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Grizzlys können tanzen

Eines Morgens stand ich auf und es war wieder mal so ein Morgen, an dem ich mich fragte: „Wofür machst du eigentlich den ganzen Mist? Schmeiß doch alles hin, setz dich in den Wald und beobachte einfach die Bäume. Wie der Wind die Blätter bewegt und die Herbstfarben durch den Morgenschimmer flattern. Vielleicht würde ja ein Grizzlybär durch das idyllische Bild fröhlich dahertänzeln. So leicht beflügelt und geschickt, wie eine zarte Ballerina. Ja, das wäre jetzt voll entspannend.“ Dann gab ich mir einen Ruck, stand auf und schleppte mich ins Bad. Alles verlief schwer und erschlagen. Es ist nicht so, dass ich kein Ziel hätte, sondern dass mir einfach die Kraft zu alledem ausgegangen war oder ist. Wie gewöhnlich schnappte meine Hand instinktiv nach dem Handy, um zu checken was bei Facebook abläuft. Ich sah das Bild von Made My Day worauf der Spruch „Leugnen, Wut, verhandeln, Depression, Akzeptanz…Die 5 Phasen des Aufwachens.“ stand. Alles was danach passierte, waren die Folgen einer Kausalitätskette. Dieser Spruch weckte in mir eine Erinnerung zu einem Ereignis, welches vor ein paar Wochen passiert ist:

Provokation im Cafe

Ich saß mit einer Freundin im Cafe und wir schlürften beide genüsslich einen Latte Machiato. Neben uns am Tisch saßen zwei Männer und eine Frau. Die Frau und einer von den Männern waren im Gespräch vertieft. Der andere Mann schaute zu mir hinüber und fragte mich dreist: „Sagen Sie mal, warum tragen Sie das Kopftuch?“ Ich dachte mir nur „Oh nöööö, nicht schon wieder das ätzende Thema und außerdem Alter, komm mal klar. Wie wäre es erst mal mit einem Hallo, bevor du mit der Tür ins Haus platzt. Kotz!“ Trotzdem antwortete ich „Weil ich mich so wohl fühle und aus religiösen Gründen.“ Er hackte weiter provokativ nach. „Oder war das Ihr Bruder, der es Ihnen aufbefohlen hat?“
„Ich hab keinen Bruder!“
„Okay. Dann zwingt Ihr Vater Sie dazu.“
„Mein Vater ist kein Muslim, wenn Sie das meinen. Also können Sie das auch schon mal ausschließen. Ich mache es freiwillig.“
„Jetzt bin ich irritiert. Verstehe ich nicht. Sie bringen mich total aus dem Konzept. Nicht schlecht!“
Und dann ging das ganze Gedöns weiter mit dem Thema „Flüchtlinge“, dass die Kriminalität in Deutschland steigen würde, alle muslimischen Männer schlagen ihre Frauen, die Frauen sind Untertanen.  Bla bla bla….

Der Ex-Soldat und seine Analyse

Er erzählte mir, dass er ein Ex-Soldat sei, der damals mit in dem Bosnienkrieg dabei gewesen sei. Die Menschen wären dort seelisch kaputt aufgrund der Ereignisse, was auch nachvollziehbar ist. Hin und wieder stellte er mir weitere provokative Fragen in Bezug auf den Islam. Nach jeder Antwort, die ich ihm gab, war er umso mehr irritiert und sagte mir: „Du zerstörst gerade mein Bild von all dem was ich erlebt habe.“
„Tja, so ist das aber.“ entgegnete ich ihm. Währenddessen war meine Freundin in ihrer eigenen Welt vertieft. Doch dann geschah etwas völlig eigenartiges. Plötzlich nahm ich nichts mehr um mich herum war und sah einen Soldaten mitten im Krieg vor mir, der mich eindringlich mit seinem strengen Blick musterte, völlig angewidert von seinen Erfahrungen, die er leider machen musste, gleichzeitig total irritiert und überrascht von dem was gerade ablief, und mir sagte: „Lass dir Eins gesagt sein. Du bist eine verdammte Kämpferin und was für eine. Das sehe ich in deinen Augen. Bewahre dir das bloß.“ Das ganze Gespräch vor diesen Sätzen geriet völlig in den Hintergrund und meine Freundin erwachte aus ihrer Trance. Nur der Satz blieb wirklich hängen. Das weitere Gespräch war nur unnötiges Geblubber. Nach ein paar Minuten ging er auch und verschwand im Getummel. Ich denke der Sinn von diesem Gespräch war einfach nur dieser eine Satz. Es ist auch egal von wem er stammt. In diesem einen Augenblick empfand ich es so und meine Freundin auch, als ob es nicht von dem provokativen Typen stammen würde. Es war ein magischer Moment!

Der schwere Morgen

Und als ich an diesem Morgen an meinem Tässchen Cay nippte, fragte ich mich: „Und was bringt es, wenn du jetzt alles hinschmeißt. Was willst du dann machen? Dahin vegetieren und „ugga agga“ rufen? Hat wohl wenig Sinn.“ Ich schöpfte aus dieser Erinnerung meine Kraft und raufte mich auf zur Arbeit. Auf der Arbeit angekommen sagte ein Kollege im Gespräch, wovon Zusammenhang hier uninteressant ist: „Du bist noch so jung. Das vergisst du nur. Dein ganzes Leben liegt vor dir.“
Ja, er hat Recht.

Schöpft daraus Nutzen

Eins zum anderen und so musste ich mich hinsetzen und meinen Nutzen davon an Euch weitergeben, in dem ich diesen Artikel hier schrieb.
Wenn ich nicht weiß, ob ich für eine Sache weiterkämpfen soll oder nicht, dann frage ich mich, ob diese eine Sache in Bezug auf mich authentisch ist. Wenn nicht, ist es wahrscheinlich vergeudete Zeit. Der Traum von jemand anders. Und spätestens da treffe ich eine Entscheidung. Aufgeben heißt nicht immer scheitern. Es ist auch ein Lernprozess, der notwendig ist, damit wir eventuell auf unserem weiteren Wege nicht scheitern.

Wir haben es alle nicht leicht

Und wenn es etwas ist, was Du nicht aus Deinem Leben entfernen kannst, dann akzeptiere es und hacke nicht darauf herum.
Jeder von uns hat ein Päckchen zu tragen. Das eine ist vielleicht etwas leichter, das andere schwerer. Doch es gibt immer einen Grund zu kämpfen.

Die Gründe, die mir hier spontan einfallen

Auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, was ich bewirke, so weiß ich doch, es bewirkt etwas. Allein schon Eure Resonanz ist es mir wert weiterzumachen. Dazu kommt noch, dass viele Vorurteile abgebaut werden. Und DAS verändert etwas in der Welt und in mir selbst. Und nein nicht das Bloggen belastet mich. Das Bloggen ist mein Ventil und mein Anker. Es treibt mich an. Es geht hier in diesem Artikel allerdings nicht um meine Last, sondern darum Euch Mut zu machen weiterzugehen, wenn es Euch mal schlecht geht. Wenn Ihr das Ziel nicht mehr vor Augen habt oder nicht wahrnehmen könnt, wie viel Ihr doch eigentlich schafft. Denn jeder von uns hat so ein Ventil, das uns ankurbelt. Für jeden von euch gilt: Finde Dein Ventil! Wir alle haben Menschen, die uns brauchen. Und wenn wir geben, kriegen wir auch etwas zurück. Der Weg zum Ziel ist das Wesentliche und der Spaß daran. Hol es Dir zurück. Genieße Deinen Weg.

Aus der Ruhe schöpfst Du Kraft

Manchmal ist es vielleicht auch mal gut sich einfach nur eine Pause zu gönnen und neue Kraft zu schöpfen. Die Kunst liegt darin dies zu erkennen. Wenn es nicht geht, dann mach weiter, nur langsam. Dein Körper ist keine Maschine, die nonstop weitermachen kann. Wenn wir krank sind (seelisch), nehmen wir es oft als Simulation auf, wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir zum Arzt gehen und machen genauso weiter. Wir wollen immer und immer weiter fahren, obwohl das Benzin im Auto ausgegangen ist. Wir sind keine iPhones, die immer einwandfrei funktionieren können. Alles alte Grundsätze, die in der schnelllebigen Gesellschaft in Vergessenheit geraten. Und übrigens die iPhones und Co. geben nach, schätzungsweise, 3 Jahren den Geist auf. Das ist der Unterschied zu einem Menschen. Er braucht Ruhephasen, um weiterzumachen, um weiter etwas schaffen zu können. Das ist menschlich! Und vielleicht bist Du auch schon so knapp vor Deinem Ziel und Du willst jetzt aufgeben? Lege ein Gang zurück, aber gehe weiter. Keiner hat einen Nutzen davon, wenn Du aussteigst. Eher Kummer und Sorgen. Und wenn wir ehrlich sind: Wohin aussteigen? Der Zug fährt weiter. Versuch nur ohne unnötiges Zeug weiterzufahren, denn Du weißt: Nach der Erschwernis kommt die Erleichterung! Halte noch ein bisschen durch.

Dieser Beitrag erschien auch bei tatjana-rogalski.de

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About Author

Tatjana Rogalski

ist Co-Chefbloggerin der Integrationsblogger, hat deutschrussische und tatarische Wurzeln. 1994 ist sie nach Deutschland ausgesiedelt. Jeder Mensch sollte Hoffnung in sich hegen, denn ohne Hoffnung ist der Untergang vorprogrammiert. "Wenn Du nicht fliegen kannst, renne, Wenn Du nicht rennen kannst, gehe, Wenn Du nicht gehen kannst, krieche. Was auch immer Du tust, Du musst weitermachen." (Martin Luther King) Denn nach jeder Erschwernis, folgt die Erleichterung! Falls die Erleichterung noch nicht eingetreten ist, dann ist es noch nicht das Ende! Sei positiv, lächle und zwar nicht erst, wenn der Sturm vorbei ist, sondern lächle ihm ins Gesicht, um ihn zu besiegen, glaube an Dich selbst und wisse, dass jeder Mensch auf seine Art und Weise einzigartig ist :)

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