Verinnerlichter Rassismus—Der „Onkel Tom“ in uns

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Bildquelle: Brainbitch | CC BY-NC 4.0 | Demo gegen Rassismus und Ausgrenzung in Hamburg

„Verinnerlichter Rassismus ist das bewusste oder unbewusste Akzeptieren von rassistischen Einstellungen der dominanten Kultur, von Stereotypen und Vorurteile gegenüber einer ethnischen Gruppe. Es führt dazu, dass Mitglieder der betroffenen Gruppe (Minoritäten) im Einklang mit den Vorurteilen denken, fühlen und sich so verhalten, dass dies zur Diskriminierung, zum Kritisieren, zum Fehler finden und Hassen der eigenen Gruppe (sich selbst) und gleichzeitig zum Wertschätzen der dominanten Kultur (ihre Unterdrücker*) führt.”

Dies sagt die Fachliteratur über das Phänomen des verinnerlichten Rassismus aus.

In einem Gespräch mit Peter Voss hatte Frau Necla Kelek behauptet, dass „der Islam, so wie er ist, […] nicht ein Teil Deutschlands” sei, „aber die Muslime vielleicht […].”
Es sei dahingestellt, dass Frau Keleks Aussage schon rhetorisch wenig Sinn macht. Wie sollen zwar die Menschen, die einer Religion angehören, „ein Teil Deutschlands“ sein, ohne dass aber auch ihre Religion „ein Teil des Landes” sein soll?

Frage, ob Islam zu Deutschland gehört, setzt bereits eine gewisse Feindseligkeit voraus

Auch inhaltlich macht die Infragestellung, ob eine anerkannte Religion zu Deutschland gehört, wenig Sinn. In der Form, wie diese Frage im Allgemeinen diskutiert wird, setzt sie bereits eine gewisse Feindseligkeit gegenüber dem Islam voraus. Etwas anderes wäre es zum Beispiel, wenn diese Auseinandersetzung auch das Christentum, Judentum und andere Religionen einschließen würde, was aber hier nicht der Fall ist.

In den vermeintlich überlegenen „westlichen Gesellschaften“ mit einer „demokratischen Grundordnung”, die Frau Kelek immer wieder hervorhebt um die Überlegenheit der deutschen gegenüber „islamischen“ Werten zu betonen, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass alle Religionen dazu gehören.

Zwangsassimilation von Muslimen?

Aus den vielen Aussagen von Frau Kelek, wie in diesem Interview, geht deutlich hervor, worum es ihr eigentlich geht: die Ausgrenzung von Menschen, die sich zum Islam bekennen; eine Einstellung, die eindeutig auf rassistischem Gedankengut basiert. Frau Keleks Aussagen klingen oft so, als wenn sie am liebsten eine „Zwangsassimilation“ einführen möchte, die sie dann als „gelungene Integration” bezeichnen würde. Ob so oder so: Egal wie „gut“ sich die Menschen „Islamischen Glaubens“ assimilieren, für Menschen wie Frau Kelek wird es niemals genug sein, denn das eigentliche Problem liegt woanders…

Wenn die Unterdrückten sich auf die Seite ihrer Unterdrücker stellen

Fragen wir uns doch, warum Menschen wie Frau Kelek einer Kultur oder einer Religion, die immerhin auch ihre eigenen Wurzeln ausmachen, so feindselig gegenüberstehen können.

Eine Erklärung kann das Phänomen Verinnerlichter Rassismus (Englisch internalized racism oder internalized oppression) liefern. Ein Gebiet, in dem bisher leider nicht viel geforscht wurde, das aber ein wichtiger Aspekt und Konsequenz von Rassismus ist.

Was ist verinnnerlichter Rassimus?

Auch Betroffene können Stereotype und Vorurteile gegenüber der eigenen „Gruppe“ (unbewusst) annehmen und sie verinnerlichen. Das heißt, sie können rassistische Einstellungen gegen Menschen einer „Gruppe“, zu denen sie selbst gehören, entwickeln; sie können dieser Gruppe feindselig gegenüberstehen und sie diskriminieren. Da Rassismus auf einem willkürlich konstruierten „Wissen“ beruht, das wenig mit Logik zu tun hat, sind derartige Reaktionen von Betroffenen nicht ungewöhnlich.

Wie Betroffene mit ihrem verinnerlichten Rassismus umgehen, bleibt ihnen überlassen. Da verinnerlichter Rassismus aber ein Phänomen ist, das Betroffene eventuell nicht selbst erkennen können, wäre eine gesellschaftliche Aufklärung von größter Bedeutung.

Unterdrückung der Frau dem Islam eigen? –Frauen zur Führung des Haushaltes verpflichtet; Ehemann kann die Stelle seiner Frau kündigen

“§ 1356. (1) [1] Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. [2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.”

Ungleiche Behandlung und Unterdrückung der Frau ist ein weitverbreitetes Phänomen, das seit Jahrhunderten auch in Westeuropa existiert. In Deutschland, zum Beispiel, war eine Frau bis 1977 zur „Führung des Haushalts verpflichtet“ und erwerbstätig durfte sie nur sein, wenn dies mit ihren „Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war.

Auch die Benachteiligung der Frau in Glaubensbüchern ist nicht dem Islam eigen, sondern betrifft zum Beispiel auch das Christentum und das Judentum. Von entwürdigender Behandlung von Frauen in säkularisierten Gesellschaften ganz zu schweigen. Wenn man Religionskritik in Hinsicht auf die Benachteiligung der Frau betreiben möchte, ist deshalb angebracht, entweder alle Religionen einzubeziehen oder gar keine. Den Islam, besonders im derzeitigen, besonders feindseligen politischen Klima ständig hervorzuheben, als ob dieser etwas „Besonderes” in dieser Hinsicht wäre, führt zur Ausgrenzung von Menschen, die sich zu der Religion bekennen; sprich, ist rassistisch.

Gleichberechtigung durch Aufklärung anstatt Ausgrenzung

Benachteiligung der Frau ist ein über Jahrhunderte hinweg in vielen Gesellschaften konstruiertes und aufrechterhaltenes Phänomen. Der Status quo kann aber durch intensive Aufklärungsarbeit und progressive Gleichstellungspolitik verbessert werden.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Ziel, das von allen Seiten erkämpft werden muss, ohne das Thema zu ethnisieren und in rassistisches Gedankengut zu verfallen.

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*Die Begriffe „Unterdrückte“ und „Unterdrücker“ wurden hier von der Fachsprache übernommen und sollen in diesem Artikel auf keinem Fall auf einen Opferstatus von Betroffenen hinweisen.

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About Author

Die Verfasserin ist geborene Fürtherin. Sie hat ein Abitur vom Dürer-Gymnasium in Nürnberg; einen Bachelor in Allgemeine Geisteswissenschaften und einen Master in Öffentliche Verwaltung vom Western Michigan University. Sie ist im Jahre 1998 in die USA ausgewandert und lebt seit 2011 wieder in Deutschland. Sie sitzt im Vorstand der internationalen gesellschaft für diversity management (idm). Sie hat ihr eigenes Blog (http://diversitygermany.blogspot.de/) wo sie Artikel über Diversity, Anti-Diskriminierung, Chancengleicheit und ähnliche Themen veröffentlicht.

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