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Alleine deswegen sind wir alle Menschen – Von Hochmut und Ehrfurcht 

Nur weil wir lügen und unseren Eigennutz wahren. Das Bedürfnis, zu überleben, stillen wir mit jedem Schritte auf dem Pfade zur Unsterblichkeit, lernen tun wir es schon im Kindesalter, indem wir nach rechts und links und dann wieder nach rechts schauend die Straße überqueren, denn das Leben zu schützen, insbesondere das eigene Leben zu schützen, ist die erste Regel auf diesem Hunderennplatz für Menschen. Denn damit wir weiterhin Knochen jagen, uns gegen andere als Hunde verkleidete Zweibeinige durchsetzen können, ist das Atmen eine erste Bedingung. Ob der Knochen schmeckt oder er das Recht eines anderen war, ist primär gleichgültig. Nur die Lebenden bekommen etwas vom Knochen, verschachtelt als Kuchen, ab. Vielleicht lecken wir an ihm, schenken ihn unseren Kindern, nachdem wir ihn im Mund wie die Vogelmutter die Würmer beißend tragen, bevor wir uns an diesem Knochen die ersten Krankheiten holen, transportieren und inhalieren. Humanistische Parolen sind eine Idee der Unwahrscheinlichkeit, eine Utopie, für die es zu kämpfen nicht lohnt, denn Humanisten kämpfen nicht, weil sie auch geradewegs pazifistisch sind. Sich einer Idee unterzuordnen, ohne für sie den Kampf angesagt zu haben, ist auch ein gutes Manöver, den Knochen zu sichern, also das Leben, also das Atmen. Man wird den Kampf nicht bekämpfen können, denn mit jeder Bekämpfung wird ein neuer Zyklus des Kampfes in Gang gesetzt, ohne dessen Reiz der Mensch die wahnsinnige Ehrfurcht nicht genießen kann, wobei gerade ja das Heilige, dieses ominöse Gefühl der Seelenexistenz den monotonen, grauen Menschen wieder an etwas glauben lässt. Keiner wird mir erzählen können, dass er ohne Ehrfurcht vor etwas oder jemandem lebt. Keiner hat den Mumm, das Gefühl der Ehrfurcht zu verleugnen, welches wir gerade für unser Überleben brauchen.

Unsere Fähigkeit zur Ehrfurcht macht uns aus

Deswegen sind wir Menschen. Nur Menschen. Lebten wir fern der Häfen der Ehrfurcht, würden wir unsere kleine Seele, die ja, wie man erzählt oder munkelt, so viel kleiner sein soll als jedes Atom, als dass wir es mit dem heutigen dumpfen Verstand wahrnehmen können, mit Hochmut füllen, sodass diese nicht mit nackten Augen, perfekt hergestellten Mikroskopen wahrzunehmende, kleine Seele wieder zu sehen ist aufgrund des ekelhaften Bedürfnisses im Menschen, wahrgenommen zu werden. Es ist nichts Schlimmes beim Stillen dieses Bedürfnisses. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Jedoch ist die kleine Seele in jedem Menschen eine Büchse der Pandora, ein kleinstes der noch unter den kleinsten Geheimnissen stehenden Geheimnisse. Sie dann, mit einem laienhaften Schauspiel ausgeschmückt, oder besser gesagt unausgeschmückt, mit einem ungesunden Ego zu füllen und aus der ungesehenen, wunderschönen, kleinen Seele einen Brocken der Hochmut zu basteln, spricht gegen die Ästhetik des schönsten Geschöpfes Gottes. Der übertriebene Hochmut innerhalb der uns von Gott geschenkten Seele ist ein Akku-Bohrschrauber in einem Garten voller Lilien, Tulpen und Rosen, der auch noch zufälligerweise nach Schweineexkrementen riecht. Ein Akku-Bohrschrauber, der in diesem Garten die Rosen durchlöchert, den Geruch der Tulpen mit seinem Ekel überbietet und den Lilien die artistische Pose stiehlt, indem er mit all seiner funktionierenden Motorik, seiner Effizienz eines Thomas Müllers die frühlingsvorhersagende Schönheit der schönen Blumen eines Zinedine Zidane durchbohrt.

Der Hochmut verursacht Risse, Löcher, unwahre Existenzformen in unserer Seele; der Verstand ist akzeptabel, denn alles, was man versteht, kann man auch reparieren, doch die Seele steht über dem Verstand, sodass sie nicht zu verstehen ist, woraus resultiert, dass sie nicht reparierbar ist. Ich stehe in der Mitte. Ich weiß nicht mehr wohin. Ihr auch. Er auch – Der da, mit dem bescheidenen Blicke -, sie auf jeden Fall. Schaut mal hin, wie hoch sie die Nase trägt, obwohl die Spitze nach Süden zeigt. Die beiden Männer im ekstatischen Gewande – für unsere Augen verloren oder gefunden in der Selbstlosigkeit -, spielen nur eine Rolle so gut, dass wir sie für wahr halten. Ach, welch großer Teufel uns innewohnt. Wenn ich wüsste, welche Schritte den Akku-Bohrschrauber nähren. Auch im schönsten Rot der Rose, im grünsten Grün der Wiese, in jeder kleinen, großen Metapher, in dir oder mir, bei der Beschreibung der Vögel, im Gebet vor dem Schöpfer, bei der Hilfe für das Geschöpf steckt das Potenzial dieses uns zerfleischenden Hochmutes.

Würdet Ihr den Einen auch ohne das Paradies ehren?

Ich bitte euch. Ich flehe euch an! Bin ich denn alleine in diesem Wirrwarr der Augendienerei, bei diesem ewigen Kampfe gegen mich selbst, gegen mein Selbst? Kämpft ihr noch, seid ihr schon befreit oder seid ihr gar schon unterlegen? Selbstlos ist keiner, das ist mir bewusst, doch was ist mir unbewusst? Oh, Gläubige: Würdet ihr euer Haupt vor dem Einen mit Respekt verbeugen, wenn dabei kein Paradies, kein Reich Gottes zu gewinnen wäre? Eine Hilfe ohne Applaus. Eine Hilfe, ohne das Bedürfnis, applaudiert zu werden. Ich erhebe meinen Stift gegen… Gegen was eigentlich? Gegen mich selbst, der doch eigentlich ein so ordentlicher Mann ist oder gegen die Feinde der Menschheit? Vielleicht bin ich einer der Teufel und mein Werkzeug ist das Blei. Zwar nicht in der Flinte, aber doch als Stift. Was ist mit den Teufeln, die behaupten, mit dem Bleiwasser sich selbst aus den Körpern von anderen vertreiben zu können? Blei, Blei, Blei. Vielleicht das wichtigste Element. Der vorherige Satz wurde gebaut, um meiner These Kraft zu schenken. Meine These! Meine Meinung! Meine Gedanken! Die anderen? Nein! Sie sind mir zu dumm! Mein Teufel ist zu stark. Meine einzige und stärkste Hoffnung liegt darin, Gottes Großartigkeit in mir selbst gegen mich selbst, gegen mein Selbst, gegen meinen eigenen, persönlichen, manchmal mit mir selbst zu verwechselnden Teufel zu fühlen. Es liegt auch vielleicht daran, dass ich dem Teufel in der letzten Zeit viel zu viel Futter gebe. Dafür schenkt er mir Hochmut.

Rassismus ist nichts anderes. Die Worte sind aber jetzt nicht aneinandergereiht, um am Ende das Ganze unter dem Thema des Rassismus zu beenden. So barmherzig gehe ich mit dem Leser nicht um. All die geschriebenen Teuflischheiten in die Schuhe des Rassismus schieben und jeder Weltmensch sei befreit von all dem Hochmut und er führe ein Leben in Selbstlosigkeit. So einfach geht das leider nicht. Der hier erwähnte Rassismus ist nur eine Metapher und natürlich, auch eine Ansage an jeden Rassisten da draußen – Inzwischen ist jeder zum Rassisten seiner innigsten, seelischen Rasse geworden -, der sich in seiner Haut höher fühlt als andere: Ihr seid dumm, denn wir sind Rassisten unserer eigenen Seele. Wir sehen unsere einzige, aufgrund ihrer Kleinartigkeit große Seele höher als alles andere. Ihr braucht noch Zeit, bevor ihr an diesem Rassismus ankommt. Es kann aber auch sein, dass ihr einfach in der Einfachheit eures Hochmutes, was alle Gutmenschen Rassismus nennen, so einfach krepiert, ohne jemals einen Gedanken an den wirklichen Kampf eurer Seele gewidmet zu haben. Ich neige gar nicht dazu, meinen Stift zu erheben gegen solch einen billigen Rassismus – Seht, wie hochmütig ich wieder geworden bin, doch man beachte auch, dass der Hochmut gegen den Hochmut selbst die gleiche Funktion des Almosens hat – und erteile euch hiermit die Aufgabe, euch an den Rassismus der Seele anzuhaften, um sie aus euch hinaustreiben zu können.

Befreie uns von unserem Hochmut

Alleine deswegen sind wir alle Menschen, weil wir egoistisch in unserem Egoismus sind, eigennützig sind und immer auf das jenseitige Paradies hoffend.

Wer seinen Feind auf dem Schlachtfeld besiegt, auf dem gleichen Schlachtfeld einem kleinen, blinden, gehbehinderten, unschuldigen Mädchen das Leben rettet, sein Haupt gegen den Feind erhoben, vor dem Einen niederbeugt und den Sieg mit all seiner Leidenschaft feiert, ohne einen einzigen Funken Hochmuts zu besitzen, hat es geschafft, doch auch wenn er es geschafft hat, besteht weiterhin die Gefahr, den Hochmut des Geschaffthabens in sich geboren zu haben.

Alleine deswegen sind wir alle Menschen. Nur Menschen. Fleisch, Blut. Tier.
Doch die kleine Seele in uns ist ein Zeichen für die große Seele: Gott. Aber sie ist auch ein Zeichen für den Hochmut. Was machen wir nun?

Alleine deswegen sind alle Menschen.

Oh, Herr: Bitte schenke mir eine Geschichte mit einem Ende, wo ich mein Haupt vor dir verbeuge, aufrichtig und im Einklang mit all deinen Liedern, Schriften. Ein Ende, wo meine kleine Seele befreit ist vom Akku-Bohrschrauben des Teufels. Helfe mir, denn ich werde mit all dem Hochmut nicht selbst fertig.
Helfe mir, denn alleine deswegen bin ich nur ein Mensch.

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Jahrgang 1987, Student der Soziologie und der islamischen Religionswissenschaft.

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