürfte. Keine Schule ohne Mobbingbeauftragten, und trotzdem nehmen die Fälle der Ausgrenzung und der Angst immer mehr zu.

Und was ist die Antwort? Ein Streit mit gegenseitigen Schuldvorwürfen. Oder Blogs, wie die „Achse des Guten“, die jeden Tag ein wenig mehr ätzendes geistiges Natron in die Wunden einer Gesellschaft streuen, in der jeder jedem misstraut. An einer Lösung dieser Probleme haben weder Pirincci noch Kaufmann gearbeitet. Statt sich gegenseitig verbal zu beschießen, wenn es um das Leid von Menschen in dieser Gesellschaft geht, sollte man lieber Brücken bauen. Offensichtlich gibt es Menschen, die über die Behandlung des Schicksals eines Daniel S. erschrocken sind. Und ganz offensichtlich gibt es Menschen, die eine fehlende Empathie für die Angst fremdstämmiger Menschen in diesem Land empfinden. Statt sich in den Standpunkten zu isolieren, würde es helfen, den Standpunkt des Anderen einzunehmen und ihn verstehen zu lernen. Mir ist klar, dass solch ein Vermittlungsversuch von beiden Seiten mit dem üblichen Hohngelächter begleitet werden wird. Das ist mir persönlich egal. Ich habe aber keine Lust mehr auf einen Kalten Krieg.

[twitter_hashtag hash=“Pirincci, Nationalstaat, AchsedesGuten“ number=“3″ title=““Tweets für {http://integrationsblogger.de/und-wenn-ich-gar-kein-schlachten-moechte-herr-pirincci/?lang=de}“]

Kommentare

Kommentare

Share.

About Author

Andreas Molau

Ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Deutsch, Geschichte und Politik in Göttingen und war acht Jahre lang Lehrer an einer Waldorfschule. Als Publizist und Politiker arbeitete er viele Jahre im extrem rechten Milieu. Im Juli 2012 stieg er aus dieser Szene aus. Seitdem engagiert sich Molau in Sachen Extremismusprävention bei Seminaren, Vorträgen und in Aufsätzen. Heute ist er selbstständig für das Textbüro dat medienhus tätig.

8 Kommentare

  1. Anonymous on

    Man kann das verlogene Geschriebe dieser linken Szenefreunde nicht mehr lesen bzw. hören. Wer diese täglich vorkommenden Körperverletzungen bis hin zu versuchten bzw. vollendeten Totschlägen durch vornehmlich türkische Jugendliche leugnet, dem kann man nur wünschen, dass er baldmöglichst selbst Opfer dieser ‚Kulturbereicherung wird.
    Ich war Polizeibeamter und kann Herrn Pirincci für seine schonungslose und3 ehrliche Berichterstattung nur danken. Durch Kontakte zu meinen ehemaligen Kollegen der Polizei bin ich immer noch gut informiert, welche Nationalitäten durch ihre Brutalität tagtäglich in der Polizeistatistik erfasst werden! Ich habe mir Pirinccis Buch gekauft und kritisch gelesen. Mein Fazit, es sollte Pflichtlektüre für Jedermann sein!
    Auch meine Kinder wurden vor Jahren bereits Opfer dieser ‚kulturellen Bereicherung‘. Ich frage mich, was haben die Pirincci-Kritiker für ein
    Rechtsempfinden? Wahrscheinlich gar keines. Wer Pirincci kritisiert, dem kann ich nur empfehlen, bei Eintritt der Dunkelheit ALLEINE eine Fußgängerzone entlang zu spazieren. Es braucht gar nicht in einer Großstadt zu sein, da genügt auch ‚Kleinstadtatmosphäre‘. Hauptsache der übliche Türken-oder Migrantenanteil ist vorhanden, dann gibts schnell unverschuldet Ärger incl. blaues Auge oder Zahnlücke, manchmal auch etwas mehr…!
    Für diejenigen Dummschwätzer die mich jetzt infolge Gehirnschwund einen Nazi nennen, nur soviel. Auch ich habe Migrationshintergrund, meine Eltern sind Donauschwaben, kamen in den 50-ern, haben es durch Fleiss zu etwas gebracht, lagen nie dem Staat auf der Tasche und kamen nie mit dem Gesetz in Konflikt. Ich war verheiratet mit einer Brasilianerin, habe 3 anständige Mischlingskinder, welche zwischenzeitlich erwachsen sind und im Übrigen die gleichen Erfahrungen machen, wie ich zuvor schilderte!
    Ich bin viel im inner- bzw außereuropäischen Ausland, spreche 3 Fremdsprachen, wodurch ich mit vielen Menschen dort das Gespräch suche.
    Fazit, man muß sich in Deutschland schämen, wegen unseren Politikern, welche Politik gegen das eigene Volk machen und selbst bei Verstößen gegen das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit, begangen durch Ausländer, die Augen verschließen! Ebenso für so ein linkes Pack. Mir ist kein Volk der Welt bekannt, welches sich seiner Kultur, Sicherheit und seines gesunden Nationalstolzes so widerstandslos berauben läßt.
    Nochmals vielen Dank an die Adresse Herrn Pirinccis für die mutigen und ehrlichen Ausführungen in seinem Buch.

  2. Das Schicksal des Daniel S. mit „fehlender Empathie für die Angst fremdstämmiger Menschen in diesem Land“ in Zusammenhang zu bringen, kann nur einem Waldorflehrer gelingen. Die Verquastheit, Realitätsferne ist wahrscheinlich ebenso Ihrer zuvor begangenen“ rechten“ Verirrung wie nun dem jetzt von Ihnen eingeschlagenen Weg geschuldet. Wo waren Sie denn vorher, was da so verschwiemelt als „rechts“ von Ihnen bezeichnet wird. Eventuell war es die „Sezession“ oder eine Katholische Zeitschrift. Die sind ja nun fast alle bereits „rechts“, da wer nicht „links“ ist, nur „rechts“ sein kann. Wohnen Sie in einem Viertel Berlins, oder in jeder anderen beliebigen Stadt, wo einheimische Menschen ständig von den überlegenen, unsere freiheitliche Ordnung verachtenden „fremdstämmigen“ Mitmenschen provoziert und misshandelt werden. Zum Glück gibt es viele muslimische Mitbürger, die diese Infamie durchschauen. Sie, Herr Molau, bedienen genau diese Muster, die es uns nicht gestatten, zu sagen: „Bis hier und nicht weiter!“

    eitschrift

  3. @ Ilyas Lassos

    Dann beantworten sie doch mal folgende Fragen:

    Wieso ist ein Ausländer, der von Deutschen getötet wurde, automatisch ein Opfer von Rassisten, während ein Deutscher oder Vietnamese, die von Türken ermordet wurden, kein Opfer von Rassisten?

    Wieso wurde bei Beate Zschäpe die Klage „gemeinschaftlicher begangener Mord“ benutzt (obwohl sie nicht an einem Tatort war), während bei den Tätern von Johnny K und Daniel S die individuelle Schuld nachgewiesen muss?

  4. Wenn man anfängt Opfer von Gewalttaten mit Opfern einer rassistisch-extremistischen Terrorgruppe gleichzustellen, hörts auf mit der Logik. Da braucht man diese Personen auch nicht ernst zu nehmen.

  5. An den Hirnzombiebund und so weiter.

    1. Ich bin kein Kamerad.
    2. Tut das nicht weh, wenn man den anderen absichtlich falschversteht?
    3. Wenn ich ihr Geseiere, sorry, Argumentation versuche, zu verstehen, das erste, was mir als Vergleichbar erscheint, sind die Reichsdeutschen mit ihrem Gelaber vom nicht untergegangenen Deutschen Reich.
    4. Wäre es nicht viel einfacher, meine Argumente durch FAKTEN zu widerlegen? Aber damit hapert es ja.

    Aber wie sagte Ayn Rand: Man kann die Realität eine gewisse Zeit ignorieren, aber irgendwann kann man die Auswirkungen der Realität nicht mehr ignorieren. Ich sag nur Schwerer8. (auf der Seite der taz mal als Suchbegriff eingeben. Viel Spaß)

    Ich könnte sie jetzt mal versuchen, ihre Fehlinterpretation meiner Aussagen zu korrigieren, aber damit würde ich nur folgendes erreichen: Nicht den Troll füttern.

    Solange sie dieses kindische Verhalten an den Tag legen, werde ich sie ignorieren. Ich warte nämlich auf eine Aussage von Andreas Molau – falls er denn Mut dazu hat.

    Und ihnen wünsche ich eine ordentliche Begegnung mit der Realität. So wie das Schulkind mit der Jacke (auf PI mal gucken).

  6. Ein weiser Beitrag, Kamerad Lund. Ich bewundere Sie für so viel Durchblick. Es kann natürlich keine NSU-Opfer gegeben haben, bevor es eine rechtskräftige Verurteilung gibt. Denn wenn die Kameraden zum Beispiel freigesprochen werden, leben alle zehn Personen wieder, deren Ermordung man ihnen zur Last legt, nee?

    Und natürlich ist jede Dorfkneipen-, U-Bahn- oder Discoparkplatzschlägerei ethnisch und religiös bedingt. Daran kann nur der Islam schuld sein, denn die Täter sind so tief religiös, dass sie sogar schon Techno-Klubs mit einer Moschee verwechseln. Genauso wie deutsche Hell’s Angels im christlich-abendländischen in den frühen Sonntagmorgenstunden gerne mal Dorfbordelle auseinandernehmen, weil sie am Tag des Herrn keine Unzucht dulden.

    Du hast Recht, Kamerad: Alles für die Weiße Rasse! Aber irgendwie sieht der Pirincci ja nicht ganz so aus, wie man sich einen richtigen Arier vorstellt. Werden denen dann rechtzeitig vor dem Endkampf die Blondierung beim Frisör und die Hautbleichung beim plastischen Chirurgen bezahlt?

  7. Zitat: „und im Übrigen sei die These eine Schlechterbehandlung der deutschen Opfer in keiner Weise belegt“

    Sorry, ich weiß nicht, in welchem Paralleluniversum Herr Kaufmann oder sie, Herr Molau, leben, aber sagen sie mir doch einfach mal bitte folgendes:

    a) wieviel Quadratzentimeter der Titelseite der Bild (welche Schriftgröße) wurden toten Moslems gewidmet
    b) dieselbe Frage auf deutsche Opfer, wie z.Bsp. Torsten Tragelehn, Timo Hinrichs ua gewidmet.

    Laut ihrer Meinung dürfte es da keinen Unterschied geben, aber ich kann mich nicht erinnern, dass Torsten Tragelehn auch nur EIN Quadratzentimeter der BILD Titelseite gewidmet wurde.

    Und weiter: Den, lt Bundesantwaltschaftlichen Ermittlungen, Opfern der NSU wurde, BEVOR die Schuld auch nur gerichtlich festgestellt wurde, eine ordentliche Entschädigung + Strassenbenennung usw zuteil.

    Haben die Angehörigen oben genannten deutschen Opfer ebenfalls eine solche Entschädigung + Strassenumbenennung erhalten?

    Wie stehen Sie zu der Aussage des Innenministeriums, dem Herr Pistorius vorsteht:

    Nachfrage von mir: »Aber wenigstens könnte doch der Innenminister der Familie von Daniel S. sein Beileid aussprechen.«
    Die Antwort des Pressesprechers: »Es gibt so viele Fälle dieser Art.« Aus diesem Grund werde man auch dies nicht tun.

    Haben Sie das gelesen? ES GIBT SOVIELE FÄLLE DIESER ART.
    Der Satz ist entlarvend.

    Aber träumen sie weiter ihren schönen Multikultitraum. Aber vergessen sie nicht Hartwig Pruske, der gesagt bekam, das man ihn zusammenschlage, weil er eine Kartoffel sei. Egal ob Antifa oder Nazi – Kartoffel ist Kartoffel.

    Erinnert an George Lincoln Rockwells: „In the final battle, the colour of your Skin will be the colour of your uniform.“

Die Integrationsblogger