Zwischen Hoffen und Bangen: Die aktuelle Lage der Türkei

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Toooooorr: 90+5. Mevlüt Erdinc schießt das Tor zum 2:0 gegen Rumänien und die Türkei darf so weiterhin auf eine WM-Teilnahme in Brasilien hoffen. Der neue Trainer Fatih Terim, der vorerst nur für vier Spiele eingestellt wurde, erläutert, dass dieser Sieg  eine schöne Botschaft an das türkische Volk sein soll, das geradebedingt durch die politische Lage leicht angeschlagen ist.

Seit 2011 haben die Türkei und die Welt mit der Syrienkrise zu kämpfen, die bis dato zehntausenden Menschen das Leben gekostet hat. Die Türkei hat über 600 000 Flüchtlinge aufgenommen und versorgt diese mit dem Nötigsten. Seit Ausbruch des Konflikts versucht Assad in der Türkei Unruhe zu stiften, vor allem gibt es immer wieder – teilweise mit Unterstützung der linksextremistischen DHKP-C – Demonstranten, die für Assad protestieren und gleichzeitig Erdoğan als einen Diktator beschimpfen.

Die DHKP-C bekannte sich zum Anschlag auf das US-Konsulat in Ankara im Februar dieses Jahres.Auf Twitter meldete sich vor ein paar Monaten ein Ex-Führungsmitglied der DHKP-C, das nun als Aussteiger die Absichten und Methoden der DHKP-C aufdeckt und somit versucht, das Volk zu warnen.

Die am stärksten hervorstechende Absicht dieser terroristischen Organisation ist es, in der Türkei einen Bürgerkrieg anzuzetteln, vor allem zwischen sunnitischen Muslimen und Aleviten.

Am 10.09.13 starb während einer Demonstration in Hatay (an der Grenze zu Syrien) Ahmet Atakan. Eine breit angelegte Desinformationskampagne  versuchte auf Twitter und Facebook, die Schuld auf die türkische Polizei zu schieben. Türkische Gerichtsmediziner stellten hingegen fest, dass Ahmet Atakan Spuren auf seinen Körper aufweise, die auf einen Sturz hindeuteten. Journalisten veröffentlichten später das Todesvideo von Ahmet Atakan, auf dem man eindeutig sehen kann, dass Ahmet Atakan vom dritten Stock eines Gebäudes heruntergefallen und gestorben ist.

Es stellte sich heraus, dass Ahmet Atakan auf Facebook und Twitter Propaganda für Assad und gegen Erdoğan gemacht hatte.

Die türkische Wirtschaft leidet, wie auch Brasilien, Südafrika, Indien unter der Politik der US-Zentralbank, die ihre Geldpolitik offen lässt und den Weltmarkt somit verwirrt. Durch den zunehmenden Anschein, dass die USA einen Eingriff in Syrien planen oder verwirklichen werden, stürzte die Türkei in eine kleine Krise. Am Montag hat sich die türkische Börse leicht erholt, um 6% zugelegt und kam zeitweise wieder auf einen Aktienindexstand in der Höhe von 72 000 Punkten (Vergleich 22.Mai: 93 000).

Der Vorschlag der russischen Regierung, der dazu führen könnte, dass sich eine Intervention in Syrien erübrigt, sorgte an den Weltbörsen noch einmal für Entspannung. Eine Intervention in Syrien würde bedeuten, dass die Ölpreise ansteigen werden und die Türkei ihre Grenzen vor möglichen Vergeltungsschlägen Assads schützen muss.

Darüber hinaus verärgerte die Politik des türkischen Außenministeriums gegenüber der Putschistenregierung in Ägypten auch Anleger aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Projekt Afsin-Elbistan wurde bis Anfang 2014 aufs Eis gelegt. Man erwartete 12 Milliarden US Dollar Umsatz von diesem Projekt, die nun fürs Erste nicht stattfinden werden.

Am vergangenen Samstag hoffte nun die ganze Türkei, die Olympischen Spiele nach Istanbul bringen zu können, doch man scheiterte gegen Tokio, nachdemman sich gegen Madrid durchgesetzt hatte. Durch die Spiele hätte ein zusätzlicher Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar durch neue Touristen bis 2020 gewonnen werden können.

Wo es Enttäuschungen gibt, kommen am Ende auch Hoffnungen und Erfolge wieder

Es gibt aber auch positive Meldungen: Die türkische Wirtschaft schaffte es im 2.Quartal,sich um 4,4 % zu vergrößern und sprengte damit alle Erwartungen. Am Montag stieg die Börse von 67 000 auf 70000 Punkte. Am Dienstag schaffte es die türkische Lira, teilweise wieder unter 2 Dollar zu kommen. Türkischen Wirtschaftsexperten zufolge bleibt der Wert der TL bis zum Ende des Jahres jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit stabil auf 2 Dollar. Sollte es aber in Syrien zu einer Intervention kommen, wäre die türkische Lira sogar über der 2,10-Dollar-Marke denkbar. Findet man hingegen bis zum Ende des Jahres eine friedliche Lösung im Fall Syrien, könnte die türkische Lira sich erholen und auf 1.90 Dollar runtergehen.

Je mehr der Wert des $ steigt, desto teurer wird für die Türkei der Schuldendienst, denn die meisten Staatsschulden der Türkei werden mit dem Dollar bezahlt.

Schon jetzt belastet der Bürgerkrieg in Syrien die türkischen Steuerzahler mit schätzungsweise über 10 Milliarden US-Dollar.

Weiterhin darf Izmir auf die Austragung der EXPO 2020 hoffen und die Türkei auf die Austragung der Halbfinal- und Finalspiele der EM 2020.In den letzten Jahren gelangen der Türkei auch große Fortschritte in Sachen Technologie und Militär. Die türkische Rüstungsindustrie schaffte es,einen Panzerzu 100% aus einheimischen Ressourcen zu bauen und einen Kampfhubschrauber zu entwickeln.  Im  Jahre 2008 wurde die Heybeliada (Korvette der türkischen Armee) zu Wasser gelassen. Auch die Korvette wurde mit heimischen Ressourcen entwickelt und in einer Istanbuler Schiffswerft gebaut.

Des Weiteren versucht die türkische Regierung, die Abhängigkeit vom Ausland durch den Bau eines Atomreaktors zu bekämpfen und so das Haushaltsdefizit zu bekämpfen. Die Türkei ist sehr abhängig von ausländischenRessourcen, insbesondere im Energiebereich. Dieses Projekt soll der Türkei 20 Milliarden US-Dollar einbringen.

Trotz der Probleme mit den Nachbarn ist die türkische Wirtschaft immer noch gut auf den Beinen. Man ist natürlich nervös und angespannt, aber nicht in Panik…

Ich möchte betonen, dass ich keine Sympathie für irgendeine Partei in der Türkei habe und dieser Artikel meine eigene Meinung ist.

Ich trauere im Übrigen um die unschuldigen Menschen, die am 11.September beim Anschlag gestorben sind, jedoch auch um die unschuldigen Menschen, die in den bewaffneten Auseinandersetzungen nach dem Attentat im Irak, Afghanistan usw. gestorben sind.

 

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21 Jahre und studiert Informatik an der Hochschule Trier. Seit Dezember 2012 ist er Präsident des Studierendenparlaments.Missverständnisse und Trägheit machen vielleicht mehr Irrungen in der Welt als List und Bosheit.Johann Wolfgang von Goethe

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