Werdet keine Opfer von gefakten Zitaten!

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Wir haben bewusst ein Foto auf unserer Fanpage gepostet. Binnen weniger Stunden hat dieses Posting mit die meisten „Gefällt mir“-Angaben bekommen.

Auf dem Foto wird Angelina Jolie mit den Worten zitiert:
„Muslime sind keine Terroristen, die Welt muss sich gegen Israel vereinen“

10588901_10204425036290602_130236856_nEs ist bekannt, dass Angelina Jolie sich für Menschenrechte einsetzt. Darüber hatte unsere Bloggerin Tatjana Rogalski geschrieben. Allerdings habe ich mal nach diesem Zitat recherchiert. Keine zuverlässige Quelle war zu finden.

In einem anderen Blog habe ich folgendes Zitat von Jolie gefunden:

20140730-010420-3860312.jpgAngelina Jolie: „Die Araber und Muslime sind keine Terroristen und die Welt muss die Wahrheit über Israel herausfinden.“

Hmmm, auch komisch! Was denn jetzt? Soll sich die Welt nun gegen Israel vereinen oder soll sie die Wahrheit über Israel herausfinden?

Diese Frage und die Reaktionen auf unser Posting auf Facebook haben mich eine These aufzustellen motiviert. Es liest sich ein wenig verschwörerisch, aber die Reaktionen von uns Muslimen darauf bestätigen meine These.

Solche Zitate werden von bestimmten Menschen bewusst produziert, damit bestimmte Stereotypen bedient werden können. Gehen wir aber davon aus, dass Angelina Jolie diese zwei unterschiedlichen Äußerungen tatsächlich an unterschiedlichen Orten getätigt hat, wird die These bestätigt, da gerade diese Zitate sowohl bei uns Muslimen als auch bei Nichtmuslimen emotionale Reaktionen auslösen können.

Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit
Außerdem kursieren im Netz eine Reihe alter Videos aus Krisengebieten wie Afghanistan, Irak oder dem Iran, die uns als aktuelle Videos aus Palästina verkauft werden.
Genauso war es mit den Bildern aus Burma.

Ein Zitat aus dem Artikel Das Leid der Rohingya und das Schweigen der „zivilisierten“ Medien:

„Zuerst kursierten Bilder in den sozialen Netzwerken über Menschen, die ins Feuer geworfen und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Jedoch waren auch sehr viele Bilder dabei, die nichts mit den Ereignissen in Rakhine zu tun hatten, so dass alles sehr undurchschaubar war und schwer zu unterscheiden, welche Bilder nun der Realität entsprechen und welche nicht. Dadurch war die richtige Beurteilung der Situation erschwert.“

Schauen wir uns die „Gefällt mir“-Angaben zu unserem Posting „Angelina Jolie“ an, stelle ich fest, dass es vom Namen her meist Menschen muslimischen Glaubens sind. Ich gehe aber stark davon aus, dass die meisten unreflektiert auf solche „produzierten Zitate“ reagieren. Prompt heißt es dann, dass der Antisemitismus „tief im islamischen Glauben verankert“ sei.

Tatsache ist aber, dass der Islam selbst besagt, dass man nicht alles glauben soll, was man an Gerüchten hört und sich selbst vergewissern sollte.

Das sehen wir im folgenden Quranvers (Sure Hujurat den Vers 6):

„O ihr, die ihr glaubt! Wenn irgendwelche Frevler euch eine Neuigkeit bringen (die ein Eingreifen erfordert), dann vergewissert euch erst sorgfältig (dass sie auf Wahrheit beruht, bevor ihr ihnen Glauben schenkt und eingreift), damit ihr nicht Menschen aus Unwissenheit Schaden zufügt und dann bedauert, was ihr getan habt.“

Also, liebe Leser/innen, geht immer schön vorsichtig mit Informationen um. Es muss nicht immer wahr sein, was im Internet steht und es kann schnell zu falscher Meinungsbildung, negativen Einflüssen auf zwischenmenschliche Kontakte und gar bis zu Auseinandersetzungen mit nahestehenden Menschen führen.

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About Author

ist Gründer und Chefblogger der Integrationsblogger und wurde 1977 in der berühmt berüchtigten Dortmunder Nordstadt als jüngster Sohn einer türkischen Familie geboren. Von hier aus unternahm er eine Reise mit ungewöhnlichen Stationen: Er war Sohn, Schüler, Breakdancer, Kickboxer, Kaufmann, leitende Positionen in der Bildungsbranche und hat als PR-Mitarbeiter für ein Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule gearbeitet. Er ist stolzer Familienvater und hat drei Töchter. Diesen Blog gründete ich ursprünglich für mich selbst. Nach einiger Zeit erschien mir die Darstellung nur einer Perspektive dann aber doch etwas zu einfältig, so dass ich andere Autoren einlud, ihre Geschichten zu erzählen. Der Name „Integrationsblogger“ assoziiert die aktuellen Debatten – was ist da spannender, als ein Blog der die bunte Vielfalt seiner Autoren, ihrer verschiedenen Positionen und Erfahrungen widerspiegelt? Unsere Autorenschaft ist multikulturell und multireligiös aufgestellt, wir haben jüdische, christliche, muslimische sowie deutsche und türkische Federn unter uns, doch hat jeder eine individuelle Geschichte, Perspektive und Sichtweise. Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim Verfolgen, Verweilen und Stöbern auf unserem Blog und würde mich über Anregungen und Kritik freuen..!

1 Kommentar

  1. Mavid van Dalik on

    Genau richtig formuliert, Achtsamkeit und Objektivität sollten an erster Stelle stehen, damit man später nicht in den Verruf kommt „unwahre“ Sachen zu veröffentlichen. Besonders wir Muslime müssen aufpassen.

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