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Unheimlich wird es mir langsam. Wenn eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft oder eine bestimmte Religion immer mehr ins Abseits gerät. Wenn Menschen ausgebuht werden, weil sie für diese ins Abseits Geratenen die Stimme erheben. Wenn die Gesellschaft immer weiter gespalten wird. Und die Gräben immer tiefer werden, die Ängste auf allen Seiten immer stärker. Wenn wir uns alle langsam nicht mehr wohl fühlen, hier in “Unserer” Gesellschaft.

Jetzt wird es langsam Zeit Verantwortung zu übernehmen. Wir alle.

“Wir”. Wer ist das überhaupt?

Junge, Alte, Männer, Frauen, Reiche, Arme, ganz “Normale”, Homo- und Heterosexuelle, Deutsche, Türken, Araber, Jugoslaven, Russen, Franzosen, Engländer, Inder, Japaner und weiß der Geier, welche Nationalitäten noch alles vertreten sind. Christen, Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten, Atheisten. Und alle erdenklichen Mischungen von alledem.

Wir leben alle zusammen hier in Deutschland . Wir mögen auf den ersten Blick sehr verschieden sein. Zu verschieden. Aber wir alle teilen ein gemeinsames Interesse. Nämlich hier in dieser Gesellschaft zu leben.

Und auf den zweiten Blick sind wir gar nicht mehr so verschieden. Denn unsere Erwartungen und Wünsche an die Gesellschaft sind sich eigentlich ziemlich ähnlich. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für alle, Gesundheit, die Möglichkeit mit ehrlicher Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen, Zugang zu Bildung und der Wunsch, dass unsere Kinder und Kindeskinder das alles auch noch genießen dürfen. Am Ende haben wir doch alle ganz “menschliche” Bedürfnisse.

„Wir“ haben viele Gemeinsamkeiten

Wir denken, wir wären zu verschieden, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. In Wirklichkeit ist es die Herausforderung unserer Zeit, wieder zu entdecken, wie viele Gemeinsamkeiten wir eigentlich haben.

Ein friedliches Miteinander wird aber nur funktionieren, wenn wir lernen aufeinander zu zu gehen, jedoch ohne sich selbst aufzugeben. Genau wie eine Partnerschaft am besten funktioniert, wenn beide voneinander unabhängig sind, jedoch viele Gemeinsamkeiten teilen. So sollten wir vielleicht in unserer Gesellschaft auch lernen, Gemeinsamkeiten zu finden, ohne uns selbst aufzugeben.

Bist du Jude, Christ, Muslim, Atheist? Welche politische Richtung bevorzugst du? Familienmensch oder eher Einzelgänger? Welche Werte machen dich aus? Werde dir klar darüber. Und dann verlasse ab und zu mal deine “comfort zone” und lass dich bewusst ein auf Begegnungen mit Menschen, die anders sind. Führe auch mal ein anstrengendes Gespräch. Beantworte auch mal unbequeme Fragen. Sei dir dabei über deine eigene Position klar und bleib dir selber treu. Aber versuche auch die anderen ein Stück kennen zu lernen.

Keiner muss sich selbst aufgeben, um in dieser Gesellschaft Platz zu finden. Aber wir sollten uns angewöhnen, anderen offen und unvoreingenommen zu begegnen.

So kann Stück für Stück ein Wir-Gefühl wachsen. Kein Politiker, keine Demokratie und kein Hass auf die anderen kann uns dieses Wir-Gefühl geben. Das müssen “Wir” uns schon selbst erarbeiten.

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Studium Deutsch als Fremdsprache, Pädagogik, Semitistik. Themenschwerpunkte: Interkulturalität, Mehrsprachigkeit, Pädagogik

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