Zwölf Tage als „Kardasch“ in Marokko

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1. Tag in Marokko

Wenn man die Imazighen näher kennenlernen möchte, sollte man zum marokkanischen Bazar im Dorf Thazaghine gehen. Laut unbestätigter Angabe leider zu 98% analphabetisch. Die zum Teil in dritter Generation dort lebenden Europäer und ein sehr kleiner Anteil an Einheimischen können lesen und schreiben. Der Lebensunterhalt wird durch Feldarbeit gewährleistet.

Den Begriff „Berber“, wie sie gerne von uns Europäern benutzt wird, empfinden die Imazighen als Beleidigung. Damals waren es die Imazighen, die die Kolonialmacht Spanien zurückgedrängt haben. Die Bilder habe ich im tiefsten Dorf Thazaghine mit einer Internetverbindung von 384 kbyte/s geschossen. Es war mir also nicht möglich sie direkt über Facebook, Twitter & Co zu teilen. Nun aber einsehbar über diesem Beitrag im Slider für euch bearbeitet.

2. Tag in Marokko

Auf Mietwagensuche in Nador. 7-Sitzer schwer zu finden :-). Einen Vorteil nutze ich schon mal in Nador aus: Voller 3G Empfang. Daher jetzt mal ein Einblick in den marokkanischen Bazar in Thazaghine. Seit ich hier im Dorf bin, schon die dritte Hochzeit. Man hört es im ganzen Dorf bis zum Morgengrauen.

3. Tag Marokko

Heute beim Freitagsgebet gewesen. Das Dorf hat vier Moscheen. Der Gebetsruf ist im wahrsten Sinne ein Ruf zum Gebet. Anders als in der Türkei, in der der Gebetsruf mit einer Art Gesang bzw. Kunst geschmückt wird. Dadurch wird eine spirituelle Atmosphäre zum Gebet im Vorfeld schon im Vorfeld geschaffen. Den reinen Gebetsruf handhaben allerdings alle vier Moscheen anders. Abhängig also vom Muezzin.

Die Imame nutzen die Freitagspredigten, um sie an das Leben des Jenseits zu erinnern. Jedenfalls habe ich es als länger empfunden als gewohnt. Vergleiche ich das mit den Freitagspredigten in Deutschland, kommen mir die in Deutschland wie eine schnelle Abfertigung vor.

Da es hier sehr warm ist, wird in der Mittagszeit die Siesta genutzt. Man findet in der Mittagszeit sehr wenige Menschen auf den Straßen. Die Siesta ist allerdings eine Praxis unseres Propheten a.s.v. Jedenfalls wird die Produktivität nach diesem Mittagsschlaf immens angekurbelt. Da die Geschäfte keine Schlusszeiten haben.

Ich merke auch, dass sehr viele europäische Marokkaner in dieser Zeit ihren Urlaub im Dorf verbringen.

Die Marokkaner legen sehr viel Wert auf Mercedes. Vor allen Dingen gibt es hier Modelle, die in Deutschland schon längst als Oldtimer gelten. Und die Maschinen sind richtig fit im Tritt.

Übrigens gab es heute wieder eine Hochzeit und für morgen ist ebenfalls eine angekündigt.

Einen Mietwagen habe ich zwar nicht bekommen, da sie in der Urlaubszeit alle vermietet werden. Aber ich habe von einem Bekannten für meinen Aufenthalt solange einen Mercedes bekommen.

Am Nachmittag bin ich mit meinen Töchtern an den Strand gefahren. Der Strand ist für muslimische Familien 1a. Kann ich jedem empfehlen.

Auf dem Rückweg bin ich mit dem Mercedes im Sand steckengeblieben. Drei Marokkaner, die Mazight gesprochen haben und bei denen ich kein Wort verstanden habe, waren sofort zur Stelle. Binnen weniger Sekunden haben die mich rausgeschoben und ich konnte weiterfahren. Jetzt sitzen wir mit der Familie bei einem gemütlichen Na’na-Tee (marokkanischer Pfefferminztee).

Das war es für heute. Mal sehen, was morgen Neues auf mich zukommt.

4. Tag Marokko

Heute habe ich marokkanische Gräber besucht. Was mir aufgefallen ist, ist, dass die Gräber von Frauen und Männern unterschiedlich gekennzeichnet sind. Am Kopf der Gräber befindet sich entweder ein senkrechter Stein oder ein waagrechter. Waagrecht für Mann und senkrecht für Frau. So erkenne man das Geschlecht.

Der Weg zu den Gräbern ist allerdings nicht ohne. Sehr steinige und hügelige Wege führen dorthin. So wie das Leben steinig und hügelig ist. Es befinden sich auch Gräber, die schätzungsweise mindestens hundert Jahre alt sind. Man erkennt sie nur noch an den Steinen. Man weiß nicht mehr, wer in den jeweiligen Gräbern liegt. Diese waren über die Jahrzehnte bei den Nachfahren einfach in Vergessenheit geraten. Demnach werden sie auch nicht mehr gepflegt. Die letzten Gräber, an deren Namen man sich erinnert, ist der meiner Schwiegeroma und der meines Urschwiegeropas. Man erkennt auch an der arabischen Schrift deren Nachnamen.

In dem Dorf Thazaghine sind die Nachnamen Arkiza und Karada sehr bekannt. Es sind zwei der größten Familien im Dorf. Es handelt sich hierbei eigentlich um eine Familie. Der Nachname Karada wurde bestimmten Arbeitern von den Spaniern zugewiesen. Es führt zur Kolonialzeit zurück.

Mein Schwiegeropa ist dann bei Karada geblieben. Ursprünglich hießen sie Arkiza. Einer der Gründe für die Namensänderung bei einigen Familien waren auch die gleichen Vornamen. Z. B. gab es über die Generationen zu viele Muhammed, Hasan oder Mimoun Arkizas. So hat man ab einer bestimmten Generation sich bei diesen Namen für Karada entschieden. So die Erklärung im Dorf.

Über die Kolonialmacht der Spanier reden die Imazighen nicht gerne. Meine Schwiegeruropas wurden in Bunkern gefoltert. Mein Schwiegervater war wohl sehr klein und mein Schwiegeropa ganz jung, da sie ansehen mussten, wie die Väter verschleppt wurden zum Foltern.

Morgen werde ich dann über die Häuser der Imazighen berichten und über die Attraktion „Türke“, bzw. „Kardasch“, wie sie mich nennen.

Fortsetzung:

Marokko: Überleben mit 160 Euro und jeden Tag eine Hochzeit

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About Author

ist Gründer und Chefblogger der Integrationsblogger und wurde 1977 in der berühmt berüchtigten Dortmunder Nordstadt als jüngster Sohn einer türkischen Familie geboren. Von hier aus unternahm er eine Reise mit ungewöhnlichen Stationen: Er war Sohn, Schüler, Breakdancer, Kickboxer, Kaufmann, leitende Positionen in der Bildungsbranche und hat als PR-Mitarbeiter für ein Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule gearbeitet. Er ist stolzer Familienvater und hat drei Töchter. Diesen Blog gründete ich ursprünglich für mich selbst. Nach einiger Zeit erschien mir die Darstellung nur einer Perspektive dann aber doch etwas zu einfältig, so dass ich andere Autoren einlud, ihre Geschichten zu erzählen. Der Name „Integrationsblogger“ assoziiert die aktuellen Debatten – was ist da spannender, als ein Blog der die bunte Vielfalt seiner Autoren, ihrer verschiedenen Positionen und Erfahrungen widerspiegelt? Unsere Autorenschaft ist multikulturell und multireligiös aufgestellt, wir haben jüdische, christliche, muslimische sowie deutsche und türkische Federn unter uns, doch hat jeder eine individuelle Geschichte, Perspektive und Sichtweise. Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim Verfolgen, Verweilen und Stöbern auf unserem Blog und würde mich über Anregungen und Kritik freuen..!

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