Vorhaut-Poet Ulf Dunkel und die Neue Völkische Erbauungslyrik

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Bei den Grünen müsste man gewesen sein – das geht mir bei der Causa Ulf Dunkel durch den Kopf. Dunkel, der mir bis dato nur als Anbieter effizienter Software für meinen Mac aufgefallen war, ist neuerlich in die Schlagzeilen geraten, weil er dem alternden Günther Grass nachstrebt und Verse schmiedet. Inhalt seiner gleichsam üblen wie schlechten Knittelverse ist die Beschneidungsthematik: „Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied. Kinder können sich nicht wehren, darum müssen sie uns ehren.“

In einem weiteren Poem wendet er sich direkt an die Juden in Deutschland:

„Warum ist euer Herz so kalt gegen eure Kinder? Warum ist es so verloren an eure Religion?“,

fragt er und antwortet selbst:

„Arschlöcher seid ihr alle, blinde Fanatiker“.

Der Hobbydichter wollte bis vor kurzem noch in den niedersächsischen Landtag, der bald gewählt wird, und zwar auf dem politischen Fahrschein der Grünen.

Nachdem die antisemitischen Gedichte nun in der öffentlichen Meinung sauer aufgestoßen sind, räumt Dunkel Fehler ein und entschuldigt sich. Er habe sich nicht so gut ausgedrückt. Dass die Zeilen allerdings nicht im poetischen Affekt geschrieben worden sind, das dokumentierte umgehend der Blogger und Publizist Tobias Raff, der in verschiedenen Kommentaren des grünen Kandidaten eine Haltung Dunkels dokumentiert, die ich sonst eher aus der NPD kenne.

Hinter dem „Sondergesetz“ (Anspielung auf das Dritte Reich) für die Beschneidung stünden „Kräfte“, die „gegen den gesunden Menschenverstand arbeiten“. Im Jargon der Pastörs-NPD wäre das die „jüdische Hochfinanz“. Abraham, auf den sich die großen Weltreligionen, das Judentum, das Christentum und der Islam berufen, sei senil und verwirrt gewesen. Der Publizist Stefan Laurin spottet: „Die deutsche Schuld in Anführungszeichen zu setzen sollte auch bei Grünen in Cloppenburg zum Nachdenken führen, aber wahrscheinlich wäre es für Dunkel problematischer, wenn er sich für den Autobahnausbau einsetzen würde.“ Nebenbei bemerkt: Bei der NPD setzt man das Wort Holocaust auch in Anführungszeichen.

Mit einer kurzen Entschuldigung ist die Sache für die Grünen nun scheinbar erledigt. Dunkel selbst spricht von einer „Hetzjagd“ und geht auf seine eigenen Aussagen gar nicht erst ein. Augenscheinlich sind NS-Verwirrungen, Rassismus oder Antisemitismus in etablierten Parteien ein harmloser Betriebsunfall – ob es sich nun um die antisemitischen Ausfälle der Linken in NRW handelt, um Edmund Stoibers Warnung vor der „durchrassten Gesellschaft“ oder eben jetzt die Rassen-Rabulistik von Dunkel, der sich in seinen Auslassungen auch, was die Beurteilung Amerikas angeht, mit einem Udo Pastörs messen kann. Die USA hätten, in Anspielung auf den weltweiten Terror, es nicht anders verdient, „als dass die Unterdrückten irgendwann reagieren.“

Derweil übt sich der Enttarnte bei Facebook, das er wie in der rechten Szene zu „Gesichtsbuch“ eindeutscht, in starker Rhetorik:

„Durchsage an alle rechten Faschos, Nazis, Ewiggestrigen, Reaktionäre und Vollpfosten, die meinen, in der Beschneidungsdebatte hier auf irgendeinen ,Ulf-Dunkel-Zug‘ aufspringen zu müssen:

Hier gibt es keinen Zug zum Aufspringen. Und schon gar nicht für euch. Kriecht wieder unter euren Stein und fangt an, euch zu bilden und zu informieren. Oder geht aussterben.

Hier gibt’s nur mich und mein Fahrrad. Und in der Fahrradtasche steckt das Grundgesetz, sonst nichts.“

„Oder geht aussterben…“? So wie die „Arschlöcher alle“ und „blinden Fanatiker“? Vielleicht sollte Herr Dunkel das Grundgesetz nicht nur in der Fahrradtasche haben, sondern gelegentlich auch einmal darin blättern. Denn der „Kampf gegen Minderheiten“ und ihre Gewohnheiten ist nicht Bestandteil der Grundrechte. Und seine „Durchsage“ könnte auch ganz schnell bei ihm selbst landen. Andererseits passt Dunkel auch zu den Grünen: Eine Partei, die anderen Menschen fortwährend ihren Lebensstil aufzuzwingen versucht (umweltbewusst leben, Kampf gegen das Rauchen und vieles mehr…), kann einfach nicht aus ihrer Haut und möchte eben auch Juden und Muslimen erklären, wie sie ihre Religion zu praktizieren haben. Bei den Grünen scheint das gebilligt zu werden.

Und der Gedanke, ich hätte wie Baldur Springmann oder andere Rechte eine Karriere bei der Umweltschutzpartei probieren können, ist schon reizvoll. Aber nur auf den ersten Blick, denn auf den zweiten meldet sich meine Vorliebe für das Preußentum und Friedrich den Großen, der auch Juden und Muslimen in seinem Staat Religionsfreiheit gewährte. Und der mahnte, dass jeder nach seiner Façon selig werden möge.

 

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About Author

Andreas Molau

Ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Deutsch, Geschichte und Politik in Göttingen und war acht Jahre lang Lehrer an einer Waldorfschule. Als Publizist und Politiker arbeitete er viele Jahre im extrem rechten Milieu. Im Juli 2012 stieg er aus dieser Szene aus. Seitdem engagiert sich Molau in Sachen Extremismusprävention bei Seminaren, Vorträgen und in Aufsätzen. Heute ist er selbstständig für das Textbüro dat medienhus tätig.

16 Kommentare

  1. Dann schreiben sie mal mit vier Fingern auf der Schreibmaschine oder bewerben Sie sich damit auf eine Stelle als Bürokraft! Dann dürfte es klar sein, warum das hier etwas anderes ist.

    Abgesehen davon, dass das kein Elternteil machen wird und wenn, dann höchstens solche ohne religiöse Wurzeln, die deshalb jedem Modetrend hinterlaufen, weil ihnen niemand beigebracht hat, Nein zu sagen.

    Eine kleine Anmerkung habe ich aber noch zu dem Irrglauben, das im GG verankerte Recht auf körperliche Unversehrtheit würde den Staat verpflichten, Beschneidungen zu verbieten: Dem ist nicht so. Der Staat darf nur nicht selbst Beschneidungen durchführen oder in sonstiger Weise auf den Körper von Individuen einwirken. Eine freiheitliche Verfassung schützt nämlich den Bürger vor der Macht des Staates und nicht Kinder vor ihren – gegen die Vorstellungen der „Volksgemeinschaft“ verstoßenden – Familien.

    Also ist es Sache der Ausübung des Sorgerechts, Kinder taufen, beschneiden, tätowieren, Fußball spielen, einen Karatekurs machen oder auf Bäume klettern zu lassen. Und das ist auch gut so. Get over it.

  2. @ Rogler

    Auch die männliche Beschneidung hat, wie viele andere Rituale wie z. B. die chtistliche Taufe auch, heidnische Wurzeln.

    „Dem Kind müsste, um eine staatliche Intervention zu rechtfertigen, entweder a) eine Einschränkung des Gebrauchs des betroffenen Körperteils drohen oder b) eine Verminderung von Heiratschancen auf Grund ästhetischer Beeinträchtigung.“

    Wo wäre bei ihnen denn da mal eine Grenze, was das elterliche Recht zur chirurgischen Ausgestaltung des Körpers ihrer Kinder betrifft?

    Eine Hand mit 4 Fingern (ohne den kleinen Finger) wäre doch auch mal schick! Die Funktionalität dürfte nicht beeinträchtigt sein, und im geeigneten Milieu könnte das bei der Partnerwahl ein Vorzugsmerkmal sein. „Die Zeit“ hat uns ja im Zuge der Debatte darüber aufgeklärt, dass unser Konzept von einer 5-fingrigen Hand doch nur ein Phantom ist!

    Und es gibt viele beschnittene Männer, die sehr wohl mit einer qualitativen „Einschränkung des Gebrauchs des betroffenen Körperteil“ leben müssen. Menschliche Sexualtät hat nämlich mit viel mehr als der „grundsätzlichen Funktion“ zu tun, wir sind doch keine Zuchtkarnickel, die sich gelegentlich zu Fortfpflanzungszwecken übereinander werfen.

  3. @Gabriele Childs

    „Zensur: Unterlassen Sie bitte Beleidigungen gegenüber anderen Kommentatoren. DIB – Redaktion“

    …….

  4. Das Einzige, was hier „verstümmelt“ ist (sobald dieses Wort fällt, beende ich jede Debatte über das Thema „Beschneidung“), ist wohl das Gehirn der Säkular-Taliban.

    Es gibt in keiner Weltreligion eine Rechtfertigung für Beschneidung von Mädchen, allenfalls kulturelle Relikte aus heidnischer Zeit, die sich gehalten haben. Dass dies nicht durch das Erziehungsrecht gerechtfertigt ist, ist also nachvollziehbar. Ich könnte hier auch eine Statistik raussuchen über Verletzungen beim Fußball – da dürften einige mehr und einige gravierendere auftauchen. Also müssten sich Eltern dann wohl auch von humanistischen Blockwarten und staatlichen Gerichten genehmigen lassen, ihre Kinder zum Fußball zu schicken. Sorry, aber alleine schon das zeigt, wie grotesk das Anliegen der „Stümmelschwänzchen“-Eiferer ist.

    Dem Kind müsste, um eine staatliche Intervention zu rechtfertigen, entweder a) eine Einschränkung des Gebrauchs des betroffenen Körperteils drohen oder b) eine Verminderung von Heiratschancen auf Grund ästhetischer Beeinträchtigung. Fakt ist, dass Juden und Muslime öfter heiraten, sich weniger oft scheiden lassen und mehr Kinder haben als die leitkulturelle „Volksgemeinschaft“.

    Also um das zum Ende zu bringen: a) Es geht Euch nichts an. b) Die Sache ist durch den Bundestag entschieden. c) Wem es nicht passt, kann nach Nordkorea gehen. Zumindest solange Kim Jong-Un seinen angekündigten Reformkurs noch nicht umsetzt.

  5. Herbert Stieff on

    Ich kenne von Herrn Dunkel nur sein „Gedicht zur Abschaffung der Menschenrechte für Jungen“, das er ja auch in seinem Blog veröffentlicht hat. Das finde ich zwar auch nicht so gelungen, aber inhaltlich zutreffend. „Arschlöcher“ kommen darin keine vor.
    Ein Arschlöcher-Gedicht habe ich bisher auch nirgendwo finden können, sondern immer nur zitierte Zitate von zitierten Zitaten. Bevor ich mich dazu äußere, hätte ich halt gerne die Originalquelle gesehen. Könnten Sie freundlicherweise mal einen Link zum angeblich 2. Poem setzen?
    Danke.

  6. Gabriele Childs on

    Ich bin gegen genitale Verstümmelungen.
    Christian Rogler „Sie haben nur kein Recht, Eltern zu kriminalisieren, die dies aus welchen Gründen auch immer machen. “

    Fakt ist:
    – Eltern die ihre weiblichen Kinder aus welchen Gründen auch immer TYP 1A beschneiden wollen, es gibt sogar religiöse Gründe, werden kriminalisiert.
    – Eltern beschneiden ihre Kinder genital, weil sie z.B. persönlich für sich selbst beschnittene Genitalien hübscher finden. In solchen Fällen kann von einem Fetisch gesprochen werden.
    – Das jetzt erlassene Gesetz erlaubt es Eltern auch aus diesem, für mich verwerflichen Gründen, ihre männlichen Kinder zu beschneiden.
    – Männliche Kinder sind nun in Bezug auf ihr Genital Eigentum der Eltern.
    – Jeder einzelne Unfall bzw. die Folgen einer verunglückten Beschneidung, ist einer zuviel. Hier mit Prozentzahlen zu rechnen ist ein Versuch das Leid des Einzelnen kleinzureden.
    – Das Fachwissen über Sinn und Zweck der männlichen Genitalien wird ignoriert.
    – Studien aus einem Land (USA) wurden Zugrunde gelegt in dem die Pharmaindustrie diese abgeschnittene Rohmaterial aufbereitet und unter anderem zur Herstellung in Antifaltenmitteln oder von Kunsthaut weiter verkauft. Profiteure sind die beschneidenden Chirurgen die doppelt verdienen, einmal an den Eltern und dann beim Verkauf an die aufbereitenden Firmen.

    Vergessen wurde auch der Unfall der alles ins Rollen brachte. Ein muslimischer vierjähriger Junge der für den Rest seines Lebens unter den Folgen einer medizinisch nicht indizierten Operation leiden darf.

  7. Es steht Ihnen selbstverständlich frei, über wessen Motive auch immer wie zu spekulieren – die Gedanken sind frei. Ich weiß auch nicht, welches Motiv sich tatsächlich hinter der vorgeblichen Sorge um das Wohl fremder Kinder verbirgt. Bei den Lea-Sophies wie in Köln oder Schwerin sehen die gleichen Leute, die sich so für jüdische und muslimische Bräuche interessieren, komischerweise nie hin. Aber das ist ja dann nicht so das Problem, wachsen diese doch im Rahmen der „Leitkultur“ auf.

    Entscheidend ist: SIE werden von niemandem gezwungen, Ihre Kinder (falls sie überhaupt welche haben) beschneiden zu lassen. Sie haben nur kein Recht, Eltern zu kriminalisieren, die dies aus welchen Gründen auch immer machen.

    Ich weiß nicht, wer in welchem Zusammenhang sich in der Richtung geäußert haben soll, die Kommentatorin Susanna angesprochen hat – ich hoffe, dass die Betreffenden dabei nicht auch noch in der gleichen Weise wie Ulf Dunkel den wehrlosen vierhebigen Trochäus geschändet haben -, aber selbstverständlich geht es hier nicht darum, Beschneidungsgegners nahezutreten. Es geht nur darum, vor deren „Bewusstseinsarbeit“ in Ruhe gelassen zu werden.

    Es ist völlig selbstverständlich, dass Eltern im Rahmen ihres Sorgerechts auch Entscheidungen treffen dürfen müssen, die den Körper des Kindes betreffen. Andernfalls müsste auch jeder Fußballverein seine Nachwuchsabteilung schließen oder dürfte man Kinder nicht mehr auf Bäume klettern lassen, ohne dass ein staatlicher Blockwart dafür seine Zustimmung geben müsste.

    Wer möchte, dass Deutschland – nachdem das Albanien Enver Hoxhas 1990 in sich zusammengefallen ist – das zweite Land in Europa wird, das den Atheismus zur Staatsreligion erhebt, sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass dies nicht geschehen wird.

  8. Gabriele Childs on

    „Zensur durch DIB-Redaktion – Unterlassen Sie bitte unangebrachte Anmerkungen zum Autor“

    ……..

    — Die Welt ist nicht schwarz weiß, sie ist bunt. 😉
    Der Beginn der Demontage des GG, bzw. die Aushöhlung der Menschenrechte scheint dem Schreiber entgangen zu sein… wie auch Christian Rogler.
    Warum sich Menschen das Recht nehmen am Körper von/des Anderen etwas abzuschneiden kann viele Hintergründe/Abgründe haben. Das wissen nur die Befürworter allein, denn in die Köpfe kann keiner schauen. Bei den Ärzten daneben durchaus finanzielle Aspekte denkbar. Die Gedanken sind frei.
    Wie man gut sehen kann, was nicht gefällt an Kommentaren wird zumindest bearbeitet. Das erwarte ich auch von meinem Kommentar. 😉
    „Zensur durch DIB-Redaktion – Bitte auf den Inhalt eingehen und nicht auf den Autor“

    ……..

  9. Auch wenn ich Eltern, die ihre kerngesunden Kinder an den Genitalien operieren und ihnen einen Teil der erogensten Körperzone abschneiden lassen, niemals wohlwollende und liebevolle Motive absprechen würde (nein, meine Schwiegermutter ist kein Arschloch und auch alles andere als kaltherzig), ist mir Ulf Dunkels Gedicht dennoch tausendmal lieber als die Beiträge der vielen anderen, die in den vergangenen Monaten intakte Jungen und Männer wahlweise als schmutzig, katrationsverängstigt oder als spirituell völlig minderwertig diffamieren oder sogar zur Zwangsbeschneidung prominenter Befürworter für das Recht auf körperliche Unversehrtheit für alle Kinder aufrufen durften.
    Soweit ich weiß, hatte das bei niemandem berufliche Konsequenzen.

  10. Christian Rogler on

    Danke für die unverblümte Selbstenttarnung. Kinder sollen also nicht nach der Façon ihrer Eltern selig werden können, sondern allein nach der Staates, denn der weiß besser, was für sie gut ist, als die eigenen Eltern – darum geht es der neuen deutschen „Volksgemeinschaft“ doch! Deshalb auch Buschkowsky und Sarrazin mit ihren Forderungen nach Zwangskitas für Einjährige, deshalb das plötzliche Interesse der „Aufgeklärten“ an den Kindern anderer Menschen. Man will die uniforme Gesellschaft, in der „Integration“ zum Codewort für Gleichschaltung und Zwangsassimilation umgedeutet wird.

    Der Wutbürger will endlich seine Genugtuung für die verlorenen Weltkriege, für die Erinnerung an Auschwitz und dafür, dass jetzt auch Dunkelhäutige und Menschen mit anderer Muttersprache zum Stadtbild gehören. Unter dem Banner des „Man wird doch wohl noch sagen dürfen“, „Man wird doch wohl noch […] kritisieren dürfen“ usw. stilisiert man sich zum Opfer fremder Mächte und vermeintlicher dunkler Machenschaften (USA, „Großkonzerne“, „Ostküste“, „Islamisierung“ usw.) und fordert seinen Anteil ein – wenn „die“ schon alle hier sein müssen, dann sollen sie sich gefälligst „anpassen“ und so werden wie „wir“.

    Im Unterschied zu Andreas Molau sehe ich dabei auch schon das Alte Preußen als Teil des Übels, das sich durch die jüngere europäische Geschichte zieht, das seine fürchterlichen Höhepunkte in Nationalsozialismus und dem weltweiten Export der „säkular-humanistischen“ Gleichschaltungsideologie des Kommunismus gefunden hat und das heute in der wutbürgerlichen, verordneten und zwanghaften „Religionskritik“ eine vergleichsweise harmlose Erscheinungsform gefunden hat – denn perspektivisch werden die gealterten, nachwuchslosen und krisengeschüttelten Alt-Europäer nicht mal mehr die Substanz haben, um allfällige Beschneidungs-, Kopftuch- oder andere Verbote überhaupt effektiv durchzusetzen.

    Sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass jüdisches und islamisches Leben hierher gehört und nicht mehr weggehen wird, denn die Religionsfreiheit und Elternrechte sind keine vom Staat großzügigerweise verliehene Gnadenrechte, die man nach Belieben einschränken und aufheben kann, sondern vom Schöpfer selbst verliehene Rechte, die nicht der Disposition durch den Staat unterliegen. Eben ein Teil des „Pursuits of Happiness“, wie es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heißt. Das 20.Jahrhundert mit HJ und FDJ ist vorbei, get over it! Und die beste Form, „Religionskritik“ zu betreiben, ist, die Religion, die einem nicht gefällt, eben einfach nicht zu praktizieren. Alles andere, was friedlich praktiziert wird, geht den Staat und die „Volksgemeinschaft“ aber nichts an.

  11. ///Hinter dem „Sondergesetz“ (Anspielung auf das Dritte Reich) für die Beschneidung stünden „Kräfte“, die „gegen den gesunden Menschenverstand arbeiten“. Im Jargon der Pastörs-NPD wäre das die „jüdische Hochfinanz“.///

    Mal abgesehen davon, daß ich Pastörs & Co. niemals abnehmen würde, daß ihnen das Wohl der Kinder jüdischer und muslimischer Eltern am Herz liegt – wo ist der Zusammenhang zwischen „Kräften, die gegen den gesunden Menschenverstand arbeiten“ und der „jüdischen Hochfinanz“? Daß hier ein Sondergesetz vorliegt ist offensichtlich – die Bestimmung, daß in den ersten sechs Lebensmonaten ein Hobbychirurg das Kind beschneiden darf, ist den Eigenheiten eines religiösen Gesetzes geschuldet.

    „Zensur Aufgrund Beleidigung – DIB-Redaktion“
    ……………
    ……………
    ……………

    ///Denn der „Kampf gegen Minderheiten“ und ihre Gewohnheiten ist nicht Bestandteil der Grundrechte.///

    Es sei denn, diese Gewohnheiten verstoßen gegen Grundrechte wie etwa die Beschneidung von Kindern (bei Mädchen gibt es zum Glück da mittlerweile einen Konsens, daß der Staat dagegen vorgehen muß).

    „Zensur Aufgrund Beleidigung – DIB-Redaktion“
    ……………
    ……………
    ……………

    ///Aber nur auf den ersten Blick, denn auf den zweiten meldet sich meine Vorliebe für das Preußentum und Friedrich den Großen, der auch Juden und Muslimen in seinem Staat Religionsfreiheit gewährte. Und der mahnte, dass jeder nach seiner Façon selig werden möge.///

    Nach seiner – und nicht nach der seiner Eltern.

  12. Tobias Raff on

    Hinweis: philmus ist ein Troll 🙂 er spamt schon seit geraumer Zeit meinen Blog mit Kommentaren voll oder versucht es zumindest. Ignorieren. 🙂

  13. Nun hat er aber nicht per se „Juden“ Kälte gegen ihre Kinder vorgeworfen, sondern explizit allen, die ihre Kinder beschneiden lassen. Das kann man kritisieren und dagegen argumentieren, aber es „antisemitisch“ zu nennen, heißt, die Diskussion als solche als „antisemitisch“ abzuwürgen.
    Vor Allem sagt es erst mal überhaupt nichts über Herrn Dunkels sonstige Haltung zum Judentum und anderen Religionen, zumal es anscheinend auch Juden gibt, die die Beschneidung (vor Allem an Minderjährigen) nicht für so zentral für ihren Glauben halten, daß sie unverzichtbar wäre.
    Ja, die “Hinterfragung religiöser Normen” „den Betroffenen zu allererst selbst überlassen“, das heißt, es dürfen nur noch Juden über alttestamentarische Glaubenssätze debattieren? Bitte, der jüdisch-christliche Monotheismus ist eine der Grundlagen unserer Kultur, und jetzt darf darüber nur noch kritisch gesprochen werden von – Gläubigen?
    Es geht für mich an dieser Stelle auch garnicht darum, Position zu beziehen gegen Beschneidung, sondern um die Zukunft des religionskritischen Diskurses, wenn die Auseinandersetzung mit in bestimmter Hinsicht antitraditionalistischen Positionen nicht nur mit dem Vorwurf des „Antisemitismus“ verweigert, sondern ein Mensch, der eine solche Position bezieht, tatsächlich politisch ins Abseits geschossen wird.

  14. Christian Rogler on

    Ich bin auch befremdet – allerdings über Ihre mangelnde Kenntnis der Systematik des Grundgesetzes. Dieses kennt eine Religionsfreiheit, dieses kennt ein elterliches Erziehungsrecht, dieses kennt ein Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung – und genau dies steht dem Ansinnen autoritärer und paternalistischer Etatisten entgegen, die sich das Recht herausnehmen wollen, Kinder vor der religiösen Überzeugung ihrer Eltern und vor einem Aufwachsen in religiösen Traditionen schützen zu müssen.

    Das Grundgesetz definiert Deutschland nicht als „säkular-humanistischen“ Weltanschauungsstaat. Und was die „Hinterfragung religiöser Normen“ anbelangt, sollte man diese den Betroffenen zu allererst selbst überlassen. Entgegen der offenbaren Annahme von „Humanisten“ machen sich nämlich auch jüdische und muslimische Eltern und Familien Gedanken, was für ihre Kinder das Beste ist und in Relation haben gläubige Menschen auch mehr Kinder als Atheisten, weshalb man davon ausgehen kann, dass sie in der Erziehung von Kindern auch mehr Erfahrung haben.

    Juden „Kälte gegen ihre Kinder“ vorzuwerfen, bleibt auch dann antisemitisch, wenn man dem Urheber der Äußerung zugute halten will, dass dieser alle anderen Gläubigen – außer Atheisten – gleichermaßen hasst. Insofern ist auch die NPD eine wirkliche Avantgarde hinsichtlich der gerechten Verteilung ihres Hasses auf alle Bevölkerungsgruppen, die nicht zur ethnisch und kulturell homogenen „Volksgemeinschaft“ zählen. Vielleicht würde Ulf Dunkel die Synthese zwischen dem „arteigenen“ Heidentum der dortigen Schrumpfgermanen und dem „arteigenen“ Säkular-Humanismus der Aufklärungsfundamentalisten ja tatsächlich befördern helfen… 😀

  15. Ich kann es garnicht fassen, daß Sie hier dabei mithelfen, den Kinderrechts-Anmahner Ulf Dunkel als Antisemiten zu denunzieren.
    Wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie konkret in seinen Äußerungen Religionskritik finden und eine große Portion Fassungslosigkeit ob der Entscheidung der deutschen Politik, dem Recht auf Religionsausübung einen höheren Stellenswert einzuräumen als dem kindlichen Recht auf körperliche Unversehrtheit. Natürlich kann man in die Frage, welche Kräfte hinter einer solchen Entscheidung stehen, als antisemitsch verdächtigen. Man kann aber auch auf dem Teppich bleiben und einem Menschen zugestehen, daß er mit der Ohnmacht angesichts einer solchen Bankrotterklärung des laizistischen Staates hadert. Die „jüdische Hochfinanz“ jedenfalls haben SIE bemüht, genauso wie Pastörs Rassenrabulistik“. Und das „geht aussterben“, daß sich auf die Ewiggestrigen bezog, mit denen auch Sie Herrn Dunkel hier in einen Topf werfen, so umzudrehen, daß es zum Nachweis eines womöglich liquidatorischen Sednugsbewußtsein dient, das sie den Grünen insgesamt unterstellen, ist schon ein starkes Stück.
    Das einzige relativ aussagehaltige Fragment, das sie bemühen, bezieht sich auf Amerika und den 11.September. Man könnte Ulf Dunkel vorwerfen, die Singularität des 11.September geleugnet zu haben. Das haben Andere öffentliche Persönlichkeiten auch getan, und ob das für eine solche Denunziation als Antisemit ausreicht, scheint mir zweifelhaft.

    Im Interesse eines „Integrationsblogs“ sollte es doch sein, daß Religionskritik im besten Sinne unserer aufgeklärten Tradition möglich ist, oder sehe ich da was falsch? Heißt Integration für Sie, daß sich Anhänger verschiedener Religionen und Atheisten so sehr achten, daß sie auf jegliche Auseinandersetzung um die Werte unserer Gesellschaft verzichten?
    Eine Diskussionskultur, die die vor 200 Jahren gegen den Widerstand einer damals noch offen antisemitischen Religion erkämpfte Freiheit zur Hinterfragung religiöser Normen in die Tonne tritt und Kritiker der jüdischen und moslemischen Beschneidungspraxis, wo sie gegen Verfassungsnormen verstossen, als Antisemiten ins politische Aus zu stellen versucht, kann doch nicht im Ernst Ihr Ziel sein?

    befremdet
    Philmus

Die Integrationsblogger